Immer wieder kommt es in der Region zu Fällen von Dieseldiebstählen. Auf Social Media kursieren Anleitungen und Tipps. Wie gehen die Täter vor und welche Landkreise sind betroffen?
In der Region kommt es in den vergangenen Wochen immer wieder zu Diebstählen von großen Mengen an Kraftstoffen.
Der Krieg im Iran lässt seit Ende Februar die Preise an den Zapfsäulen steigen. Kaum mehr kostet der Liter Sprit unter zwei Euro. Benzin und Diesel sind zu einer noch attraktiveren Beute für Kriminelle geworden als früher.
Zuletzt sorgte ein Fall im Kreis Calw für Aufsehen: Diebe zapften rund 2000 Liter Diesel aus Tankcontainern auf einer Baustelle ab. Im selben Zeitraum klauten Diebe sogar rund 4000 Liter Diesel aus Containern und Baustellenfahrzeugen auf der Großbaustelle an der A 8 an der Ausfahrt Pforzheim-Ost.
Auch im Kreis Rottweil und im Schwarzwald-Baar-Kreis ist es in den vergangenen Wochen zu Diebstählen von großen Mengen an Kraftstoff gekommen.
So viele Fälle hat die Polizei registriert
Zudem verbreiten sich in den sozialen Netzwerken derzeit vermehrt Videos, die Anleitungen zum Kraftstoffdiebstahl und angeblich besonders „lohnende“ Tatorte nennen. Könnte sich der Trend fortsetzen? Die Polizei ordnet die Lage differenzierter ein.
Tatsächlich lässt sich der „gefühlte“ Anstieg noch nicht wirklich mit Zahlen untermauern, berichtet Alexander Uhr, Sprecher des Polizeipräsidiums Pforzheim, auf Anfrage unserer Redaktion. Seit dem 1. Januar seien zwölf Fälle von Dieseldiebstählen im Bereich des Polizeipräsidiums Pforzheim registriert worden. Davon waren zehn im Bereich Pforzheim und zwei in Bad Liebenzell.
Hier gibt es regionale Schwerpunkte
Auch das Polizeipräsidium Konstanz legt auf Anfrage unserer Redaktion die Zahlen offen: Im Januar waren es zehn Fälle von Dieseldiebstahl, im Februar nur vier und im März 15. Der Angriffskrieg der USA auf den Iran war am 28. Februar.
Ob die Steigerung von Kraftstoffdiebstählen aber tatsächlich mit dem Beginn des Krieges und einhergehenden Spritpreiserhöhungen zusammenhängt, lasse sich daraus laut Polizei nicht ablesen. „Dafür ist der Zeitraum noch zu kurz, um faktisch feststellen zu können, ob es einen Zusammenhang gibt“, sagt Daniel Brill, Sprecher des Polizeipräsidiums Konstanz.
Einen deutlichen Schwerpunkt sieht die Polizei im Schwarzwald-Baar-Kreis mit 17 Fällen. Dahinter folgen der Landkreis Rottweil mit sieben Fällen und der Landkreis Tuttlingen mit zwei Fällen.
Diese Methode nutzen die Diebe
Besonders häufig betroffen sind Lastwagen, die in Industriegebieten abgestellt sind. Vor allem Fahrzeuge mit großen Tanks und solche, die abgelegen stehen, geraten ins Visier der Diebe. Vorzugsweise seien die Täter auf nicht überwachten und schlecht beleuchteten Parkplätzen oder Baustellen zugange.
Das Vorgehen ist meist simpel: Sie öffnen den Tank – im Zweifel auch gewaltsam – und saugen den Kraftstoff mithilfe eines Schlauchs ab. Entscheidend ist dabei lediglich, dass das Auffanggefäß niedriger steht als der Tank, sodass der Kraftstoff von selbst herausfließt.
Social Media bisher kein entscheidender Faktor
Auch wenn aktuell Videos auf Social Media kursieren, die vermeintlich günstige Tatorte anpreisen und Anleitungen zum Diebstahl zeigen, sieht die Polizei keinen klaren Zusammenhang mit der tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung.
Nach Einschätzung des Polizeipräsidiums Konstanz spielen soziale Medien derzeit keine bedeutende Rolle, etwa zur Anstiftung von Nachahmern. Auch aus dem Bereich des Polizeipräsidiums Pforzheim liegen keine Hinweise vor, die auf einen solchen Einfluss hindeuten.
Geringe Aufklärungsquote bei Kraftstoffdiebstahl
Bundesweit sieht der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) einen deutlichen Anstieg der Zahl der Dieseldiebstähle wegen der hohen Spritpreise. Für die betroffenen Unternehmen bedeuten diese Diebstähle oft viel Arbeit und hohen Schaden.
Die Aufklärungsquote ist sehr gering und Versicherungen zahlen nicht für den gestohlenen Kraftstoff. Ein Fahrzeug mit aufgebrochenem Tank fällt für das Unternehmen für einige Zeit aus. Zum gestohlenen Diesel kommen oft noch aufgebrochene Tanks hinzu, die ersetzt werden müssen.
Polizei rät zu mehr Aufmerksamkeit
Ganz verhindern lassen sich Kraftstoffdiebstähle nicht, dennoch können Fahrzeughalter das Risiko laut Polizei reduzieren.
Wenn möglich, sollten abschließbare Tankdeckel verwendet werden: Dies kann den Diebstahl erschweren, da es unbefugten Zugriff auf den Kraftstoff verhindert. Auch eine Alarmanlage kann vor Diebstahl schützen.
Die Polizei empfiehlt unter anderem, Fahrzeuge möglichst in gut beleuchteten und einsehbaren Bereichen oder in Garagen abzustellen und abgelegene Parkplätze zu meiden. Die Parkposition so wählen, dass der Tank nur schwer erreichbar ist. Ein wachsames Umfeld könne zusätzlich abschreckend wirken, so die Polizei.
Bund plant Entlastung bei Spritpreisen
Die Bundesregierung hat angesichts der hohen Spritpreise infolge des Iran-Kriegs beschlossen, die Steuern auf Diesel und Benzin für zwei Monate um jeweils rund 17 Cent brutto pro Liter zu senken. Unternehmen sollen die Möglichkeit haben, ihren Beschäftigten eine steuerfreie Prämie von bis zu 1000 Euro zu zahlen. Die Steuerkürzung könnte bereits zum 1. Mai in Kraft treten. Ob diese Entlastung sich auf die Zahl der Dieseldiebstähle in der Region auswirkt, bleibt abzuwarten.