Prognosen sagen für Freitag deutschlandweit Extremwetter voraus. Ist auch im Raum Lahr Gefahr im Verzug? Experten geben auf Nachfrage größtenteils Entwarnung.
Die Winterdienste waren im Ortenaukreis bereits am frühen Donnerstagmorgen unterwegs. Mit Schneepflügen und Streufahrzeugen wurden wichtige Straßen geräumt, um ein Verkehrschaos im morgendlichen Berufsverkehr zu verhindern. Das gelang, auch tagsüber hatten die Einsatzkräfte die Lage im Griff.
Doch das soll nur die Ruhe vor dem Sturm gewesen sein, denn bei vielen Medien überschlugen sich zuletzt die Unwetter-Warnungen für diesen Freitag. Bild online rief etwa den „Eisnahmezustand“ und „Lebensgefahr“ auf deutschen Straßen aus. Laut „t-online“ droht in weiten Teilen des Landes die Unwetterwarnstufe Rot. Sogar von einem sich nähernden Bombenzyklon war bei Focus online die Rede. Illustriert war die Meldung mit Satelliten-Bewegtbildern, auf denen Ausläufer des Unwetters auch über die Ortenau zogen.
Muss man sich in Lahr und Umgebung nun ernsthaft Sorgen machen? Unsere Redaktion hat zunächst bei der von den Brüdern Ohnemus betriebenen Wetterstation Ettenheimmünster nachgefragt, die jeden Monat die wichtigsten Wetterdaten aus der Region veröffentlicht. Auf den möglichen Zyklon am Freitag angesprochen, gibt Patrick Ohnemus gleich Entwarnung: „So bombenartig wird es nicht“. In den Medien werde viel übertrieben, beruhigt er.
Tatsächlich sei am Freitag mit Windgeschwindigkeiten von 70 bis 75 Stundenkilometern zu rechnen. Das sei freilich auch nicht zu unterschätzen: „Ältere Bäume können umstürzen, Äste herunterfallen“.
Der Autor hat auch beim Deutschen Wetterdienst nachgefragt. Nach einer Computerstimme, die mitteilt, dass der Anruf 1,99 Cent pro Minute kostet, wird man mit einem Ansprechpartner verbunden. Der Mann äußert sich ganz ähnlich wie Ohnemus: Er rät den Menschen in Lahr und Umgebung an diesem Freitag zur Vorsicht. Zwar werde die Temperatur auf bis zu zehn Grad Celsius ansteigen, jedoch: „Es wird stürmisch“. Unnötige Fahrten mit dem Auto sollte man vermeiden, da Sturmböen ältere Bäume umknicken und Äste auf die Straßen wehen könnten.
Eine Wetterkatastrophe gibt es am Freitag eher im Norden Deutschlands
Zugleich warnte der Experte vom Deutschen Wetterdienst (DWD) im Gespräch mit unserer Redaktion aber auch vor Schreckensszenarien, zumindest, wenn es um die Ortenau geht. „Im Norden Deutschlands sieht es ganz anders aus“, dort sei ein Schneechaos zu erwarten, heißt es dagegen.
Das ist ein Bombenzyklon
Hintergrund für das Extremwetter: Innerhalb von nur 24 Stunden falle der Luftdruck extrem – ein typisches Merkmal sogenannter Bombenzyklone. Durch den rasanten Druckabfall würden sich mehrere Wettergefahren überlagern, es könnten sich sehr starke Winde, heftiger Regen oder Schneefall entwickeln. Diese intensive, dynamische Wetterlage ziehe aber an der Ortenau vorbei, heißt es.
Und die weiteren Aussichten? „Viele Menschen denken, dass der Winter vorüber ist, aber das stimmt nicht“, so Patrick Ohnemus. Denn am Samstag würden die Temperaturen schon wieder fallen „und es kann sein, dass der Sonntag weiß wird“. Der Übergang von warmem zu kaltem Wetter mache die Lage am Samstag brisant, heißt es indes vom Deutschen Wetterdienst: Autofahrer sollten dann auf mögliches Blitzeis aufpassen.
Die Stadt teilt auf Nachfrage mit, dass der BGL in diesem Winter die verkehrswichtigen Straßen und Plätze bei Schnee und Eis wieder zuverlässig freigeräumt habe. Auch am Freitag werde man rund um die Uhr einsatzbereit sein.
So erreicht man die Experten
Die privat betriebene Wetterstation Ettenheimmünster liefert punktgenaue Vorhersagen für die hiesige Region. Sie ist zum Beispiel der Hauptlieferant von Wetterdaten für den Europa-Park. Nähere Auskünfte gibt es im Internet unter ettenheim-wetter.de sowie unter Telefon 07822/4 47 93. Die (kostenpflichtige) Auskunft des Deutschen Wetterdienstes für Baden-Württemberg, die ebenfalls detaillierte Vorhersagen für einzelne Städte oder Landstriche bietet, erreicht man unter 0900/ 51 16 95 26.