Bei den Bundestags-Wahlpartys von CDU, SPD, Grünen und FDP im Nordschwarzwald sind die Gefühle gemischt.
Die Wahlbeteiligung im Wahlkreis Calw lag bei 76,8 Prozent, die meisten Erststimmen – und damit das Direktmandat – errang mit 33,8 Prozent Klaus Mack (CDU), Saskia Esken (SPD) holte 17,2 Prozent und zog über die Landesliste in den Bundestag ein.
Das war 2021.
Die CDU kam damals auf 28,3 Prozent, die SPD auf 18,9 Prozent, die Grünen auf 11,4 Prozent, die FDP auf 17,7 Prozent, die AfD auf 12,9 Prozent und die Linke auf 2,4 Prozent der Zweitstimmen.
Nun, im Februar 2025, sieht alles ein wenig anders aus.
CDU und AfD dürfen auf deutlich bessere Werte hoffen, SPD, Grüne und FDP müssen das Gegenteil fürchten. Das spiegelte sich auch auf den Wahlpartys der Parteien wider. AfD und Linke feierten im Wahlkreis übrigens nicht – zumindest nicht öffentlich.
CDU Jubelstürme wie im Adenauerhaus in Berlin, die gab es bei der Wahlparty der CDU in der Hochdorfer Krone am Sonntagabend keine. Beinahe regungslos nahmen die rund 60 Christdemokraten um den Kandidaten Klaus Mack die erste Prognose des Wahlergebnisses zur Kenntnis. Erst als die Wahlbeteiligung bekannt wurde, brandete erstmals Applaus auf, wenn auch recht verhaltener. Viel Parteiprominenz aus der Region war an diesem Abend nicht in den größten Nagolder Teilort gekommen. Neben Mack waren noch der neue Kreisvorsitzende Carl Christian Hirsch und sein Vorgänger Thomas Blenke präsent.
Und so richtig zum Feiern zumute war es denen offensichtlich – noch – nicht . Nicht nur weil der Abend zur Hängepartie wurde, sondern möglicherweise auch, weil die CDU trotz des Sieges nur das zweitschlechteste Ergebnis ihrer Geschichte erreicht hat. Ein Ergebnis, das Kreischef Hirsch trotzdem als „ordentlich“ bezeichnete. Der neue Kanzler sei „überzeugend gewählt“ und der alte „krass abgewählt“ worden.
SPD Nervöse Stimmung bei der SPD-Wahlparty im Morgenland in Horb. Daniel Steinrode hatte schon eine schlechte Prognose aus Berlin bekommen. Doch als die erste Hochrechnung Punkt 18 Uhr bei Phönix läuft, ist die Hochrechnung besser als die Prognose: um die 16 Prozent für die SPD. Doch ob es für eine Groko reicht, ist völlig unklar. SPD-Kreischefin Daniela Steinrode knetet die Hände, ihr Mann Daniel schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Auch Markus Thoy, Kreischef der SPD-Freudenstadt, schaut mit enttäuschtem Gesicht auf die Leinwand. Eine Achterbahn der Gefühle.
Markuy Thoy ruft: „Ich habe mit Schlimmerem gerechnet.“ Daniela Steinrode: „Wahnsinn.“ Dann sucht Thoy nach Erklärungen: „Die drei Jahre Koalition waren schwierig – allein wegen der ganzen außenpolitischen Einflüsse. Es war schwer, sich dort als SPD politisch zu positionieren.“ Kreischefin Steinrode: „Es wird wohl heute abend noch hin und her gehen. Klar ist: Wir als SPD müssen nach vorne schauen. Wir haben gute Inhalte gebracht, und wir müssen schauen, wie wir die nach vorne bringen. Für die Menschen, die uns gewählt haben.“
Grüne Ein Minus von knapp zwei Prozent, das sagen die ersten Hochrechnungen der Bundestagswahl 2025 für die Grünen voraus. 13 Prozent sagt die ARD, 12,4 Prozent das ZDF. Die Stimmung der rund 40 Mitglieder der Grünen bei ihrer Wahlparty im Altensteiger Grünen Baum – der Name, passend – könnte aber deutlich schlechter sein. Es gibt rege Unterhaltungen, während den Livestreams gelauscht wird.
Die Kandidatin Thuy Nga Trinh richtet sich lächelnd an die Anwesenden. In den Bundestag wird sie höchstwahrscheinlich nicht einziehen. „Die Prognosen sehen nicht gut aus“, gibt sie zu. Ein Zeichen für sie, die Bürger ernster zu nehmen. „Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit, eine Politik für alle Menschen“, dafür setze sich die Partei ein. Und egal wie das Ergebnis morgen aussehe: „Es war ein Wahnsinnswahlkampf“, betont sie, „wir können richtig stolz auf uns sein.“
FDP Gedrückte Stimmung bei der FDP, wenige Meter weiter Jubel bei den Grünen: Der Direktkandidat für den Wahlkreis Calw, Felix Stöffler, verfolgte in kleiner Runde mit Partei und Freunden die ersten Prognosen im Wirtshaus zum „Grünen Baum“ in Altensteig. Nach den ersten Hochrechnungen um 18 Uhr lag die FDP mit 4,9 Prozent knapp unter der Fünf-Prozent-Hürde.
Dass es hart werden würde, sei jedoch jedem bei der FDP bewusst gewesen, meint Stöffler. Er zeigte sich daher wenig nervös. „Wir haben alles getan, was wir konnten“, erklärt er. Nach der Resonanz an den Wahlständen zu urteilen, halte er jedoch 5,5 bis 6 Prozent für wahrscheinlich und hofft damit auf eine „Deutschland-Koalition“ (Schwarz-Rot-Gelb).
Gespannter sei er persönlich auf die Erststimmen aus dem Kreis. Wenige Meter weiter freuten sich die Grünen, in deutlich größerer Runde, hörbar über die vorläufigen Ergebnisse.