Ein Schaden am Auto ist oft schneller da als gedacht: Wir geben Tipps, wie die häufigsten Fehler vermieden werden können. Foto: Pixabay/StockSnap

Den Motor heiß abstellen, das Auto unsachgemäß reinigen oder die Betriebstemperatur ignorieren - täglich machen Autofahrer unwissentlich Fehler, die ihrem Fahrzeug schaden und im schlimmsten Fall zu hohen Reparaturkosten führen. Wir haben ein paar Tipps eingeholt.

Den Seitenhieb „Gruß ans Getriebe“ hat der ein oder andere sicherlich schon mal von seinem Beifahrer gehört. Was im ersten Moment witzig klingt, ist es auf Dauer aber überhaupt nicht. Denn Autos sind - egal ob Automatik oder nicht - recht empfindlich und brauchen neben der Pflege auch ein gutes Fahrverhalten.

Im Alltag begehen Autofahrer immer wieder Fehler, die sich im Anschluss als teuer erweisen und die Lebensdauer des Fahrzeugs deutlich verringern. Andreas Müller und Julian Häußler vom ADAC geben im Gespräch mit unserer Redaktion Auskunft über typische Behandlungs- und Fahrfehler und klären auf, wie es richtig geht.

Fehler eins: Flüssigkeitsstände nicht kontrollieren

Ein Motorschaden kann oftmals schon durch regelmäßige Prüfung des Ölstandes vermieden werden. Ist zu wenig Öl im Motor, droht ein erhöhter Verschleiß der Motorteile und somit auch eine verringerte Leistung. „Durch fehlende Schmierung kann es zu einer Überbeanspruchung, zu Brüchen oder Verformungen von Materialien kommen. Bewegliche Teile im oder am Motor können ihre Funktion nicht mehr aufrecht erhalten und schaden so dem Motor“, erklärt Andreas Müller vom ADAC Südbaden. Daher solle man den Ölstand regelmäßig prüfen und auf dem vom Hersteller angegebenen Niveau halten. Denn: „Auch zu viel eingefülltes Motoröl schadet dem Motor und muss dringend wieder abgelassen werden“, rät der Experte.

Eine Ölstandprüfung werde alle paar tausend Kilometer empfohlen, bei älteren Autos und solchen mit hoher Laufleistung häufiger. Dasselbe gilt laut Müller für die Motorkühlflüssigkeit, deren Mangel ebenfalls zu einem Motorschaden führen könne.

Fehler zwei: Warnanzeigen und Geräusche ignorieren

Ungewöhnliche Geräusche und aufleuchtende Warnlampen werden gerne mal überhört oder „übersehen“. Doch nichts davon tritt ohne Grund auf. Fehlermeldungen sollten nicht ignoriert, sondern stattdessen schnellstmöglich eine Werkstatt aufgesucht werden. Wer das nicht tut, riskiert laut Andreas Müller schwere Schäden an unterschiedlichen Bauteilen im Auto. „Hat etwa die Wasserpumpe einen hörbaren Lagerschaden, kann sie irgendwann ganz ausfallen“, erklärt er.

Die Motorkontrollleuchte wiederum reagiert laut ADAC-Website auf diverse Probleme bei der Motorsteuerung – Probleme, die sich nicht von alleine lösen und daher nicht unbeachtet bleiben sollten.

Fehler drei: Wartungsintervalle nicht einhalten

Laut ADAC-Experte Andreas Müller unterliegen alle verbauten Teile und Flüssigkeiten durch Witterung sowie physikalische und chemische Prozessen einem Alterungsprozess. Daher sollten Wartungsintervalle eingehalten werden, um das Auto möglichst lange am Leben zu halten. Bei der Wartung werden wichtige Bauteile auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft und bei Bedarf ausgetauscht. Des Weiteren wird das Auto auf Schäden untersucht. Manch ein Autobesitzer will hier Geld sparen und zögert die Wartung seines Wagens heraus, was im Nachhinein allerdings oft teuer wird. Denn bei einem modernen Wagen könne bereits ein überzogener Ölwechsel zu einem teuren Schaden führen, heißt es in der Zeitschrift „Autobild“. Das liege unter anderem an der immer sensibler werdenden Technik, aber auch an den ohnehin längeren Wartungsintervallen.

Fehler vier: Motorbetriebstemperatur nicht beachten

Vor allem in den Wintermonaten, wenn die Fahrzeuge in der Nacht sehr kalten Temperaturen ausgesetzt sind, sollten hochtourige Sprints zu Beginn einer Fahrt vermieden werden. Damit solle man laut Müller warten, bis die Betriebstemperatur des Autos erreicht wurde. „Nur wenn der Motor durch die entstandene Reibungshitze die Möglichkeit bekommen hat, das Motoröl auf Betriebstemperatur zu bringen, ist die Gefahr eines Ölfilmabrisses gebannt“, erklärt der Experte. Reißt der Ölfilm, verschleißt der Motor wesentlich schneller. Wie Leistungssportler auch muss sich das Fahrzeug erst aufwärmen, bevor es seine volle Leistung ohne Schäden erbringen kann.

Fehler fünf: Den Motor Warmlaufen lassen

Den Motor warmlaufen lassen solle man jedoch nicht. „Das schadet nicht nur der Umwelt, sondern ist auch verboten.“ Julian Häußler vom ADAC Württemberg betont, dass diese Vorgehensweise außerdem schädlich für das Auto sei. Tests hätten gezeigt, dass der Motor durch das „Laufenlassen“ im Stand nicht wirklich warm werde und sich ausschließlich die Reibung erhöhe – ganz abgesehen davon, dass das Motoröl ziemlich lange brauche, um seine Betriebstemperatur auf diese Weise zu erreichen.

Eine bessere Alternative sei die Standheizung, um das Auto vorzuwärmen. Außerdem können Frostschutzfolien zumindest die Frontscheibe eisfrei halten.

Fehler sechs: Den Motor heiß abstellen

Ergänzend dazu ist es wenig empfehlenswert, den Motor nach einer längeren Fahrt in höheren Geschwindigkeitsbereichen direkt nach der Ankunft abzustellen. Nach Fahrten unter hoher Last solle ein Motor immer noch kurz im Stand laufen gelassen werden, um etwas abzukühlen, erklärt Andreas Müller. „Ist ein Motor nämlich heiß und wird abgestellt, kann sich der Zylinderkopf verziehen, auch wenn genügend Kühlwasser vorhanden ist.“

Fehler sieben: Fahren im hohen Drehzahlbereich

Der rote Bereich auf dem Drehzahlmesser ist nicht ohne Grund rot. „Je schneller ein Motor arbeiten muss, desto höher sind die mechanischen Kräfte und der damit verbundene Verschleiß“, beschreibt Müller das Problem. Je nach Drehzahl seien die Belastungen im Motor so hoch, dass es zu einem teuren Motorschaden kommen könne. „Eine besonnene Fahrweise und behutsames Schalten helfen, einen Motorschaden zu verhindern“, rät Müller.

Fehler acht: Das Reifenprofil abfahren

Autoreifen sollten laut Experte Julian Häußler nicht komplett abgefahren werden. Gesetzlich sei eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern vorgegeben, der ADAC empfiehlt aus Sicherheitsgründen allerdings mehr. „Ein geringes Reifenprofil verlängert den Bremsweg, vor allem bei Nässe oder Schnee. Außerdem steigt die Gefahr von Aquaplaning.“ Auf seiner Website empfiehlt der ADAC einen Reifenwechsel bei drei Millimetern bei Sommerreifen, Winterreifen sollten bereits bei vier Millimetern ausgetauscht werden.

Fehler neun: Bei Unwetter oder Starkregen durch große Pfützen fahren

„Wenn ein Motor Wasser anstatt Luft ansaugt und das Wasser in den Brennraum gelangt, ist es meist schon zu spät“, warnt Müller. Daher solle man große Pfützen bei Unwetter-Hochwasser möglichst umfahren, um keinen teuren Motorschaden zu riskieren, da viele Autos die Luft relativ weit unten ansaugen. „Denn Wasser lässt sich nicht komprimieren und bremst den Kolben abrupt ab.“ Beim Kolben handelt es sich um ein Bauteil des Verbrennungsmotors. Meistens verbiegen sich dann die Pleuel, Schäden an der Kurbelwelle, am Zylinderkopf und am Motorblock können entstehen.

Fehler zehn: Das Auto nicht reinigen

Vor allem im Sommer kann eine zu späte Reinigung des Autos problematisch werden. Zerplatzte Insekten enthalten Säuren und andere Stoffe, die den Lack angreifen. Dasselbe gilt laut Häußler für Vogelkot, der bei langer Einwirkzeit oder Sonneneinstrahlung eintrocknet und Feuchtigkeit und Säure so den Lack ruiniert. „Das kann sogar dazu führen, dass der Lack erneuert werden muss“, warnt der Experte.

Sein Tipp: „Das Auto beim Abstellen und Einsteigen auf Vogelkot überprüfen.“ Frische Kotflecken sollten zügig entfernt werden. „Am besten mit Wasser einweichen und mit einem weichen Tuch oder Zeitungspapier abwischen“, so Häußler.