Wie geht es dem St. Georgener Stadtwald? Das war nun Thema im Gemeinderat. (Archivfoto) Foto: Helen Moser

Er ist stets eine angenehme Finanzspritze für den städtischen Haushalt: der St. Georgener Stadtwald. Und es ist sogar noch Luft – für mehr Einschlag und für ein ganz besonderes Projekt.

Der offizielle Abschied war es noch nicht, wohl aber sein letzter Bericht im Gemeinderat: Wie es derzeit um den St. Georgener Stadtwald steht, erläuterte Revierförster Thomas Leser in der Oktober-Sitzung des Gemeinderats.

 

Rückblick auf 2024

Knapp 329 000 Euro Ertrag stehen im Jahr 2024 unterm Strich, berichtete Leser den Räten. „Damit sind wir bei uns im Schwarzwald-Baar-Kreis sicher in einer Spitzenposition“, lautete seine Einschätzung. Erzielt wurde dieser Gewinn durch den Einschlag von etwa 7300 Erntefestmetern.

Damit lag die Menge des geernteten Holzes im Jahr 2024 leicht unter dem jährlichen Soll-Wert, der in der Forsteinrichtung niedergeschrieben ist. Diese gilt stets für zehn Jahre und wurde in St. Georgen zuletzt 2023 neu gefasst. Sie sieht vor, dass – um den Stadtwald nachhaltig zu bewirtschaften – jedes Jahr gut 6200 Festmeter geerntet werden sollen.

Die aktuelle Lage

Im laufenden Jahr möchte Leser die Menge des geernteten Holzes noch erhöhen: 8700 Festmeter stehen im Plan – und damit deutlich mehr als die Soll-Menge. Durch die Mehreinnahmen möchte die Stadt sich unter anderem den Kauf einer weiteren Waldfläche leisten können, berichtete Leser.

Aber kann der Wald diese deutlich erhöhte Erntemenge auch verkraften? Ist das noch nachhaltig? Absolut, illustrierte Leser anhand der Zahlen seit 2023. Damals wurden im St. Georgener Stadtwald nämlich gerade einmal knapp 1700 Festmeter Holz geerntet. Zwischen 2023 und 2025 liege man damit im Mittel bei knapp 5900 Festmetern pro Jahr – also immer noch unter dem jährlichen Soll. „Wir kratzen noch lange nicht an der Nachhaltigkeit im Wald“, betonte Leser.

Ausblick auf 2026

Für das kommende Jahr ist dann wieder der Soll-Einschlag von gut 6200 Festmetern vorgesehen. Abzüglich aller Kosten rechnet Leser dann mit einem möglichen Gesamtergebnis von rund 237 000 Euro.

Auch ein konkretes Projekt hat Leser für die unmittelbare Zukunft anvisiert: Beim Grillplatz im Röhlinwald am Großbauerlindeweg müssten die ersten Bänke ersetzt werden, nachdem Bänke, Tische, Hütte und Grillstelle 2021 grundlegend erneuert wurden. Erfreulicherweise, erklärte Leser, sei der Grillplatz seit der Sanierung „extrem stark frequentiert“.

Was die Zukunft sichern soll

Aktuell, freute sich Leser, gehe es dem St. Georgener Stadtwald blendend. Er habe sich gut erholt, befand der Förster, mahnte aber auch: Das könne schnell wieder in die andere Richtung gehen – und dann könnte sich die Lage schnell deutlich verschlechtern. „Denn der Boden ist aus meiner Sicht geschädigt.“

Um die Zukunft des St. Georgener Stadtwalds zu sichern, hat Leser deshalb längst nicht nur die Ernte im Blick. Auf Versuchsflächen testet er schon seit Jahren, welche Baumarten im Schwarzwald eine Zukunft haben, welche klimastabil sind, um viele Jahrzehnte zu überstehen.

Das Geheimrezept aus Sicht von Leser: Vielfalt. Er würde keinesfalls auf eine Baumart setzen, betonte der Revierförster. Das Risiko, dass man Ähnliches erlebe wie aktuell mit der Fichte, sei zu groß. „Dann haben wir den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben“ – ein Szenario, das Leser gerne vermeiden würde.

Photovoltaik-Elemente und Holz aus dem Stadtwald werden die Fassade des St. Georgener Rathauses nach Abschluss der Sanierung prägen. Foto: Architekturbüro Sutter3

Lärche, Ulme, Esskastanie – „davon erhoffe ich mir viel“, erklärte Leser. Er sei aber auch davon überzeugt, „dass die Buche und die Eiche eine richtige Chance haben bei uns. Und ich glaube, dass eine Fichte, die 2023 aufgewachsen ist, auch 2050 überleben kann“, betonte Leser – jedoch wohlgemerkt nur, wenn der Baum aus Naturverjüngung komme. Und das, ist sich Leser sicher, gelte für Laub- und Nadelhölzer gleichermaßen.

Ein besonderes Projekt

Ein bisschen Holz im St. Georgener Stadtwald wird diesen Winter für einen besonderen Zweck geerntet. Es kommt in der neuen Fassade des Rathauses zum Einsatz. Bewusst, betonte Bürgermeister Michael Rieger, habe man sich in diesem Zusammenhang für Holz aus dem eigenen Wald entschieden – auch wenn es vielleicht nicht die kostengünstigste Alternative sei. „Das war mit ein Grund für die hohe Förderung“, betonte er. Die Fassade aus irgendeinem anderen Holz zu bauen, stehe daher keinesfalls zur Debatte.

Was mit dem Holz aus dem Stadtwald passiert

Kunden
Wo geht es eigentlich hin, das Holz aus dem Stadtwald St. Georgen? Darüber gab Matthias Schupp, stellvertretender Leites des Kreisforstamts in der Sitzung einen Überblick. Überwiegend würden regionale und lokale Händler beliefert, schilderte er. Überregionale Händler machen nur einen Bruchteil der Kunden aus.

Nutzung
Ein Großteil des Holzes aus dem St. Georgener Stadtwald geht Schupp zufolge in die stoffliche Verwertung, wird also etwa in Möbeln oder Häusern verbaut oder zu Paletten verarbeitet. Nur etwa sechs Prozent wird als Industrieholz in der Chemiebranche oder zur Papierverarbeitung eingesetzt. Etwa zwei Prozent des Holzes würden energetisch verwendet.