Die Blumennarren sind die einzige Frauengruppe in der Bräunlinger Narretei. Sie ziehen bei Sonnenschein durch die Straßen der Zähringerstadt. Foto: Dagobert Maier

Der Stadthanseltag begeistert Groß und Klein. Und Bürgermeister Micha Bächle zeigt sich als versierter Tänzer.

Die Fasnet hat in Bräunlingen nun endgültig das Regiment übernommen. Dort war der ganze „Schmutzige Dunschtig“ närrischer Ausnahmezustand, und das nicht nur in der Kernstadt.

 

Beim Umzug gab es Süßigkeiten und Wurst mit Wecken für die Zuschauer, und diese staunten über die historischen Figuren, die sich mit Lautstärke und ihrem außergewöhnlichen, traditionellen Häs eindrucksvoll präsentierten. Die Hansel sprangen im Gleichschritt, und die Stadtwehr forderte auf, die Ohren zuzuhalten, denn nach einem riesigen Knall flogen bei viel Rauch die Fetzen durch die Luft. Spätestens seit dem Schmutzigen weiß jeder in Bräunlingen, egal ob Fasnetnarr oder nicht, dass auf den Straßen und in den Häusern der alten Zähringerstadt die hohe Zeit der Narretei ausgebrochen ist.

Stadtbüttel Axel Klimmer ruft mit starker Stimme die Fasnet aus. Foto: Dagobert Maier

Viele Fasnetfans waren sehr lange auf den Beinen. Dies zeigte sich schon ganz früh, denn von 6 Uhr an zogen die Hemdglonker unter der Führung von Oberglonker Volker Würth mit viel Radau, vor allem Kochtopfdeckelklappern und von einer närrischen Musik begleitet, durch die Kernstadt und weckten die Bräunlinger.

Zwischenhalt zur Stärkung

Sehr willkommen waren einige Pausenlokale auf der schwierigen und anstrengenden Strecke der weißen Gestalten mit Zipfelmütze. Kurz vor zehn Uhr gab es freudige Gesichter bei den Grundschülern, denn endlich kamen die lang ersehnten Hemdglonker mit lauter Musik in die Schule. Nach einigen Polonaisen in der Schulaula wurden die Kinder befreit.

Der Kindergartenumzug bietet ein prächtiges, farbenfrohes Bild. Foto: Dagobert Maier

Der Umzug der beiden Kernstadtkindergärten führte mit den sehr schön kostümierten Kindern zum Thema „Elsa, Chase und Spiderman, nit nu a dä Fasnet simma Fan“, musikalisch begleitet von den Brändbach Hupä, durch die Innenstadt. Bürgermeister Micha Bächle begrüßte die Hemdglonker vor dem Rathaus und bot mit seinen Verwaltungsdamen einen Gratulationstanz zum 75. Jubiläum der Hemdglonker.

Lauter Knall aus der Kanone

Die Stadtwehr ließ Bächle den lauten Knall aus der Kanone auslösen, und Stadtbüttel Axel Klimmer rief, begleitet von der Stadtwehr mit der lauten Kanone und dem Trommlerzug, offiziell die Fasnet und den Stadthanseltag aus. Er verkündete, dass die Fasnet seit dem Morgengrauen mit viel Radau und Musik endgültig von der Narrenhochburg Bräunlingen Besitz ergriffen habe.

Auch die Kleinsten ziehen schon mit – werden genauer gesagt mitgschoben. Foto: Dagobert Maier

Eine tolle närrische Stimmung herrschte auch am Nachmittag im kleinen Saal der Stadthalle bei der Kinderparty. Ein farbenfrohes und imposantes Bild bot meist bei Sonnenschein der Nachmittag mit dem von den Trommlern angeführten Umzug der historischen Fasnetgruppen. Hier zeigte sich den zahlreichen Zuschauern die gewachsene, historische Bräunlinger Fasnet – und das ohne Nachwuchssorgen.

Das sind die Figuren

Stadthansel, Trommler, Blumennarren, Stadtbock, Zunftmusik, Stadtwehr und der Narrensamen waren mit dabei. Vor den Urhexen war niemand sicher, und nicht wenige, vor allem junge Zuschauerinnen, fanden sich schnell in einer Hexenchaise wieder. Der Donnerstag ist traditionell der Tag der Hansel, die ihre Vierzeiler-Hanselliedle auf die Straßen und in die Gasthäuser mitbringen – und natürlich Süßes, Wurst, Wecken und Orangen.

Die Kinder haben sich bunte Kostüme einfallen lassen. Foto: Dagobert Maier

Am Abend zogen Narren durch die Gasthäuser, wobei vor allem einige originell verkleidete Frauengruppen sowie die Urhexen und Hansel viel Stimmung in die Lokale brachten, in denen kaum noch ein Platz zu finden war.

Hanselliedle

Närrische Rüge
In Versen und Reimsprüchen bringen die Hansel am Stadthanseltag ans Licht, was während des Jahres über verschwiegen oder vertuscht werden sollte. Diese närrische Rügerecht bewirkt, dass sich jeder am Ort seine ihn betreffenden Unannehmlichkeiten vom Hansel sagen und vorhalten lassen muss.