Es ist Jahr für Jahr ein schauriges Spektakel: Die Urhexen erobern den Kelnhofplatz und springen durch das Feuer. Die Fastnacht in Bräunlingen beginnt.
Es ist eine Bräunlinger Tradition, ein Ablauf, der sich jedes Jahr wiederholt. Und jedes Jahr die Menschen aufs Neue fasziniert. Zahlreiche Zuschauer, darunter viele Familien mit Kindern, ließen sich von der besonderen Atmosphäre bei der Entzündung des Fasnetfunken anstecken.
Trommler setzen Akzente
Dabei ist es das Hexenlaufen, das die Bräunlinger Fasnet eröffnet. Den ersten akustischen Akzent setzten die Trommler. Sie marschierten unter lauten Trommelschlägen zum Kelnhofplatz und brachten mit ihren Schlägen die Spannung fast auf den Siedepunkt. Dann stand die Gelbe Urhexe im Mittelpunkt. Sie sprengte nach den Böllerschüssen der Stadtwehr den Druidenstein, und die erste Hexe hangelte sich über das hoch lodernde Feuer an einem Seil über den Kelnhofplatz.
Selbst den Mutigen wird es zu heiß
Zuvor schon hatten Stefan Hummel, dritter Zunftmeister, und Stani Marcelino, Betreuer der Hanselgilde, an die historische Geschichte des Hexenlaufens erinnert und auch auf die Druidengeschichte sowie die Verbindung zur Fasnet hingewiesen. Als die Hexen bei ihrer Polka um die Feuerstelle liefen, musste noch abgewartet werden. Das Feuer loderte noch zu hoch für die Sprünge. Selbst den ganz Mutigen drohte es zu heiß zu werden.
„Oni, oni Hex...“
Endlich war es dann soweit: Die Urhexen sprangen allein, im Duo und sogar zu dritt über die hoch lodernden Flammen. Und das war noch nicht alles. Mit ihrem Fauchen verschafften sie sich närrischen Respekt. Während die glühenden Funken in den Abendhimmel stoben, was dem Spektakel ein besonderes Flair gab, schallte immer wieder der Ruf „Oni, oni Hex hät siebä Plätz“ über den Platz.
Der Sprung der Hexen über das lodernde Feuer zur Fasneteröffnung und am Hexensonntag symbolisiert den Sprung vom kalten Winter in den nahen Frühling. Die Rieswelle für das Feuer werden im Sommer im Wald geschlagen und bis zum Feuer zum Trocknen deponiert. Der Brauch des Sprungs der Urhexe aus dem Druidenstein wurde 1958 erstmals aufgeführt.
Am Ende stand der mit viel Spannung erwartete Beginn der närrischen Tage in der Narrenhochburg Bräunlingen. Das sieht man auch bei der Narrenzunft so. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf des Hexenfeuerabends auf dem Kelnhofplatz. Das ganze Spektakel verlief ohne Probleme, und auch der Zuschauerzuspruch war wie das Wetter sehr gut. Das Hexenfeuer war ein sehr schöner Beginn der Fasnet 2024", sagte Stefan Hummel.
Mit dem Zunftball „RAL 2004 Reinorange“ am 3. Februar in der Stadthalle erwarten die Hexen den nächsten Höhepunkt.
Kinder und Hexen
Das Hexenlaufen
hat vor rund 200 Jahren seine Anfänge genommen. Es ist ein ständig wechselndes Spiel, vor allem der närrisch gekleideten Kinder mit den Hexen in den Innenstadtstraßen. Die Kinder rufen den Hexen lustige Schmähungen zu und suchen ein sicheres Versteck vor diesen. Die Hexen jagen mit dem Besen den rufenden Kindern hinterher und versuchen, eines zu erwischen. Das Hexenlaufen wird in der Regel an Mariä Lichtmess mit den wilden Sprüngen der Hexen über die funkenden Flammen eröffnet.