„Wir verkaufen Sehnsüchte“, sagt Thomas Weisser, Geschäftsführer in Tribergs „Haus der 1000 Uhren“. Diese Sehnsüchte werden von dem Unternehmer immer öfter an Inder verkauft.
Das Familienunternehmen „Haus der 1000 Uhren“ in so zentraler Lage, in unmittelbarer Nähe zum Eingang an Tribergs Wasserfall, wird inzwischen von der fünften und sechsten Generation geführt.
Thomas Weisser steht in der Geschäftsführung schon seit einigen Jahren seiner Tochter Sarah Weisser zur Seite. Beide teilen sich die Verantwortung, das Unternehmen in eine stabile Zukunft zu führen. Das war nach den Corona-Jahren gar nicht immer so einfach, räumen die beiden im exklusiven Gespräch mit unserer Redaktion in einem ihrer Besprechungsräume ein.
Nicht einfach nur warten, wer da zur Ladentüre reinschneit
„Aber wir machen nicht jeden Morgen die Ladentüre auf und warten, wer da so reinschneit“, stellt Thomas Weisser gleich klar. „So läuft das heutzutage nicht mehr.“ Zusammen mit seiner Tochter Sarah Weisser hat er schon vor einigen Jahren einen Markt entdeckt, den andere einfach links liegen lassen.
Die Wirtschaftsmacht Indien. „Das sind 1,5 Milliarden Menschen“, stellt er klar. Und auch, wenn die sozialen Unterschiede groß seien und in manchen Bereichen vielleicht auch die Armut: Es blieben noch viele, viele Millionen Menschen übrig, die in Indien zur stabilen und finanzkräftigen Mittelschicht zählen würden.
Und dann gäbe es da noch die vielen reisefreudigen, indisch-stämmigen Menschen, die in Europa leben, in Großbritannien etwa, wegen der Kolonialgeschichte. Oder solche, die von ihrer Firma ins europäische Ausland geschickt werden um dort zu arbeiten.
„Auch die können wir mit entsprechender Werbung, mit unserem Internetauftritt und gezielten Werbekampagnen besonders ansprechen“, sagt Sarah Weisser. „Die sind alle sehr, sehr gut ausgebildet, sprechen mehrere Sprachen und sind sehr kulturinteressiert. Top-Leute“, fügt ihr Vater hinzu.
Mit Bollenhut und Trachtenjanker im Gepäck
Die wollen Sarah und Thomas Weisser ansprechen. Und deshalb packten sie auch schon des Öfteren selber ihre Koffer und nahmen, den Trachtenjanker, das Dirndl, den Bollenhut und einige Kuckucksuhren im Gepäck, die vielen Flugstunden um den halben Globus auf sich.
Bei der „Roadshow 2024“ waren sie mit in einem Boot von kompetenten Reiseveranstaltern, Airlines und Buchungsagenten um in einer knappen Wochen in den größten Zentren des Landes, wie Dehli, Mumbai, Hyderabad oder Bangalore. Wie in einem Speeddating vertrat das Triberger Duo dann seine Heimatstadt in rund „400 Gesprächen“ mit Multiplikatoren und Reiseagenten. Unserer Redaktion präsentierte das Triberger Unternehmerduo per Power-Point viele Videos, O-Töne und Bilder von ihrer jüngsten Reise.
Dieses Speeddating im Dirndl und mit dem Bollenhut ist ein mühsames Geschäft. „Denn nicht jedes dieser Gespräche führt zu Buchungen,“ stellt Sarah Weisser klar. Und was kaum einer hinter der bunten und viel fotografierten Hausfassade in Triberg vermutet hätte: Längst bietet das „Haus der 1000 Uhren“ seinen indischen Interessierten ganze Komplettpakete an.
„Das geht auch nur mit starken und großen Partnern vor Ort in der Region“, betont Tribergs Stadtmarketingchef Nikolas Arnold beim gemeinsamen Gespräch. Seine Touristenzahlen belegen, dass die Zahl der Menschen, die mit indischem Pass in die Wasserfallstadt kommen, stetig nach oben tendiert. Arnold bestätigt auch, dass diese Kaufkraft, die durch das rührige Vater-Tochter-Duo nach Triberg geholt wird, vielen anderen Triberger Unternehmen, Gastronomen, Geschäftsleuten und Ladeninhaber zu Gute kommt.
Und mit einem Augenzwinkern in Richtung Bürgermeister Sven Ketterer, der mit am Tisch saß, sagt Thomas Weisser humorig: „Und wir haben der Stadt Triberg dafür noch nie eine Rechnung gestellt.“