In anderen Ländern sind sie bereits gang und gäbe, in Deutschland kennt man sie aber meist nur von Bahnhöfen: Snack-Automaten. In Schwenningen haben binnen kurzer Zeit jedoch ganze Läden eröffnet, bei denen man bequem und ohne menschlichen Kontakt, Lebensmittel einkaufen kann. Doch haben diese Zukunft?
Unscheinbar sieht er aus, der „Snack-Ninja“-Laden in der Neckarstraße. Doch betritt man hier die Ladenfläche, wird schnell klar, was einen erwartet.
Dicht aneinander gereiht stehen die Snack-Automaten, mit einem Angebot von Energy-Getränken, Schokoladenriegel bis hin zu E-Zigaretten und Tabak. Daneben ein anderer Automat, der neben den bunten, von Neonlichtern angestrahlten Automaten fast unscheinbar wirkt – aber wohl der echte Renner sein soll, sollte man Dennis Lambrecht und Alina Rehberg Glauben schenken. Denn hier gibt es regionales Fleisch und Eier vom Hof Klausmann aus VS-Obereschach.
Der 22-Jährige und seine 20-Jährige Freundin haben im August ihren ersten „Snack-Ninja“ eröffnet und sind schon am Planen einer weiteren Filiale. „Wirklich gut“ laufe der Laden bereits, vor allem Dank den Sozialen Netzwerken. Ihr Automaten-Business will das Pärchen neben ihrer normalen Arbeit aufbauen – Lambrecht arbeitet derzeit als Maschinenbediener und Rehberg macht eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten. „Eigentlich sind wir nur am Arbeiten“, drückt es Lambrecht aus.
Etwas Neues und etwas Buntes
Ihr Herzblut stecke in dem Laden – und dahinter eine Überzeugung. „Wir wollten etwas Modernes schaffen, etwas Buntes“, erklären die beiden jungen Unternehmer ihre Intention. Einen Ort, an dem sich auch Jugendliche wohlfühlen können und ein Angebot, das 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche verfügbar ist. „Wer an einem Sonntag Lust auf ein Frühstücksei hat, der kann einfach hier vorbeikommen und sich eins aus dem Bauern-Automat holen“, erklärt Rehberg, was ihren „Snack Ninja“ eigentlich so attraktiv mache.
Das Sortiment versuchen beide möglichst aktuell zu halten und orientieren sich an momentanen Trends: Momentan seien vor allem die „Takis“, eine Chips-Marke, besonders beliebt bei Jugendlichen. „Wir sind ständig dabei die Automaten nachzufüllen. Unsere gesamte Freizeit verbringen wir hier vor Ort“, erklärt das Paar.
Der Weg in die Selbstständigkeit
Mit einem Automatenladen in Schwenningen wagt derweil Andreas Becker (22) aus Balingen den Schritt in die Selbstständigkeit. In der Markstraße betreibt er den „24seven Store“ und konnte damit einen mehrjährigen Leerstand beseitigen.
Drei Automaten mit rund 140 verschiedenen und regelmäßig wechselnde Artikeln – von Drogerieartikeln bis hin zu Snacks – sind dort in die Wand eingelassen und locken verschiedenste Käufer an. Sowohl ein 75-jähriger Stammkunde als auch Nachtschwärmer oder Schichtarbeiter seien dort laut Becker regelmäßig anzutreffen. Alkoholische Getränke und Tabak finden ebenfalls Abnehmer, eine Führerschein- oder Ausweiskontrolle beugt hier vor, dass Minderjährige diese aus dem Automaten ziehen.
Ist die Nische gekommen, um zu bleiben?
Dass der Automatenladen bisher durch die Bank für positive Resonanz sorgt, freut den Geschäftsinhaber ganz besonders. „Hier in der Straße finden es die Nachbarn gut, dass es bisschen einen Aufschwung gibt“, spürt Becker ein Wohlwollen in der Nachbarschaft. Auch die Stadtverwaltung habe sich aufgeschlossen gegenüber der Geschäftseröffnung gezeigt und dem Automatenladen keine Steine in den Weg gelegt. Mit der Balinger Stadtverwaltung würden hingegen bisher noch Verhandlungen laufen, ob er dort einen solchen Store eröffnen darf.
Für Becker sei klar, dass diese Stores den Einzelhandel nicht ersetzen wird, allerdings ist er der Meinung, dass „diese Nische gekommen ist, um zu bleiben“.
Der GVO bleibt kritisch
Gunter Welzer, Vorstand der Sparte Handel in Schwenningen beim Gewerbeverband Oberzentrum (GVO) ist aber skeptisch. „Auf dem Land sehe ich ein solches Konzept ein“, erklärt er im Gespräch mit der Redaktion, „überall dort, wo es keine gute Nahversorgung gibt.“ Weiter überlegt er, dass es die meisten Waren aus den Automaten ja auch an jeder Tankstelle gäbe, wo man zur Not und außerhalb der normalen Geschäftszeiten hingehen könnte, um einzukaufen. „Dass das Thema versucht Umsatz zu generieren ist klar, aber ob solche Läden fördernd für ein gutes Stadtbild sind, ist fraglich“, so sein Fazit.