Roboter Pepper führt die Besucher des Labors gerne durch seine kleine Wohnung. Foto: Lisa Sperlich

Er feiert Partys und tanzt zu Nirvana. Doch Pepper sorgt sich auch um die Gesundheit. Studierende an der Hochschule Furtwangen arbeiten an einem Roboter, der Senioren in ihrem Alltag unterstützen soll. Doch bei Smart Home gibt es auch ein großes Aber.

Pepper wohnt zwischen den Hörsälen und Bibliotheken der Hochschule in Furtwangen. Der etwa 1,20 Meter große weiße Roboter bewegt sich auf Rollen durch seine eigene kleine Wohnung bestehend aus Küche, Wohnzimmer und Bad. Dort soll er lernen, älteren Menschen eine Hilfe im Alltag zu sein. Im Normalfall teilt Pepper sich die Räume mit Studenten. Denn eigentlich handelt es sich um ein Labor, genauer gesagt um ein Smart-Home-Labor.

 

Elmar Cochlovius ist Studiendekan der allgemeinen Informatik und leitet das Labor. „Eigentlich ist es mehr ein Praktikumsraum, der anders aussieht“, sagt er. „Wir versuchen, das Thema Informatik auf eine zeitgemäße und attraktive Art und Weise unseren Studierenden nahezubringen.“ Im Bereich Smart Home beschäftigen sich die Informatiker mit Themen wie Bedienfreundlichkeit, Funktionalität, Bedienbarkeit und Robustheit. „Die Technik ist ziemlich herausfordernd“, erklärt Elmar Cochlovius. „Viele kleine Geräte von unterschiedlichen Herstellern in einem Netzwerk zu integrieren und das einigermaßen robust zu tun, damit auch ein normaler Nutzer damit klarkommt, ist gar nicht so einfach.“

Elmar Cochlovius, Studiendekan der allgemeinen Informatik an der Hochschule Furtwangen, sagt: „Wir wollen einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen.“ Foto: Lisa Sperlich

Um die Technik so realitätsnah wie möglich zu testen, überlegen sich die Studenten reale Anwendungsszenarien. Im Rahmen eines Projekts hat eine Gruppe einen automatisierten Partymodus für einen der Räume entwickelt. Eine Kamera erkennt mithilfe von Gesichtserkennung die Personen im Raum. Sobald vier Personen zusammenkommen, fährt der Rollladen herunter, Musik geht an und bunte Lichter blinken. Auch Pepper kann mittlerweile bestimmte Mechanismen auslösen. „Netterweise hat eine Projektgruppe mir vor kurzem beigebracht, wie man die Geräte hier bedient“, erklärt der menschenähnliche Roboter mit monotoner Stimme. „Seitdem ist mir nicht mehr so furchtbar langweilig.“ Wie auf Knopfdruck ertönt rockige Musik. Pepper fängt an, Kopf und Arme zu „Smells like Teen Spirit“ der Grunge-Band Nirvana zu bewegen.

Mehrwert für die Gesellschaft schaffen

Wie hat Pepper das gelernt? „Das ist harte Arbeit“, erklärt Elmar Cochlovius. „Da muss man jeden Arm nehmen und sozusagen trainieren.“ Szenen aus Science-Fiction-Filmen, in denen der Roboter die Bewegungen der Menschen erlernt und spiegelt, seien durchaus realistisch. „Aber dafür reicht unser Budget im Moment leider nicht“, sagt der Professor lachend. Doch die Arbeit im Smart-Home-Labor ist mehr als nur Rollläden hoch- und herunterfahren zu lassen und bunte Lichter zu steuern. „Wir wollen die Technik nicht nur zum Selbstzweck nutzen, sondern einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen“, sagt Cochlovius.

Alltag von Menschen erleichtern

Eines der Forschungsgebiete ist das sogenannte Ambient Assisted Living. Das sind Assistenzsysteme, die den Alltag von Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf erleichtern sollen. Dazu gehören ältere Personen und Menschen mit Behinderung.

Dafür arbeitet die Informatik eng mit der Fachrichtung Gesundheitswissenschaften an der Hochschule zusammen. So wurden beispielsweise Sensoren im Fußboden entwickelt, die einen Sturz erkennen können. Auch Pepper ist im Rahmen eines Projekts zu einer Art Betreuer für Senioren geworden. „Eines der häufigsten Probleme im Alter ist die Dehydrierung“, erklärt Cochlovius: Pepper erinnert ans regelmäßige Trinken.

Steffen Thiel ist Dekan der Fakultät Informatik an der Hochschule Furtwangen. Foto: Lisa Sperlich

„Die Technik soll Personal nicht ersetzen, sondern unterstützen“, sagt Steffen Thiel, Dekan der Fakultät Informatik. „Für das jüngere Klientel mag Smart Home ein Komfortgewinn sein, aber wenn man an das Alter denkt, kann es auch lebenswichtig sein.“ Im eigenen Zuhause kann Smart Home mehr als nur mithilfe eines Sprachassistenten Musik zu steuern oder nach dem Wetter zu fragen. „Wir unterscheiden zwischen vier Anwendungsdimensionen: Sicherheit, Komfort, Energie und Entertainment“, sagt Elmar Cochlovius. Dazu gehören etwa Geräte, mit denen das eigene Zuhause bewohnt aussieht, wenn man in den Urlaub fährt.

Datenschutz als großes Aber

Dennoch gibt trotz aller Entlastung auch ein großes Aber. „Viele kommerzielle Lösungen haben erhebliche Probleme, was den Datenschutz betrifft“, sagt Cochlovius. Er selbst habe gewisse Geräte, wie einen beliebten Sprachassistenten, nicht zu Hause. Das Thema Datenschutz sei auch Teil der Arbeit im Smart-Home-Labor. „Damit werden wir noch lange zu tun haben.“ Immerhin muss sich Pepper keine Sorgen um seine Privatsphäre machen. Er weiß: Als Maschine hat er keine.

Was ist Smart Home?

Die Technik
Smart Home ist ein System von vernetzten Geräten und Technologien, die in einem Haushalt integriert sind. Es soll das Wohnen komfortabler, effizienter, sicherer und unterhaltsamer gestalten. Die entsprechenden Geräte können über das Internet miteinander kommunizieren und vom Benutzer über mobile Anwendungen oder Sprachbefehle gesteuert werden. Typische Smart-Home-Geräte sind etwa Thermostate oder Beleuchtungssysteme.