1975 erschütterte die Skizunft Calmbach der Verlust ihres renovierten und erweiterten Gebäudes. Viele Spenden und 10 000 Stunden ehrenamtlicher Einsatz gab’s beim Wiederaufbau.
Am 14. Dezember 1975 um 20.45 Uhr heulten in Calmbach die Sirenen und schreckten die Calmbacher auf, von denen laut alten Zeitungsmeldungen die meisten gerade „gebannt dem Sonntagabend-Krimi ‚Derrick‘ folgten“. Die Skihütte der – damals wie heute – gut 500 Mitglieder zählenden Skizunft brannte.
Wohl Brandstiftung Die rasch eintreffenden Feuerwehren aus Calmbach und Wildbad konnten den stattlichen Bau aus Holz nicht mehr retten. Übrig blieben nach einer Stunde Kampf mit den Flammen die Grundmauern und das Kellergeschoss. Zum Glück waren die Schlafstellen nicht belegt. So kamen Menschen bei dem wahrscheinlich durch Brandstiftung ausgelösten Feuer nicht zu Schaden. Wirklich geklärt ist die Brandursache bis heute nicht.
Der Vereinspressewart und bis in diese Tage tätige freie Mitarbeiter dieser Zeitung Heinz Ziegelbauer schrieb damals: „Es war kurz nach 20.30 Uhr, als der Calmbacher Taxiunternehmer K. H. Bräumer auf der alten Straße zur Charlottenhöhe von einer Fahrt zurückkehrte und bemerkte, dass die Skihütte brannte. Über den mobilen Notruf der Funkrettung alarmierte er den Polizeiposten Wildbad, der den Alarm seinerseits an die Freiwilligen Feuerwehren Calmbach und Wildbad weiterleitete.“
Nach einer Stunde harter Löscharbeit, bei der auch ein Übergreifen des Feuers auf den Wald zu verhindern war, konnten die meisten der 65 Feuerwehrmänner abrücken. Die verbliebene Brandwache löschte die Nacht über noch manches aufflackernde Glutnest.
Spenden „Für die schockierten Verantwortlichen des Vereins war es schon in der Brandnacht klar, dass ein Wiederaufbau erfolgen wird“, erzählt beeindruckt der heutige Spartenleiter Skilauf nordisch Michael Ohngemach.
Riesig war die Bereitschaft der Calmbacher Bevölkerung und von Firmen und Freunden aus der Umgebung, mit Spenden das Vorhaben zu unterstützen.
10 000 Arbeitsstunden
Die Zahl der in Zeitungsberichten zu lesenden Spender-Namen geht in die Hundert. In einem zum diesjährigen 100-jährigen Jubiläum von Jürgen Krumm zusammengetragenen und von Ingrid Mettler gestalteten dicken, gebundenen Buch ist in Bildern, Schreiben, Protokollen, Text und Plänen speziell die Geschichte der Skihütte dokumentiert. Genannt sind auch 69 ehrenamtliche Helfer, die beim Wiederaufbau zusammen 10 000 Arbeitsstunden geleistet haben.
„Finanzauffrischung“ Die Einweihung des mit der gewaltigen Summe von 250 000 DM wieder aufgebauten Gebäudes wurde im August 1978 zu einem zweitägigen Fest, das auch die Orchestervereinigung Calmbach mitgestaltete. Diese hatte schon zuvor für das Vorhaben gespendet und zusammen mit der Skizunft gezielt zur „Finanzauffrischung“ 1978 vier Tage lang Faschingsbälle in der Enztalhalle mit renommierten Gast-Orchestern bei intensivem gemeinsamem Arbeitseinsatz geleistet.
Die Bauzeit dauerte rund zwei Jahre. Bei aller Unterstützung durch den damaligen Bürgermeister Ulrich Maier, ließ die mit den Plänen von Architekt Werner Dürr rasch eingereichte Baugenehmigung als sogenannter „Außenbereichsfall“ bis nach einer Begutachtung im Juli 1976 durch Fachleute des Regierungspräsidiums Karlsruhe auf sich warten.
Mächtig losgelegt
Dann wurde aber unter der Regie des damaligen Vereinschefs, später zum Ehrenvorsitzenden ernannten Heinrich Müller mächtig losgelegt.
Nach Vorarbeiten der Baufirma Rudolf Wurster kamen die „vereinseigenen“ Handwerker unter der Leitung von Erwin Seyfried zum Einsatz. Gearbeitet wurde von Montag bis Donnerstag zwischen 17.30 und 21.30 Uhr und samstags war um 7 Uhr Arbeitsbeginn bis in die Nacht hinein.
Am 18. November 1976 war Richtfest.
Auch heute gibt es zum Erhalt und zur Erneuerung des Geschaffenen noch Arbeitseinsätze. Dazu gehört der wöchentliche Mittwochs-Einsatz, die Pflege des von der Stadt gepachteten Skihangs oder die Aufarbeitung von Brennholz für den Kachelofen.
Kampfrichterturm Begonnen wurde bei der Skizunft Calmbach mit den Baulichkeiten ursprünglich 1953. Erstes Objekt auf dem Gelände im Bereich Tannmühle war damals der Kampfrichterturm für die in Spuren am Hang noch erkennbare Tanngrund-Sprungschanze. Später schloss an diesen Stück um Stück der Skihüttenkomplex an.
Auf Olympia vorbereitet
Die Skihütte ist nicht nur Vereinsheim und für den sonntäglichen Stammtisch Ziel vieler Vereinsmitglieder und Calmbacher. Gerne kommen auch Gruppen, um die Räume zu mieten. Im vorigen Jahr war der Platz offenbar ein gutes Pflaster für die deutsche Herren-Hockey-Nationalmannschaft.
Unter einem Vereinsnamen angemeldet, bereitete sich diese über dem Calmbachtäle auf Olympia vor – und gewann bekanntlich Silber.