Der Skiverein Meßstetten blickt auf 100 bewegte Jahre zurück.
Seit 1926 gibt es den Skiverein Meßstetten schon – ein ganzes Jahrhundert, gefüllt mit Erfolgen, Rückschlägen und Zusammenhalt. Ein Wochenende lang feiert der Verein dieses besondere Jubiläum mit einem großen Fest. Am Freitag geht es los. Oliver Rentschler (55) ist erster Vorsitzender und wird die Festrede halten. In der Vorbereitung hat er sich ausführlich mit der Vereinsgeschichte auseinandergesetzt.
„Schon Ende des 19. Jahrhunderts gab es auf der Schwäbischen Alb die ersten Skiunternehmungen“, erzählt er. „Auch die Meßstetter waren vom Schneeschuhlaufen begeistert.“ In den „Blättern des Schwäbischen Albvereins“, der Vereinszeitschrift, wurde 1900 erstmals über den Wintersportplatz Meßstetten berichtet. 1926 fanden sich schließlich die ersten begeisterten Skifahrer zusammen – das war die Geburtsstunde des Skivereins Meßstetten.
Zu seiner Anfangszeit bestand der Verein aus rund 50 Mitgliedern - nur Männer. „Seit den Sechzigerjahren konnte der Verein einen starken Zuwachs verzeichnen“, sagt Rentschler – zu Spitzenzeiten mehr als 500 Mitglieder. Aktuell hat er 455 Mitglieder und gehört damit zu den mitgliederstärksten Vereinen in Meßstetten. Inzwischen sind auch 164 Frauen dabei, die Anzahl an Männern überwiegt aber nach wie vor.
1933 erstmals schwäbische Meisterschaft auf der Heubergschanze
Drei Jahre nach der ersten Gründung, 1929, wurde die große Heubergschanze eröffnet. 1933 konnten dort zum ersten Mal die Schwäbischen Meisterschaften ausgetragen werden. Der Zweite Weltkrieg zwang das Vereinsleben einige Jahre in den Stillstand, ehe es 1962 mit der Neugründung wieder Fahrt aufnahm. Im selben Jahr pachteten die Vereinsmitglieder eine Alpenhütte am Fuße des Hochgerachs in Österreich (die ehemalige Donna-Hütte) und kauften diese später. Sie ist nach wie vor im Besitz des Skivereins, heute unter dem Namen „Meßstetter Hütte“.
Ab 1965 organisierte der Verein die Deutschen Meisterschaften der Ski-Jugend. Bis heute trainieren auch Nachwuchsspringer mit Blick auf den nationalen Kader. Das hat fast schon Tradition: „Die erste Mannschaft hatte mit ‚Dragoner‘ Willi Fritz und Max Strienz zwei Athleten bei dem Vorbereitungslehrgang für die Olympiade 1936 in Garmisch-Partenkirchen“, erzählt Rentschler. „Und Willi Fritz wurde 1943 Großdeutscher Vizemeister und mehrfacher Schwäbischer Meister.“
Ein großer Vorteil damals: Die Winter waren von September bis Februar schneesicher. Optimale Bedingungen, um intensiv trainieren zu können. In den Fünfzigerjahren kam Alfred Pohl nach Meßstetten, der sich als herausragender Skispringer einen Namen machte. Er und sein Team – darunter Kurt Friedel, Helmut Mennig und Karl Ast – waren nahezu jedes Wochenende unterwegs. Karl Ast (Spezialskipringer) und Ilse Sauter, geborene Spranz (Langlauf) waren bei den Deutschen Jugendmeisterschaften 1960 in Warmensteinach im Fichtelgebirge dabei.
Meisterinnen und Olympiateilnehmer
Mit den Jahren kamen immer weitere Erfolge hinzu, allen voran im Skispringen: Ann-Katrin Schroft (geborene Reger) war zweimalige Deutsche Meisterin (2001 und 2002), Pascal Bodmer startete bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver, war Jugendweltmeister im Team 2008 und bester Deutscher bei der Vierschanzentournee 2010. Und mit Luca Roth mischt derzeit ein Meßstetter im Weltcup mit.
Durch 100 Jahre kommt man wohl nicht, ohne auch schwere Zeiten durchzustehen: „Ein Tiefpunkt des Vereins war der Zweite Weltkrieg, als alle aktiven Sportler für den Krieg eingezogen wurden und nicht mehr zurückkehrten“, sagt Rentschler. Davon musste sich das Vereinsleben erst einmal erholen. „In der französischen Besatzungszone war es nicht erlaubt, mehrere Sportvereine in einem Ort zu haben. Alle Sportvereine wurden deswegen unter das Dach des Sportvereins Meßstetten gefasst, um eine bessere Kontrolle über das Besetzen zu haben“, erklärt Rentschler. So kam es, dass der Verein 1962 als Abteilung im TSV Meßstetten weitergeführt wurde.
Was wünscht sich der Vorstandsvorsitzende für die Zukunft? „Vor allem, dass wir eine fleißige Truppe bleiben, die Freude am gemeinsamen Tun hat und zusammenhält“, betont Rentschler. Das Jubiläumsjahr vorzubereiten und gemeinsam die geplanten Veranstaltungen über das Jahr durchzuführen, habe eine große Energie im Verein freigesetzt. Und dann hat der Meßstetter noch einen ganz praktischen Wunsch: „Wir vom Ausschuss hoffen auf Winter, die diesen Namen auch verdienen. Wir würden gerne auch bei uns vor Ort noch einmal Meisterschaften veranstalten.“