Stephan Leyhe hat sich in Russland von Sprung zu Sprung gesteigert und landete am Ende in den Top Ten. Foto: Eibner

Während Vorzeige-Adler Karl Geiger beim Weltcup-Autakt der Skispringer im russischen Nishni Tagil mit Platz 1 und 2 glänzte, sammelte der Schwarzwälder Stephan Leyhe nach seinem Kreuzbandriss wertvolle Wweltcup-Punkte.

Bei den deutschen Skisprung-Adlern sah man nach dem ersten Weltcup-Wochenende im russischen Nischni Tagil nur strahlende Gesichter. Vorspringer Karl Geiger ließ auf den Sieg vom Samstag tags darauf Platz zwei folgen, geschlagen nur vom überragenden Norweger Halvor Egner Granerud. "Ich bin echt megahappy mit dem Wochenende, dass alles so funktioniert hat", meinte Geiger für seine Verhältnisse fast schon euphorisch.

"Endlich ein paar Pünktchen"

Doch auch der Hinterzartener Stephan Leyhe hatte Grund zur Freude. "Ich hab mich hier von Sprung zu Sprung gesteigert", erzählte der Schwarzwälder – vergessen war die lange Leidenszeit nach seinem Kreuzbandriss. Auf Platz 14 am Samstag ("endlich ein paar Pünktchen haben, das beruhigt die Nerven") folgte der Wiedereinstieg in die Top Ten am Sonntag. Und er durfte sogar nach seinem sehr guten zweiten Sprung für einige Zeit das Gefühl in der Leaderbox genießen: "Es ist ein bisschen so wie bei den ersten Weltcups, die Zuschauer, die Kameras – nur ist man halt schon ein bisschen erfahrener und kann das ganz gut einordnen."

Auch Wellinger zufrieden

Das konnte auch der ebenfalls Kreuzband-geschädigte Andreas Wellinger, der am Samstag noch hauchdünn den zweiten Durchgang – und damit Weltcup-Punkte – verpasst hatte, dann aber mit Platz 17 gleich 14 davon mitnahm, die ersten nach zwei Jahren. "Ja, leck mi am Arsch, das ist saucool", sprudelte es aus dem zweifachen Olympiasieger heraus.

Schwierige Verhältnisse

Einfach waren die Verhältnisse speziell am zweiten Tag nicht. "Man muss halt hier rausspringen und hoffen", fasste es der auch nicht schlechte Pius Paschke (Plätze 26 und 15) zusammen, der erklärte, dass alle im Team "diese saucoole Schanze gerne mögen" – aber "es ist halt immer sehr wechselhaft", was einige Favoriten zu spüren bekamen. Auch Markus Eisenbichler, der die Quali am Sonntag vor Geiger gewonnen hatte, wurde ein bisschen durchgeschüttelt, aber die Plätze 6 und 8 waren für ihn kein Grund, grantig zu werden. "Wir arbeiten einfach weiter an den Sachen, an denen wir dranbleiben müssen", meinte er, "Schritt für Schritt geht’s immer besser."

Kobayashi disqualifiziert

Während am Samstag der erwartete Dreikampf zwischen Geiger, Granerud und dem Japaner Ryoyu Kobayashi zu beobachten war – genau in dieser Reihenfolge standen sie hinterher in der Ergebnisliste, wurde am Sonntag daraus nichts. Der Sommer-Dominator Kobayashi wurde vor dem ersten Durchgang wegen eines nicht regelkonformen Anzugs disqualifiziert.

Coronafälle: Auch deutscher Betreuer betroffen

Einen Warnschuss hatte es vor dem Start gegeben: positive Coronafälle. Neben dem Polen Klemens Muranka und einem namentlich nicht genannten US-Springer war davon auch ein deutscher Betreuer betroffen, der aber – dank der strikten Regeln im deutschen Team – keinen Kontakt zu den Adlern hatte. Bundestrainer Horngacher sprach von einer "massiv schlechten Quarantäne", in der sich der Betreuer befinde. Mit den Russen sei "nicht leicht Kirschen essen".