Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Skispringen in Schramberg Mehr als 40 Meter weite Flüge waren drin

Von
Nein, das ist nicht Oberstdorf, Hinterzarten oder Garmisch-Partenkirchen: Auch in Tennenbronn stand einst eine imposante Sprungschanze. Foto: Heimathaus

Vom Schlossberg aus war sie zu sehen - die einstige Skisprungschanze von Tennenbronn. Wie es zu ihrer Errichtung kam und welches Schicksal die Sportanlage ereilte, erfahren Sie in unserem (SB+)Artikel.

Schramberg-Tennenbronn - Wintersport in der Heimat ist derzeit der Renner. Tennenbronn hat derzeit seine zwei Loipen zu bieten, die gerne genutzt werden. Was viele nicht wissen: Früher gab es sogar eine Sprungschanze auf der Reute, auf der wagemutige Springer gen Tal segelten.

Gelände der Reute bietet günstige Voraussetzungen

Ein Blick in die Archive des Heimathauses ist daher äußerst spannend und bringt einiges wieder ans Tageslicht. Seit den 1930er-Jahren war der nordische Wintersport – also Langlaufen und Skispringen – im Schwarzwald sehr beliebt. Daher gab es auch in Tennenbronn Bestrebungen von Seiten des Schramberger Skiclubs, eine Sprungschanze zu bauen. Verschiedene Standorte – wie etwa der Kühlocher Berg – wurden unter die Lupe genommen. Letztlich fiel die Wahl aber im Jahr 1953 auf das Gelände der Reute. Dieses wurde als schneesicher erachtet und bot günstige Voraussetzungen für den Langlauf.

Mit dem Wäldebauer wurden Nägel mit Köpfen gemacht und das Gelände für 20 Jahre gepachtet. Anschließend ging es ans Werk und es wurde ein 14 Meter hoher Anlaufturm gebaut. Es gab vier Startluken aus Holz. Einen Startbalken, auf dem die Springer vor der rasanten Talfahrt sitzen, gab es damals noch nicht.

Der Anlauf hatte eine Neigung von 30 Grad und eine Länge von 51,2 Metern. Die Springer bretterten mit einer Geschwindigkeit von mehr als 70 Stundenkilometern dem Absprung entgegen. Die ersten Mutproben konnten bereits im Winter 1953/54 absolviert werden, als die Schanze mit vereinsinternen Springen in Betrieb genommen wurde. Wenig später wurde der Schanzentisch mit einer Ummauerung befestigt, sodass die Schanze 1954 endgültig fertiggestellt war. Die Kosten lagen bei stolzen 10.000 Mark.

Rekord liegt bei 41 Metern

Die offizielle Einweihung erfolgte am 15. Februar 1955. An diesem Tag wurden die Kreismeisterschaften in der nordischen Kombination – ja, das gab es damals tatsächlich – ausgerichtet. Ein Kameradschaftsspringen im März beendete die erste erfolgreiche Skispringersaison in Tennenbronn. Den Schanzenrekord stellte zu jener Zeit ein Springer namens Bronner mit 36 Metern auf. 1969 wurde dieser Rekord bei einem Kameradschaftsspringen mit einer Weite von 41 Metern geknackt – dieser hat bis heute Bestand als der größte Satz, der je in Tennenbronn gesprungen wurde.

Allerdings hatten die Verantwortlichen schon damals mit Schneemangel zu kämpfen, weshalb kein regelmäßiger Be-trieb eingerichtet werden konnte. Zudem war der Aufwand zum Präparieren der Schanze gigantisch – und die Mitglieder des Skiclubs waren offenbar nicht immer gewillt, diesen auf sich zu nehmen, was zu Ärger und Kritik führte. Zudem wurde der alpine Skisport immer beliebter, weshalb der Nachwuchs fehlte. Anfang der 1960er-Jahre waren nur noch zwei nordische Kombinierer aktiv. Der Skiclub unternahm große Anstrengungen, den Trend umzukehren – jedoch ohne großen Erfolg.

Ein letztes Aufbäumen gab es mit dem Ausrichten der Bezirksmeisterschaft der nordischen Kombination im Jahr 1965. Auch hier hieß es: Schneemangel. Die Schanze musste komplett mit herangeschafftem Schnee präpariert werden. Trotz widrigen Bedingungen gelang dem Verein ein glänzend organisierter Wettkampf.

Letzer offizielle Wettkampf im Jahr 1969

Aber auch diese Veranstaltung und die Renovierung der Skihütte im Jahr 1966 brachten keine wesentlichen Besserungen. Die Hütte wurde in den Sommermonaten mehr als im Winter genutzt. So fand im Jahr 1969 mit einem Kameradschaftsspringen der letzte offizielle Wettkampf auf der Schanze statt.

Traurig: Die Hütte brannte 1970 nach einem Blitzeinschlag ab. Zudem war die Schanze mittlerweile so marode, dass kein Betrieb mehr möglich war. Eine Modernisierung wurde nicht mehr umgesetzt und so endete das Kapitel Skispringen in Tennenbronn und Schramberg im Jahr 1972: Das THW baute die Schanze zurück, sodass heute nichts mehr davon zu sehen ist. Sie war vom Schramberger Schlossberg aus zu sehen. Viele Schramberger gelangten über den Felsenkeller hoch zur Schanze.

Der offizielle Name war Purbenschanze. Selbst die "Gelehrten" sind sich übrigens nicht ganz einig, ob die richtige Schreibweise Purpen oder Purben ist. Verwendet werden jedenfalls beide, so gibt es heute beispielsweise die "Purpenloipe".

Ebenfalls spannend: Norbert Hils sprang zwischen 1987 und 1990 für den Skiverein Tennenbronn im Weltcup. Seine beste Platzierung erreichte er beim Neujahrsspringen 1990 auf der Olympiaschanze Garmisch-Partenkirchen mit dem 36. Platz.

Fotostrecke
Artikel bewerten
0
loading

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.