Vor einer großen Kulisse in Klingenthal zeigten die deutschen Skispringerinnen und Skispringer, dass in diesem Winter mit ihnen zu rechnen sein wird. Luca Roth aus Meßstetten darf sich Hoffnungen machen.
Markus Eisenbichler ist zurück auf der Bildfläche, Luca Roth hält super mit im Feld der Weltbesten, und Katharina Schmid schnappt sich beim Sommer-Grand-Prix-Finale im sächsischen Klingenthal den Doppelsieg im Einzel und im Mixed-Team tags darauf mit Andreas Wellinger, Pius Paschke und Selina Freitag – der Winter kann für die Skispringerinnen und Skispringer des Deutschen Skiverbands (DSV) kommen.
Katharina Schmid jubelt
„Es ist etwas ganz Besonderes, in Klingenthal zu gewinnen. Auch weil es mein erster Wettkampf in diesem Sommer war und wir nicht genau wussten, was meine Form im internationalen Vergleich wirklich wert ist“, jubelte Katharina Schmid, die vor ihrer Hochzeit Althaus hieß.
In der Tat: Weder die Männer um den nicht ganz so auftrumpfenden Vorwochensieger Andreas Wellinger (Platz 8) noch die Frauen wussten, wo sie international stehen.
DSV-Team macht sich rar
Das lag auch daran, dass sich die DSV-Athletinnen und -Athleten im Sommer rar gemacht hatten. „Wir haben schwerpunktmäßig an den Stützpunkten trainiert“, erklärt Bundestrainer Stefan Horngacher, „und haben uns bis Hinzenbach weitgehend vom Sommer-Grand-Prix ferngehalten.“
An den Grundlagen gefeilt
Das Augenmerk lag verstärkt auf den Basics, die sehr jungen Athletinnen sollten bei Heinz Kuttin, dem Bundestrainer der Frauen, mit den Weltcup-Athletinnen gemeinsam an den Grundlagen arbeiten. „Unser zentrales Ziel dabei war und ist es, ein Team aufzubauen, das in den nächsten zwei Jahren und danach schlagkräftig agieren kann“, erklärt Kuttin.
In Klingenthal ging das erst einmal nur teilweise auf. Katharina Schmid als Siegerin in einem hochklassigen Feld und Selina Freitag als Fünfte sprangen nach dem durchwachsenen letzten Winter wieder vorne mit, doch dahinter klaffte ein Loch.
Was kann die Jugend?
Was die Plätze 24 und 26 für die beiden 19-jährigen Alvine Holz (Bad Freienwalde) und Emely Torazza (Riedern) wert sind, muss die Zukunft zeigen. Platz 22 für die 27-jährige Anna Hollandt (ehemals Rupprecht) zeigt erst einmal keine Weiterentwicklung an.
Dagegen deutete der Meßstetter Luca Roth an, dass mit ihm in diesem Winter zu rechnen ist. Auf Platz 18 lag er zwei Plätze vor Karl Geiger. Allerdings waren Oldie Pius Paschke als bester Deutschen auf Platz 4, Wellinger, der wiedererstarkte Markus Eisenbichler (Platz 14) und der Hinterzartener Stephan Leyhe (15) vor ihm platziert. Doch bei den Weltcupteam-Anwärtern Philipp Raimund (21.), Constantin Schmid (26.) und Felix Hoffmann (29.) war viel Sand im Getriebe. Das wird noch spannend bis zum Winter. Zumal auch noch Junge wie der Baiersbronner Finn Braun lauern.
Krimi im Mixed-Springen
Sieger bei den Männern wurde in einem spannenden Wettkampf der Norweger Marius Lindvik kmapp vor Timi Zajc (Slowenien) und Landsmann Halvor Egner Granerud. Die beiden Norweger machten auch das Teamspringen zum Krimi. Nach dem ersten Durchgang lag das skandinavische Quartett hauchdünn vor den deutschen Adlern. Da aber Lindvik im letzten Sprung patzte und Wellinger davor die Nerven behalten hatte, jubelte das DSV-Team. „Das war ganz großer Sport heute“, bilanzierte DSV-Sportdirektor Horst Hüttel. Zurecht.