Anna Hollandt greift nach ihrem psychischen Tief in Courchevel neu an. Foto: Daniel Karmann/dpa

In Courchevel starten die Skispringerinnen und Skispringer in den Sommer-Grand-Prix. Wie der Tod von Laura Dahlmeier den sportlichen Erfolg von Luca Roth überlagert.

Der Sommer ist in vollem Gange – und doch zieht es die Skispringer zurück auf die Schanzen der Welt. Oder besser: Europas, denn der sechs Stationen umfassende Sommer-Grand-Prix sieht ausschließlich Stationen auf dem europäischen Festland vor.

 

Vor der ersten Station in Courchevel (Frankreich) am Wochenende zog der Deutsche Skiverband bei der Nominierung der Springerinnen und Springer die eine oder andere Überraschung aus dem Hut.

Bei den Männern geht zum Beispiel fast ausschließlich die zweite Garde an den Start. Noch fehlen Karl Geiger, Andreas Wellinger und Pius Paschke, lediglich Philipp Raimund (SC Oberstdorf) startet aus dem Weltcupteam.

Große Chance für Luca Roth

Neben Ben Bayer (VfL Pfullingen), Felix Hoffmann (WSC Erzgebirge Oberwiesenthal), Adrian Tittel (SG Nickelhütte Aue) und Max Unglaube (WSV Bad Freienwalde) hat so auch Luca Roth vom SV Meßstetten die Chance, sich über herausragende Leistungen für den Winter zu empfehlen – wie in der vergangenen Saison.

“Das Lachen fällt echt schwer“

Im ersten Springen der Sommersaison, dem traditionellen Nachtspringen in Oberstdorf, hat Luca Roth schon einmal gezeigt, dass er das Sieger-Gen nicht verloren hat, denn der ehemalige Jugend-Vizeweltmeister holte sich mit deutlichem Vorsprung den ersten Platz vor Constantin Schmid und Ben Bayer – auch wenn er angesichts des Todes von Laura Dahlmeier nicht in Jubelstimmung war. „Erster Sommerwettkampf ist geschafft“, schrieb er bei Instagram, „an einem Tag, wo das Lachen echt schwerfällt.“

Am Samstag und am Sonntag wird es nun international ernst mit zwei Wettkämpfen von der Großschanze (HS 135) in Courchevel. Der genaue Zeitplan steht noch nicht fest – aber eine grundlegende Neuerung. Um mehr Spannung zu erzeugen, wird am Sonntag eine neue Idee von FIS-Renndirektor Sandro Pertile getestet.

Ein neues Format sorgt für Spannung

Nach der Qualifikation werden nach einem festen Schema zehn gleich starke Gruppen gebildet. Von den je fünf Springern qualifizieren sich zwei fürs Finale, dazu kommen wie bei der Vierschanzentournee fünf Lucky Loser.

Die Ergebnisse der ersten Runde werden dann gelöscht, und allein der Sprung im Finale entscheidet über den Sieger. Auch eine Woche später im polnischen Wisla kommt dieses neue Format sonntags zum Einsatz.

Nur Katharina Schmid fehlt

Bei den Frauen werden es acht Gruppen mit vier Lucky Losern sein. Hier geht ein starkes deutsches Team in Frankreich an den Start, nur Katharina Schmid fehlt, aber Selina Freitag, Juliane Seyfarth, Emely Torazza sowie Alwine Holz sind dabei – und Anna Hollandt, die neuerdings für den SC Schonach an den Start geht und damit das nach dem Abgang von Stephan Leyhe entstandene Vakuum füllt.

Nach mentalen Problemen, die sie Anfang des Jahres zum Abbruch der Saison gezwungen hatten („es tut zum Zerreißen weh. Ich habe gemerkt, dass ich mich mental immer tiefer in die Sch* reite“), startet die Neu-Schwarzwälderin jetzt ein Comeback mit frischer Kraft, denn „ich habe trotz dessen gemerkt, dass da tief in mir immer noch eine Flamme brennt“. Und die soll zum lodernden Feuer werden.