Philipp Raimund bei den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo - von der Normalschanze holte er Gold. Foto: www.imago-images.de

Philipp Raimund ist in seiner Göppinger Heimat geehrt worden, nun steht die neue Saison im Fokus. Was ändert sich für den Olympiasieger? Darüber hat der Skispringer viel nachgedacht.

Der Bürgermeister fühlte sich geehrt vom Besucher, der im Göppinger Rathaus goldenen Glanz verbreitete. Aber: Alexander Maier betonte auch: „Die Eintragung ins Goldene Buch der Stadt ist keine Selbstverständlichkeit. Wir holen das Buch nur bei ganz besonderen Anlässen hervor.“ Die Botschaft kam an – und Philipp Raimund erklärte brav: „Es ist eine große Ehre.“

 

Der Skispringer also setzte seine Unterschrift in das besondere Buch der Stadt, die seine Heimat ist. In Göppingen wurde der heute 25-Jährige einst geboren, in Degenfeld machte er seine ersten Sprünge ehe er mit seiner Familie ins Allgäu zog – wo er zum Olympiasieger reifte. Nun kehrte er für einen Besuch zurück. Nach Degenfeld, zur Oma, ins Rathaus der Stauferstadt. Wo Bürgermeister und Stadträte ihren Stolz nicht verbergen wollten. „Der Göppinger Olympiasieger“, sagte Maier, „das las sich sehr gut.“ Vor einigen Wochen, als Raimund in Val di Fiemme Gold von der Normalschanze wurde.

Ein bisschen Zeit ist also vergangen seit dem großen Triumph des offenherzigen Athleten. Der sich noch heute fragt, wann der Zeitpunkt erreicht ist, an dem er dann vollends realisiert hat, was da in Predazzo geschehen ist an jenem Februar-Abend. Bis zum Ende des Sommers dauere das, hat ihm Andreas Wellinger erklärt. Der Bayer hatte 2014 Gold in Sotschi geholt.

Philipp Raimund gibt sich diesbezüglich also noch Zeit. Auch, weil es ihm bislang kaum möglich war, zur Ruhe zu kommen. Nach den Spielen wurde die Saison fortgesetzt, dann ging es zwar in den Urlaub nach Kreta, aber schon am 13. April musste der Sportsoldat zum Lehrgang in der Kaserne in Hannover antreten. Und am 8. Mai stand schon wieder das reguläre Training auf dem Programm. Von Göppingen ging es am Sonntag dann gleich nach Schruns, wo die ersten Sprünge anstanden. Auf einen neuen Chefcoach – Andreas Mitter übernimmt für Stefan Horngacher – muss sich Raimund auch einstellen („Ich bin guter Dinge, wir haben schon früher lange gut zusammengearbeitet“). Zwischen all dem: der eine oder andere Empfang, diese und jene Ehrung.

Philipp Raimund mit der olympischen Goldmedaille. Foto: IMAGO/Fotostand

Immerhin: Bei jedem dieser feierlichen Anlässe wurde dem 25-Jährigen ein bisschen bewusster, was er da geschafft hat in Predazzo. Wenn er erkannt und angesprochen wird, ist es genauso. Ebenso, wenn er als Olympiasieger angekündigt wird. Die regelmäßigen Blicke auf die Medaille tun das Übrige, so dass Philipp Raimund nun sagt: „Diese vielen kleinen Momente machen den Braten fett.“ Und es wird ihm klar: „Mit dem, was ich geschafft habe, habe ich viele Menschen erreicht. Und dieser Erfolg hat auch eine Wertigkeit für all diese Menschen.“

Bleibt die Frage, was dieser Triumph für die Ewigkeit für die sportliche Zukunft von Philipp Raimund bedeutet. Als „Fluch und Segen“ hat er am Sonntag in Göppingen das Geschehene bezeichnet. „Fluch“, weil er weiß: „Es kommen nun extrem hohe Erwartungen dazu.“ Er ergänzt: „Nicht nur von außen.“ Auch er selbst hat nun womöglich andere Ansprüche an sich. Raimund betont: „Ich will wieder vorne dabei sein.“ Zudem hat er schon feststellen dürfen, dass Aktionen eines Olympiasiegers ganz anders wahrgenommen werden. Als er in Oslo aufgrund der widrigen Bedingungen einen Start verweigert hatte, ging da nicht irgendeiner von der Schanze – sondern eben der Goldmedaillengewinner. „Mit dem Erfolg“, weiß er nun, „kommt auch die Verantwortung.“ Der „Segen“ soll dabei helfen, alles zu meistern.

Denn das ohnehin vorhandene Selbstbewusstsein des Göppingers hat durch den Olympiasieg alles andere als gelitten. „Das Olympiagold gibt sehr viel Selbstvertrauen.“ Auch, weil er nun weiß, dass er eine extrem herausfordernde Situation bestens gemeistert hat. „Ich habe schon etwas Großes erreicht“, sagt er, „das zu wissen, gibt mit viel Rückhalt.“ So traut er sich auch, über WM-Medaillen und einen Sieg bei der Vierschanzentournee zu sprechen: „Das steht auf meiner Agenda.“ Aber eben nicht in seinem Pflichtenheft.

Große Ziele, aber keine großen Ankündigungen

Denn an seiner bisherigen Herangehensweise will er eigentlich gar nichts ändern. Nicht durch das Formulieren großer Ziele ist der bisherige Erfolg entstanden, sondern durch stetes Arbeiten in kleinen Schritten: „Ich habe die Treppe genommen, nicht den Aufzug.“ Also nennt er auch vor dem Start der Vorbereitung keine Titel als Anspruch, sondern formuliert es auf seine Art: „Ich will der beste Skispringer sein, der ich sein kann.“ Jeden Abend also wolle er vor dem Spiegel stehen und sich sagen können, das Beste gegeben zu haben.

Dann, da ist sich Philipp Raimund sicher, kann es was werden mit weiteren großen Erfolgen. Und weiteren ehrenvollen Empfängen in Göppingen.