Die Rekordweltmeisterin im Skispringen beendet nach dieser Saison ihre Karriere – ihrem Sport wird Katharina Schmid (geborene Althaus) aber wohl erhalten bleiben.
Katharina Schmid (geborene Althaus) war immer eine Kämpferin. In ihrem Sport, aber auch für Gleichberechtigung. In den Diskussionen darüber, wann es endlich eine Vierschanzentournee für Frauen gibt, ist die Stimme der Skispringerin stets laut zu hören gewesen. Doch in einem Jahr, wenn die Premiere ansteht, wird die Rekordweltmeisterin (7x Gold) keine Hauptrolle mehr spielen: Nach dieser Saison verlässt Katharina Schmid (29) die große Bühne. „Jetzt passt’s“, sagte sie am Samstag bei einer Presserunde in Oberstdorf, „und jetzt reicht’s auch.“
Mit 15 Jahren trat die Skispringerin erstmals gegen die Besten an, ihr halbes Leben verbrachte sie im Weltcup. Zusammen mit Carina Vogt, der 2022 zurückgetretenen ersten Olympiasiegerin, prägte sie das deutsche Skispringen. Immer wieder wuchs die 1,57 Meter große Oberstdorferin über sich hinaus, allein bei der WM 2023 in Planica gewann sie drei Titel. Und zugleich erlebte Katharina Schmid den Aufschwung des Frauenskispringens mit: Sie war bei der Olympia-Premiere 2014 in Sotschi dabei, beim ersten Weltcup von der Großschanze, beim ersten Skiflug-Wettbewerb, bei sämtlichen WM-Neuerungen. „Ich hatte das Privileg, mit dem Sport groß zu werden“, sagte sie, „es war eine mega Zeit.“ In der sie sich allerdings nicht immer auf Höhenflügen befand.
Schließt Katharina Schmid ihren Frieden mit den Olympischen Spielen?
Es gab Phasen, in denen Katharina Schmid als „ewige Zweite“ betitelt wurde, dazu passend gewann sie bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyoengchang und 2022 in Peking Einzel-Silber. Auch ihre größte Enttäuschung hatte sie in China zu verarbeiten, als sie im Mixed-Wettbewerb wegen eines zu großen Anzugs disqualifiziert wurde und das favorisierte deutsche Team leer ausging. Ob es ihr gelingt, mit den Winterspielen ihren Frieden zu schließen, wird sich in sechs Wochen auf der Schanze im italienischen Predazzo zeigen.
An ihrem Entschluss, im März die Karriere zu beenden, werden allerdings auch die Olympia-Ergebnisse („Ich will dort um die Medaillen springen“) nichts ändern. Diese Entscheidung hat Katharina Schmid schon vor Beginn der laufenden Saison getroffen. Die Verkündung erfolgte nun, um weiteren Nachfragen und Spekulationen vorzubeugen. „Ich habe jetzt 263 Weltcup-Starts absolviert und bin mit dem, was ich erreicht habe, sehr zufrieden“, sagte die Skispringerin in ihrer emotionalen Rede, „es gibt noch mehr im Leben als den Sport.“ Ohne wird es aber auch nicht gehen.
Im vergangenen Jahr hat Katharina Schmid die Trainer-Lizenz erworben, sie wird die Szene wohl nicht ganz verlassen: „Ich kann mir den Trainer-Job schon vorstellen“, sagte sie, „allerdings eher im Nachwuchs-Bereich.“ Um junge Talente ans höchste Niveau heranzuführen. Und an die neue Vierschanzentournee für Frauen.