Ein erzwungenes Karriereende mit 26 – im Fall David Siegel gibt der Deutsche Skiverband kein gutes Bild ab, findet unser Kommentator.
Kurz vor dem Start in die Vorbereitung erfährt David Siegel, dass er in keine Fördergruppe des DSV mehr aufgenommen wird. Auch von der Bundespolizei wird er nicht mehr unterstützt, weil er eben keinem Kader mehr angehört. Von heute auf morgen ist seine Karriere als Skispringer beendet. Siegel hatte sich bereits auf die Saison vorbereitet, als ihm mitgeteilt wurde, dass für ihn kein Platz mehr sein wird. Dieses Vorgehen ist unglaublich stillos.
Auf dem Weg zur Weltspitze
David Siegel war 2019 auf dem besten Weg an die Weltspitze – dann riss ihm in Zakopane das Kreuzband, als sein perfekter Flug immer weiter nach unten ging und er ihn einfach nicht mehr stehen konnte. Es folgte ein quälend langes Jahr Pause, in dem das Knie wieder hergestellt und an die Belastungen herangeführt wurde.
Siegel kämpfte sich durch, kam zurück, erreichte auch wieder ordentliche Resultate. Auf der neuen Olympiaschanze von Peking hieß der erste Sieger David Siegel. Das war im Dezember 2021. Es folgten viele Top-Positionen, doch als es darauf ankam, schnappte ihm Severin Freund den Quotenplatz fürs Weltcup-Team weg. Auch im letzten Winter hatte er einige Top-Ten-Plätze im Continentalcup und Starts im Weltcup – es fehlte eben die Konstanz.
Mehr Geduld bei Andreas Wellinger
Mit Andreas Wellinger hatten die Beteiligten beim Deutschen Skiverband bei der Bewältigung der identischen Verletzung eine Engelsgeduld. Immer wieder stellten sie sich auch bei unterirdischen Leistungen hinter den ehemaligen Topspringer. Mit Erfolg: Nach langer Leidenszeit ist Wellinger zurück auf dem Weg zur Spitze.
Diese Rückendeckung hätte man sich auch im Fall von David Siegel gewünscht. Doch ihn hat man nun ganz schnell und ohne anständige Kommunikation fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel, sodass der Sulzer seine Karriere beenden muss. Mit 26. Das lässt einen fassungslos zurück.