Kai Lebrecht, seit August Geschäftsführer der Feldbergbahnen, blickt trotz Klimawandel optimistisch in die Zukunft. Foto: Verena Wehrle

In Skigebieten unter 1000 Metern macht sich der Klimawandel besonders bemerkbar. Der Feldberg muss immer mehr zu einer Ganzjahresdestination werden, um seine Zukunft zu sichern.

„Ich bin heute morgen bei 18 Grad von Freiburg hierher gefahren“, sagt Kai Lebrecht, Geschäftsführer der Feldbergbahnen, beim Gespräch mit unserer Redakteurin. Und das Anfang Dezember. Die milden Temperaturen in den vergangenen Tagen gingen auch dem Schnee an den Kragen – wie ein Blick aus dem Fenster zeigt. Die Pisten in Fahl sind mit grünen Flecken versehen. Regen hat für Schneetau gesorgt.

 

„Ja, der Klimawandel ist nicht von der Hand zu weisen“, sagt Lebrecht. Er erinnert sich an damals, er selbst habe hier am Feldberg Skifahren gelernt. Solche Phasen, wo der Schnee taut, habe es früher im Winter nicht gegeben.

Die Wiesenquelle ist mit drei Kilometern die längste Abfahrt im Skigebiet Feldberg. Anfang Dezember ist sie mit grünen Flecken übersäht. Skifahren ist dort aktuell nicht möglich. Foto: Verena Wehrle

Dabei habe man pünktlich zum Saisonstart Ende November mit 80 Zentimetern Naturschnee eine gute Basis gehabt. Zum Eröffnungswochenende von Donnerstag bis Sonntag seien 4000 Wintersportler auf den Feldberg gekommen, freut sich Lebrecht. Ein seltener Glücksfall sei es gewesen, schon so früh mit so vielen Liften starten zu können.

Und auch der Vorverkauf der Jahreskarten lief in diesem Jahr besonders gut: „Wir haben die Zahlen vom vergangenen Jahr fast verdreifacht“, freut sich Lebrecht, obwohl der Vorverkauf noch gar nicht abgeschlossen ist.

„Unter 1000 Metern wirds schwer“

Die Feldberg-Pisten liegen von 800 Meter in Fahl bis 1400 Meter auf dem Seebuck. „Wenn es in einigen Jahren noch Skigebiete in Deutschland außerhalb der Alpen geben wird, dann hier auf dem Feldberg – oder im bayrischen Wald“, sagt Lebrecht mit Blick auf den Klimawandel. Sehr optimistisch ist dabei seine Prognose für „seinen“ Feldberg: „Wie lange genau, kann ich nicht sagen, aber unser Skigebiet gibt es schon noch 30 bis 50 Jahre.“

Im vergangenen Winter konnte man immerhin noch über 100 Betriebstage voll machen – dies könnten kleinere Lifte in tieferen Lagen nicht: „Unter 1000 bis 800 Metern wird es schwer.“ Die Folge: Immer mehr tiefer gelegene Skigebiete bauen ihre Lifte ab.

Die Herzogenhornbahn steht in diesen Tagen still – es fehlt der Schnee. Foto: Verena Wehrle

Das Gebiet soll das ganze Jahr attraktiv werden

Aber auch im Liftverbund Feldberg werde das Wintergeschäft immer schwieriger. Deshalb versuche man zumindest die Förderbänder auf dem Seebuck so weit es geht laufen zu lassen – „damit die Skischulen ihren Betrieb aufrecht erhalten können“, sagt Lebrecht.

Die Schneesicherheit ist auch hier nicht mehr durchgehend gegeben. Und auch mit technischer Beschneiung könne man dies allein nicht auffangen. Dies führe dazu, dass sich auch im Verbund einzelne Betreiber herausziehen. Und dazu, dass es immer wichtiger werde, das Gebiet für das ganze Jahr attraktiver zu machen.

Deshalb habe man zu dieser Saison auch die Wäldercard in die neue Jahreskarte integriert. Somit könnten Wintersportler zusätzlich zum Winterangebot das ganze Jahr über von mehr als 100 Attraktionen im Hochschwarzwald profitieren. Ursprünglich war die Karte nur für Einheimische gedacht – jetzt durch die Hintertür bekommt sie auch der Hamburger, der eine Ski-Saisonkarte kauft. „Somit wollen wir den Gast an die Region binden“, sagt Lebrecht. Die Frage: „Was kann ich hier im Sommer machen?“ werde künftig immer wichtiger für die Gäste.

Er habe viele Ideen, auch für Angebote im Sommer speziell am Feldberg: etwa ein Gondeldinner oder eine Fackelwanderung zum Turm auf dem Gipfel.

Alternativen zum Erlebnis im Schnee

Und im Winter? Auch da gilt es, die Angebote der Region zu vermarkten. Denn: „Wir verkaufen ein Erlebnis. Wenn kein Schnee da ist, ist es vertretbar, andere Attraktionen anzubieten, damit die Gäste wieder positiv nach Hause fahren“, sagt der Geschäftsführer. Also brauche es immer mehr Alternativen zum Erlebnis im Schnee.

Doch man müsse es gemeinsam schaffen und alle Player vor Ort zusammenbringen – nur dann habe man eine Chance. Dabei verweist er auch auf die Gastronomie. So könne es etwa nicht sein, dass, wie am Ski-Eröffnungswochenende passiert, nur ein Gastronom geöffnet habe.

Lebrecht hebt die Wertschöpfung hervor, die die Feldbergbahnen für die ganze Region bedeuten: „Für jeden Euro, der bei der Bahn bleibt, fließt mindestens das Fünffache in die Region.“