Beim Ski-Club kann man mehr als nur Skifahren: Im Vereinsangebot hat sich der Radsport fest etabliert. Und das mit großem Erfolg. Die 17-jährige Clara Jäger aus Furtwangen wurde jüngst Deutsche Meisterin in der U-19-Klasse im Bahnradfahren.
Dabei ist ihr im Punktefahren bei den Bahnrad-Meisterschaften in Berlin etwas ganz Besonderes geglückt. Sie hat nicht nur die Konkurrenz hinter sich gelassen, sondern fuhr auf der 250 Meter langen Rundbahn so schnell, dass sie die Gruppe von hinten wieder erreichte, also eine ganze Bahnlänge den Mitstreitern voraus war.
„Dadurch habe ich das Rennen gewonnen“, blickt sie im Gespräch mit unserer Redaktion auf den Wettbewerb zurück. Denn das gab auf einen Schlag 20 Punkte in der Wertung und katapultierte sie auf den ersten Platz. Insgesamt mussten beim Punktefahren 50 dieser 250 Meter langen Runden absolviert werden.
„Das Rennen war wirklich hart, aber die Unterstützung aus der Halle und von meinem Trainer ‘Kostas’ Georgiadis hat mich unglaublich motiviert. Ich freue mich riesig, dass es für den Sieg gereicht hat“, sagt die 17-Jährige nach ihrem bisher größten Erfolg in ihrer Laufbahn.
Was reizt sie am Radsport? „Es ist immer etwas anderes, eine andere Strecke, eine neue Herausforderung, die ich versuche zu lösen. Das mag ich am Radfahren.“
OHG und Sport Der Erfolg beflügelt sie. So möchte sie dem Radsport auch die nächsten Jahre treu bleiben, über die Schulzeit hinaus. Derzeit besucht sie die zwölfte Klasse im Otto-Hahn-Gymnasium (OHG). Dem Leistungssport könne sie nachgehen, weil es beim OHG die Möglichkeit einer „Schuljahresstreckung“ gebe, so dass anstelle von zwölf dann 13 Schuljahre absolviert würden und für das Erlernen des Schulstoffs mehr Zeit zur Verfügung stehe. Ein Studium, „vielleicht Richtung Sport“, schwebt ihr nach dem Abi außerdem vor.
Vom Ski- zum Radsport Ursprünglich kommt sie vom Skisport. Sie sei etwa drei Jahre alt gewesen, als sie mit dem Skifahren begann, in ihrer Grundschulzeit habe sie sich auch an Skirennen beteiligt. Mit den klimatischen Veränderungen und schneeärmeren Wintern hat sich ihr Interesse aber auf den Radsport verlagert. Und seit circa vier Jahren beteiligt sie sich an Rennen auf der Straße, seit circa drei Jahren auf der Bahn. Zuvor ist sie auch schon Mountainbike-Rennen gefahren.
Fürs Training nutzt sie derzeit die Möglichkeiten des Landeskaders in Öschelbronn. Dort gebe es eine Radrennbahn.
Weitere Medaillen Bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin war sie nicht die einzig erfolgreiche Vertreterin des Ski-Clubs Furtwangen. In der 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung traten Clara Jäger und Ilaria Rothe vom Ski-Club Furtwangen gemeinsam mit Julia Servay (RSC Biberach), Leni Bauer (RSV Stuttgart-Vaihingen 1901) und Noemi Böttcher (VC Hohentwiel Singen) an. Dank starker Teamarbeit konnten sie sich am Ende den zweiten Platz und damit die Silbermedaille sichern. Im Zweier-Mannschaftsfahren „Madison“ komplettierte Clara Jäger ihren Medaillensatz und holte zusammen mit Julia Servay die Bronzemedaille. Obwohl sie am Schluss nur ein Punkt von der Silbermedaille trennte, freuten sich die beiden über ihren Platz auf dem Podium.
Ski-Club stellt sich neu auf Clara Jägers Werdegang vom Ski- zum Radsport zeigt auch ein wenig die Entwicklung des Ski-Clubs Furtwangen. Mangels Schnee sind die Skisportmöglichkeiten vor Ort schwieriger geworden, schildert Arno Pfaff vom Vorstandsteam des Vereins die klimatischen Veränderungen. Der Ski-Club habe erfolgreich „die Transformation“ geschafft und sein Angebot mit dem Radsport erweitert. So habe der Ski-Club neben seiner traditionellen Wintersportausrichtung auch eine Mountainbike-Abteilung, um das ganze Jahr über sportlich aktiv zu sein. Zusätzlich gebe es ein kleines Team, das bei Straßen- und Bahnradrennen antrete und sowohl regional als auch national für den Ski-Club unterwegs sei.
Mitglieder nutzen beides Häufig werde von den Mitgliedern auch beides genutzt, im Winter das Skifahr-Angebot und über den Sommer hinweg das Mountainbike-Fahren. Das Skiteam sei über die Jahre kleiner geworden. Die Zahl der aktiven Skisportler liege mittlerweile bei etwa zehn Personen. Bei den Radsportlern stieg die Zahl deutlich. Es gebe derzeit etwa 50 aktive Radsportler.
Einer der größten Vereine Der stärker gewordene Schwerpunkt im Radsport sorge im Verein immer wieder für Diskussion, ob man sich anders benennen soll, verrät Pfaff. Doch auf den Trikots der Radfahrer stehe lediglich SC Furtwangen. Das lasse der Fantasie Raum und könne auch als Sportclub interpretiert werden. Wenn dann bei einem auswärtigen Radrennen erfolgreiche Sportler aus Furtwangen gewürdigt würden und dann vom Skiclub die Rede sei, gehe gelegentlich ein Lachen durchs Stadion. Doch vorerst bleibe es bei der ursprünglichen Vereinsbezeichnung als Skiclub. Wobei Pfaff einräumt, dass die Radsportsparte ganz wesentlich zum Erhalt des Vereins beitrage. „Mit dem Skisport alleine wäre das schwierig.“
So sei der Ski-Club immer noch einer der größten Vereine in Furtwangen. Derzeit habe der Ski-Club 320 Mitglieder, davon etwa 40 Prozent Radsportler und 60 Prozent Skisportler.