Kira Weidle kann den Saisonstart kaum erwarten. Foto: dpa/Michael Kappeler

Die deutsche Skirennläuferin Kira Weidle freut sich auf den Abfahrtsauftakt in Lake Louise und hat künftig auch im Super-G viel vor.

Stuttgart - Neulich wurde Kira Weidle noch einmal auf wunderbare Weise an ihr Abfahrtssilber bei den Ski-Weltmeisterschaften in Cortina erinnert. Sie bekam ein neues Auto von Audi, denn seit Jahren unterstützt der Ingolstädter Hersteller die Aktiven des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) mit lukrativen Leasingangeboten. Die Erfolgreichsten dürfen sich natürlich auch die besten Kisten aussuchen. Und da Weidle nicht nur bei der WM im Februar, sondern auch danach noch gute Ergebnisse ablieferte, war die Entgegennahme des fahrbaren Untersatzes für sie ein Ereignis. „Ein kleines Upgrade am Auto hat es für mich gegeben – das sind so die kleinen Schmankerl, die da noch dazukommen“, sagte Kira Weidle, für die an diesem Freitag in Lake Louise die Abfahrtssaison beginnt. Und was für ein Fahrzeug hat sie bekommen? „Ein schnelles. Und ein grünes.“

 

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Das mit der Werbung muss man ja nicht auf die Spitze treiben, Kira Weidle hält sich da vornehm zurück. Die gebürtige Stuttgarterin ist spätestens seit dem WM-Silber von Cortina die neue Frontfrau der deutschen Equipe – und vor allem die einzige echte Hoffnungsträgerin im Hinblick auf eine olympische Medaille in Peking. Die beiden dritten Plätze der Slalomfahrerin Lena Dürr jüngst in Levi geben zwar auch Anlass zur Hoffnung auf bessere Zeiten im Technikbereich. Doch muss die Münchnerin diese Leistungen erst wieder bestätigen.

Vorbild für Talente

„Bei den Frauen haben wir im Augenblick nur die Kira in der absoluten Weltspitze“, benennt der DSV-Alpinchef Wolfgang Maier das Problem sehr nüchtern. Im Speedbereich werden die Gruppen deshalb auch so aufgeteilt, dass möglichst viele Talente mit Weidle trainieren können. Die Jugend braucht Orientierung und eine gewisse Klasse, von der sie sich etwas abschauen kann. Früher hatte Maria Höfl-Riesch die jüngeren Rennläuferinnen immer mitgezogen, motiviert und besser gemacht. Bei Viktoria Rebensburg klappte es in der Zeit nach Höfl-Rieschs Karriereende nicht ganz so gut, weil sie zu sehr nur auf den Riesenslalom spezialisiert war. Doch für die Bereiche Abfahrt und Super-G gibt es jetzt wieder jemanden, der voranmarschieren soll: Das ist Kira Weidle.

Im Super-G muss die 25 Jahre alte Rennläuferin allerdings selbst noch dazulernen. „Den Abfahrtsski habe ich zu 100 Prozent unter Kontrolle, da weiß ich in jeder Millisekunde, was ich zu tun habe, damit der Schwung auch so aussieht, wie ich es mir erwarte“, sagt Weidle, doch im Super-G fehle noch ein bisschen die Selbstverständlichkeit. Sie hat sich im Sommer deshalb auch sehr oft auf den Super-G-Latten bewegt und wähnt sich inzwischen auf dem richtigen Weg: „Ich glaube, dass ich da auf jeden Fall noch einen Schritt nach vorne gemacht habe, und hoffe, dass sich das jetzt endlich mal in Ergebnissen widerspiegelt.“

Hohe Ambitionen

Kira Weidle will nicht nur im Super-G mitmachen, um ein Rennwochenende auszufüllen. Nein, auch in dieser Disziplin möchte sie ganz vorne mitfahren. Das ist der Anspruch. Sie muss sich allerdings erst noch daran gewöhnen, dass es im Super-G nur einen Schuss gibt – in der Abfahrt sind dagegen die Trainingsläufe dazu da, sich die Piste einzuprägen. „In der Abfahrt war es auch anfangs bei mir so, dass ich die ersten zwei Trainings gebraucht habe, bis ich so eine Strecke gewohnt war und mich aufs Skifahren konzentrieren konnte“, sagt sie.

Im Hinblick auf die Weltcup-Gesamtwertung erwägt Kira Weidle, noch eine dritte Disziplin dazuzuholen, das wäre dann möglicherweise der Riesenslalom. „Man weiß es ja nicht, aber ich habe hoffentlich noch ein paar Jahre vor mir“, sagt die Sportsoldatin des SC Starnberg und zieht eine Zukunft als Allrounderin in Betracht.

Luft nach oben

Doch erst einmal findet an diesem Freitag der Abfahrtslauf im kanadischen Skiort Lake Louise statt – da darf Weidle in ihrer Spezialdisziplin ran. Aber auch da gibt es noch ein kleines bisschen Luft nach oben.

Bislang stehen drei dritte Plätze auf dem Weltcup-Podest zu Buche, aber noch kein einziger Sieg. Der aber wäre überaus wichtig: für den weiteren Weg der Sportlerin Kira Weidle – und für ein paar PS mehr im nächsten Auto.