Viele Eltern und Lehrer waren zur Sitzung des Ausschusses Schulcampus gekommen und füllten die Besucherplätze. Foto: Fritsche

Neue Vorgaben von Bund und Land für die städtischen Schulen zwingen zur Anpassung bereits verabschiedeter Konzepte.

Die bange Frage, die sich alle im Ratssaal am Donnerstagabend im „besonderen Ausschuss Schulcampus“ stellten: Passt die Planung des Campus überhaupt noch oder wo muss umgeplant werden? Denn der Sachstandsbericht von Kerstin Flaig, Abteilungsleiterin im Fachbereich Kultur und Soziales, hatte es in sich: Die Raumknappheit in der Berneckschule wegen steigender Schülerzahlen, der Rechtsanspruch für Ganztagsbetreuung der Grundschulkinder ab den Schuljahr 2026/27, das Startchancen-Programm für Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schüler und jetzt das Bildungspaket der Landesregierung für Bildungsgerechtigkeit stellen die Schramberger Schullandschaft bis hin zum Schulcampus vor große Herausforderungen. „Es ist wie beim Wettlauf zwischen Hase und Igel: Gerade wenn wir fertig mit einer Planung sind, kommt die Politik und macht andere Vorgaben und wir fangen wieder neu an“, umschrieb Udo Neudeck (Freie Liste) die Lage.

 

Mehr Räume nötig

Geforderte Juniorklassen zur Sprachförderung, Ganztagesgrundschule zum vertieften Lernen, der neunjährige Bildungsgang am Gymnasium (G9) und die Abschaffung des Werkrealabschlusses bedeuten unterm Strich mehr Personal und mehr Räume. Die Politik stellte einen Katalog von Maßnahmen auf, die Details für die genaue Umsetzung vor Ort in der notwendigen Tiefe lieferte sie nicht mit. „Es gibt noch viele offene Fragen. Alles zum Schuljahresbeginn 2025/26 umzusetzen, ist sehr sportlich“, erklärte Flaig.

Unstrittig war, dass die wegen der Schülerzahlen und der Betreuungsaufgaben aus den Nähten platzende Berneckschule so schnell wie möglich vier neue Klassenzimmer braucht, also schon zum Schuljahresbeginn 2024/2025: Die Verwaltung wurde also beauftragt, die Beschaffung von vier Klassenzimmer-Modulen vorzubereiten und dem Gemeinderat zur Abstimmung vorzulegen. Außerdem soll die Verwaltung „die Überlegungen für einen Verbleib der Berneckschule am bisherigen Standort konkretisieren“. Der Beschlussvorschlag der Sitzungsvorlage war in diesem Punkt bewusst vage formuliert. „Wir wollten Sie mit dem Standortthema der Berneckschule nicht überrumpeln“, erläuterte Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr.

Schulcampus im Zentrum

Nach dem Teilthema Berneckschule wollte Dominik Dieterle (CDU) mehr zum Hauptthema des Ausschusses wissen, dem Schulcampus. Er fragte nach den vergebenen Aufträgen der bereits verabschiedeten Leistungsphasen und den Finanzen: „Wo stehen wir jetzt?“Abteilungsleiter Andreas Krause konnte dazu zwar berichteten, dass die Verträge „weitgehend fertig“ seien, die beauftragten Planer allerdings in anderen Projekten steckten: „Die konnten nicht drauf warten“. Damit hat er den Räten klar gemacht: Es wird also dauern.

„Seit sieben Jahren versuchen wir den Schulcampus voranzutreiben und nach sechs Jahren wissen wir noch nicht einmal, welche öffentlichen Zuschüssen zu erwarten sind. Lehrer und Schüler wollen nicht an zwei Standorten und in pädagogischer Hinsicht veralteten Gebäuden sein müssen“, wetterte Ralf Rückert (Freie Liste). Man dürfe die Berneckschule nicht als isoliertes Thema betrachten und im übrigen stehe auch die Grundschule auf dem Sulgen vor den gleichen Herausforderungen. „Wir brauchen also schnellstmöglich eine städtische Schulplanung“, forderte Rückert.

Konkrete Zahlen gefordert

„Und das Schulcampusprojekt darf nicht wegen der Berneckschule gebremst werden“, ergänzte Barbara Kunst (CDU). Auch brauche man dafür im November konkrete Finanzzahlen für die Haushaltsplanung 2025.

Kämmerer Klemens Walter hatte eine Liquiditätsprognose für die Jahre 2022 bis 2027 zum Projekt Schulcampus erstellt: Danach steigt wegen der Großprojekte der aktuelle Schuldenstand von einer Million Euro in 2024 bis 2027 auf 36, 5 Millionen Euro an. Dabei geht Walter noch von jährlichen Gewerbesteuereinnahmen zwischen 26 und 27 Millionen Euro aus. Die Zuschüsse müssten also schnellstens geklärt werden.

Das hängt auch davon ab, wie das Regierungspräsidium und die „Vermögen und Bau Baden-Württemberg“ die alten Schulgebäude in der Schiller- und Graf-von-Bissingen-Straße beurteilen. Eine Begehung zur „Absprache“ hatte im Herbst 2023 stattgefunden.

„Wir müssen jetzt schnell ordnen und neu bewerten, was das Land will und welchen Einfluss das auf das Campuskonzept hat“, fasste Neudeck zusammen. Und Hilmar Bühler (Aktive Bürger) meinte, das einzig Gute an dem zeitlichen Rückstand wäre, dass man sich jetzt bei der Planung noch an die Neuerungen anpassen könne.