Die konstituierende Sitzung des neuen Nagolder Gemeinderats fand im Kubus statt. Foto: Thomas Fritsch

Der Nagolder Geist – in dieser ersten Sitzung des neuen Gemeinderats wurde er oft beschworen. Mit Erfolg: Geschlossen stimmten tatsächlich alle Gemeinderäte den im Ältestenrat besprochenen Besetzungen der Ausschüsse, Ämter und Gremien zu. Dass die AfD-Fraktion trotz Zustimmung eine juristische Prüfung ankündigte, gehört aber auch zur Wahrheit.

Gut 90 Minuten an emotionalen Verabschiedungsworten und Ehrungen lagen bereits hinter den Nagolder Stadträten, als OB Jürgen Großmann sich dann endlich den neuen und den wiedergewählten Räten im Nagolder Stadtrat widmete.

 

Der „Nagolder Geist“ – dieser spezielle Gemeinsinn – er wurde in diesen eineinhalb Stunden bestimmt ein Dutzend Mal erwähnt, ehe Großmann zur Tat schritt und die sieben Stadträtinnen und 19 Stadträte in ihre Ämter verpflichtete. Wobei der OB tatsächlich bei seiner Einführung auch auf die Pflichten einging. Zum Beispiel die Teilnahmepflicht an den Sitzungen in ihrer vollen Länge. Und die Verschwiegenheit bei Themen aus den nichtöffentlichen Besprechungen.

Dann wurden die Räte in ihre Ämter verpflichtet, mit dem gemeinsamen Sprechen der Eidesformel und dem anschließenden Handschlag vom OB.

Zeit für ein wenig Nagolder Geist

Nun war die Zeit für ein wenig Nagolder Geist gekommen. Denn andernorts – und auch erst jüngst im Kreistag – kann sich die Verteilung der Posten, Ämter und Sitze, die von Gemeinderäten zu besetzen sind, stundenlang hinziehen. Nicht so in Nagold. Dort hatten Verwaltung und Ältestenrat all die Aufgaben und auch die ehrenamtlichen OB-Stellvertreter bereits im Vorfeld abgesprochen. Und Großmann fragte im Gremium nach, ob all diese Beschlüsse einstimmig und im Zuge der Einigung gefasst werden können. Zum Hintergrund: Bereits eine Enthaltung geschweige denn eine Gegenstimme hätte zu Einzelabstimmungen geführt.

Per Handschlag verpflichtete Nagolds OB Jürgen Großmann die Stadträte und Stadträtinnen. Foto: Heiko Hofmann

Doch der Nagolder Geist, da setzte er sich noch durch. Allerdings mit Einschränkungen. So setzte AfD-Chef Günther Schöttle zuerst noch zu einer Stellungnahme an, verwies auf die Erfahrungen mit dem Wahlmarathon im Kreistag, und dass man „als gute Demokraten auch Ungerechtigkeiten“ hinnehmen müsse. Den „Nagolder Geist mit neuem Leben zu füllen“ – das sei auch ganz im Sinne der AfD. Also kündigte Schöttle an, dass auch die AfD den Weg der Einigung mittrage. „Ersparen wir uns das Prozedere“.

Ein Satz lässt Aufhorchen

Nur ein Nachsatz von Schöttle sorgte dann doch für Aufhorchen im Gremium: „Wir werden das natürlich juristisch prüfen lassen, ob das alles sauber ist“. Sprach’s und stimmte mit den anderen 25 Stadträten den Besetzungen zu.

Daraus ergaben sich unter anderem auch die ehrenamtlichen OB-Stellvertreterposten. Nachdem die AfD jetzt vier Sitze und Fraktionsstatus erlangt hat, ist Günther Schöttle nämlich auch einer der Oberbürgermeister-Stellvertreter – die Nummer fünf um genau zu sein. An erster Stelle bleibt als Stellvertreter Eberhard Haizmann (FWV), zweiter OB-Stellvertreter ist Carl Christian Hirsch (CDU), dritter Stellvertreter SPD-Rat Marco Ackermann und den vierten OB-Stellvertreterposten bekam Jürgen Gutekunst für die FDP/Grüne-Fraktion.

Jede Fraktion ist zudem mit einem Vertreter im Ältestenrat vertreten. Grüne und FDP bilden im neuen Gemeinderat eine gemeinsame Fraktion. Im Ältestenrat sitzt für sie Jürgen Gutekunst (FDP). Hinzu kommen Günther Schöttle (AfD), Daniel Steinrode (SPD), Carl Christian Hirsch (CDU) und Stimmenkönig Eberhard Haizmann (FWV).

Wer sitzt in welchem Ausschuss?

Verwaltungsausschuss

FWV: Sigrid Plaschke und Markus Stollsteimer; CDU: Thomas Eisseler und Jens Müssigmann; SPD/Grüne/FDP: Daniel Steinrode, Marco Ackermann und Jürgen Gutekunst; AfD: Günther Schöttle.

Nagold neuer Gemeinderat. Foto: Julia Glanzmann

Technischer Ausschuss

FWV: Eberhard Haizmann und Ralf Benz; CDU: Carl Christian Hirsch und Oliver Mayer; SPD/Grüne/FDP: Wolfgang Henne, Daniel Steinrode und Annegreth Fezer-Brenner; AfD: Günther Schöttle.

Kultur-, Umwelt- und Sozialausschuss

FWV: Esther Betz-Börries, Matthias Flury und Ulrich Hamann; CDU: Kurt Brei und Monika Wehrstein; SPD/Grüne/FDP: Daniela Steinrode, Bärbel Reichert-Fehrenbach und Martin Stottele; AfD: Frank Brückner.