Wie kann die Stadt Lahr auf die Änderungen aufgrund des Klimawandels reagieren? Der Umweltausschuss hat bei der Sitzung am Donnerstag über mögliche Klimaanpassungen beraten. Zuvor hatten Experten in der Stadt Daten gesammelt und ausgewertet.
Stefanie Lorenz und Sebastian Paas vom Freiburger Fachbüro Klima Plus stellten die derzeitige Situation, einen Ausblick und Handlungsmöglichkeiten vor. Die Mitarbeiter des Büros haben ab August vergangenen Jahres in der Stadt Daten gesammelt und ausgewertet. Die Frage der Analyse lautet: „Wie wirken sich die Risiken in Folge des Klimawandels aktuell und zukünftig auf die Stadt Lahr aus?“ Und: „In welchen Bereichen ist dringendes Handeln erforderlich?“
Seit Langem ist bekannt, dass der Oberrheingraben eine der wärmsten Regionen Deutschlands ist. Statistisch gibt es in Lahr im Jahr derzeit 45 Sommertage mit mehr als 25 Grad. Nach der Einschätzung wird sich diese Zahl bis zum Jahr 2100 auf 90 Sommertage verdoppeln. Ähnlich sieht es bei Hitzetagen mit mehr als 30 Grad aus. Diese Zahl von statistisch neun Tagen werde sich laut Analyse bis Ende des Jahrhunderts auf insgesamt 41 mehr als vervierfachen.
In Lahr wird es in Zukunft wärmer und trockener
Der Annahme liegt die Auswertung der Sommer- oder Hitzetage in den Jahren von 1950 bis 2022 zugrunde. In der Vorlage, die der Ausschuss zur Kenntnis nahm, liest sich das dann so: „Die Bestandsaufnahme zeigt deutlich, dass es in Lahr in Zukunft wärmer und trockener wird. Extreme, wie Dürrephasen und Hitzewellen, werden zukünftig intensiver und häufiger.“ Beobachtungen aus der Umgebung sowie die Gesamtprognose für den Ortenaukreis deuten auf der anderen Seite „nur“ eine gleichbleibende Entwicklung des Klimas hinsichtlich Wind und Sturm an. Die Prognose ist jedoch aufgrund der Datenlage und großer Schwankungsbreite in den Modellen unsicher.
Paas stellte zehn Handlungsfelder vor: Wasser, Land- und Forstwirtschaft, Naturschutz und Biodiversität, Gesundheit und Soziales, Bevölkerungsschutz, Bauen und Wohnen, Stadt- und Raumplanung, Wirtschaft und Verkehr sowie Tourismus. In allen Bereichen wird der Handlungsbedarf durchweg ansteigen – in der Regel von „hoch“ auf „sehr hoch“.
Die Autoren der Studie empfehlen die Erstellung neuer Konzepte
Am Beispiel Forstwirtschaft, die in Zukunft am meisten betroffen sein wird, zählte Paas ein „hohes Risiko“, eine „hohe Eintrittswahrscheinlichkeit“ und eine „große Schadenshöhe“ auf. Ein weiterer Nachteil sei, dass gerade die Waldwirtschaft mit langen Zyklen rechnet, eine schnelle Anpassung laut der Studie nur in einem Bereich liegt, der als „mittel“ eingeschätzt wird.
Ein Lob gab es vonseiten der Planer, da die Stadt seit mehreren Jahren im Hinblick auf Klimaänderungen aktiv ist. So habe die Verwaltung neben dem Klimaschutz (zum Beispiel Reduktion von Treibhausgasen) bereits auf eine notwendige Klimaanpassung reagiert. Eine Empfehlung der Studie ist die Erstellung von neuen Konzepten, um etwa die Auswirkungen von Hitze oder Starkregen exakt zu erfassen. Ebenfalls sehr wichtig: Die personellen Ressourcen – im Rathaus gibt es bereits eine Kerntruppe – müssen ausgebaut werden.
Diskussion um Gereutertalbach
Harald Günther (CDU) kritisierte, dass die Stadt bei der Pflege des Gereutertalbachs in der Ortsmitte Reichenbach immer auf den Umweltschutz verweise. So würde der Querschnitt durch weniger Pflege zunehmend enger und die Gefahr von Hochwassern nehme zu. Dem widersprachen Baubürgermeister Tilman Petters ebenso wie Fabian Roßmanith, neuer Leiter der Abteilung Grün und Umwelt. Der engere Querschnitt und die unebene Bodenfläche verlangsamen die Fließgeschwindigkeit. Eine Überprüfung und Einschätzung müssten in diesem Fall Fachleute des Wasserwirtschaftsamtes vornehmen. Die Anregung Günthers, eine Besichtigung vorzunehmen, nahm die Verwaltung mit.