Die Aichhalder müssen im kommenden Jahr beim Bezug von Trinkwasser tief in die Tasche greifen. Eine saftige Erhöhung von umgerechnet 46,8 Prozent steht an.
Seit 2016 liegt die Verbrauchsgebühr für das Frischwasser bei 2,03 Euro (brutto). Damit ist die Gemeinde im Vergleich zu Umlandgemeinden am günstigsten. Da zwischen 2018 und 2020 aufgrund der heißen Sommer die verkaufte Wassermenge stieg, wurden in diesem Zeitraum gar Gewinne im Eigenbetrieb „Versorgung und Bad“ erwirtschaftet. Doch damit ist es erst einmal vorbei.
Wie Kämmerer Philipp Stahl in der Sitzung des Gemeinderats berichtete, haben sich in den Jahren 2021, 2022 und 2023 Defizite angehäuft und auch für 2024 und 2025 müsse mit Verlusten gerechnet werden. Dies habe mehrere Gründe. Zum einen sei in den vergangenen Jahren mit durchschnittlich 480 000 Euro pro Jahr kräftig ins Wassernetz investiert worden, zum anderen sei durch die Stilllegung der Galvanik der Firmengruppe Simon ein Großabnehmer weggebrochen. Des Weiteren sorgten effizientere Haushaltsgeräte für einen geringeren Wasserverbrauch.
Steigende Fixkosten
„Während sich die variablen Kosten dadurch reduzieren, steigen die Fixkosten und müssen auf weniger Verkaufsvolumen umgelegt werden“, erklärte Stahl die Problematik. In der Wasserversorgung existiere neben der Frischwassergebühr pro Kubikmeter noch eine Zählergrundgebühr. Mit Letzterer werde ein Anteil der Fixkosten finanziert. 2016 sei dieser Anteil auf 15,43 Prozent festgelegt worden. Da sich der Fixkostenanteil an den Gesamtkosten inzwischen auf über 80,8 Prozent erhöht habe, habe er bei der Neukalkulation der Grundgebühr mit einem Kostenanteil von 22 Prozent gerechnet. Maximal möglich seien 25 Prozent.
„Wenn man die Gebühren innerhalb der nächsten fünf Jahre refinanzieren will, muss die Verbrauchsgebühr auf 2,99 Euro und die Grundgebühr des Zählers der Nenngröße 4 auf 5,18 Euro (vorher 2,62 Euro) festgesetzt werden. Sind die Gebühren-Unterdeckungen ausgeglichen, hätten wir voraussichtlich bis 2030 wieder konstante Gebühren“, stellte der Kämmerer in Aussicht.
Preise liegen im Mittelfeld
Mit den neuen Gebühren liegt die Kommune nun im Umlandvergleich im Mittelfeld.
Gebührenerhöhungen seien nicht schön, räumte Bürgermeister Michael Lehrer ein. Sie seien aber notwendig, um in anstehenden Großprojekte investieren zu können. „Man kann uns vorwerfen, zu spät reagiert zu haben. Aber in 2024 war die Grundsteuer ein Thema, die bei manchen Grundstückseigentümern zu Erhöhungen geführt hat. Da wollten wir nicht auch noch mit höheren Wassergebühren kommen“, verteidigte der Bürgermeister die Vorgehensweise.
Rat Bernd Wilhelm sprach von einer enormen Summe von jährlich 480 000 Euro, die in die Wasserversorgung investiert wird. So gesehen sei die drastische Erhöhung nachvollziehbar. „Wir haben eine super Wasserqualität. Die rechtfertigt den Sprung zwar nicht, aber der Preis geht in Ordnung, auch wenn die Erhöhung weh tut“, wog Wilhelm ab. Alexander Kunz sprach von plausiblen Kalkulationszahlen. Solche extremen Gebührenerhöhungen dürften sich in Zukunft nicht wiederholen. Da müsse die Verwaltung früher kommen, forderte Kunz. Manfred Moosmann hatte nachgerechnet und kam auf Mehrkosten eines Vier-Personenhaushalts mit durchschnittlichem Wasserverbrauch von circa zehn Euro im Monat. Hinzu kommt dann noch die Erhöhung der Zählergebühr um 2,56 Euro. Dies bestätigte der Bürgermeister. Einstimmig beschlossen die Räte die vorgeschlagenen Gebührenerhöhungen zum 1. Januar 2026 und die erforderliche Änderung der Wasserversorgungssatzung.