Fabian De Rossi, Standortleiter von Brandschutz Vier in Schmieheim, arbeitet mit einem geografischen Informationssystem, das auf Karten die Ausrückzeit für Feuerwehren anzeigt. Foto: Stahl

Die Firma Brandschutz Vier aus Schmieheim hat sich auf die Beratung von Feuerwehren spezialisiert. Die Experten arbeiten dafür eng mit Kommunen zusammen.

Die drei Türme erstrecken sich in den blauen Himmel, zu sehen ist ein imposantes Gebäude aus der Zeit der Renaissance (siehe Info): das Schmieheimer Schloss. Die Ortsverwaltung hat ihren Sitz im zweiten Stock – und im ersten hat sich die Firma Brandschutz Vier seit 2024 angesiedelt.

 

„Wir erstellen unter anderem die Feuerwehrbedarfsplanung für Kommunen, veranstalten Workshops, Feuerwehrtraining und bilden Brandschutzhelfer aus“, skizzierte Standortleiter Fabian De Rossi das Aufgabengebiet des Unternehmens beim Besuch unserer Redaktion. Das Büro am Schloss verfügt über drei Mitarbeiter: De Rossi (Vollzeit), Mariella Wendlinger als Assistenz der Geschäftsführung sowie Dominik Kässinger, Feuerwehrkommandant aus Meißenheim, beide in Teilzeit.

Doch wie hat die Geschichte von Brandschutz Vier begonnen? Geschäftsführer Hermann Spanner ging bei einem vorherigen Telefonat auf die Gründungszeit ein: „Ich habe mit dem Mitbegründer Christian Emrich 2015 und 2016 im Ortenaukreis Feuerwehrvorträge gehalten.

Die Firma nutzt eine lizenzierte Methode

Dabei sprachen uns Einsatzkräfte an, ob wir sie fachmännisch begleiten können, da sie schlechte Erfahrungen mit Anbietern gemacht haben.“ Daher habe man eine Methode entwickelt, bei der die Feuerwehr und politische Verantwortlichen an einem Tisch sitzen und gemeinsame Lösungen entwickeln. Dabei habe Spanner von seiner eigenen Erfahrung profitiert: „Ich war 20 Jahre lang ehrenamtlicher Kommandant in meinem Heimatort.“

Der erste Firmensitz war in Schwanau mit zwei Mitarbeitern. Man habe sich schnell entschieden, das Vorhaben zu professionalisieren und 2019 eine GmbH gegründet. Zudem baue das Unternehmen bis heute auf viele Mitarbeiter , die aus der Praxis kommen und die Probleme der Feuerwehren kennen. „Wir haben ein großes Netzwerk mit Mitarbeitern vieler Gemeinden aufgebaut Da half auch Mund-zu-Mund-Propaganda“, erinnerte sich Spanner.

Das einzige, was fehlte, war eine Niederlassung, um Kunden einzuladen und ansprechbar vor Ort zu sein. Daher habe man sich 2023 nach neuen Räumen gesucht – und sei dabei auf das Schmieheimer Schloss gestoßen. Dieses hatte freie Fläche zur Verfügung und die Idee wurde Anfang 2024 zur Realität, als Brandschutz Vier in das historische Gebäude einzog.

2024 folgte der Umzug ins Schmieheimer Schloss

Mehr als zwei Jahre später habe sich die Niederlassung etabliert, wie De Rossi beim Besuch unserer Redaktion erzählte. Die Räume bieten genug Platz, um eigene Workshops anzubieten. Diese seien Bestandteil der Feuerwehrbedarfsplanung, erläuterte de Rossi. Dies habe man bereits in den Gemeinden Seelbach und Kippenheim erfolgreich angewendet.

Doch wie läuft die Planung ab? „Zuerst erfolgt eine individuelle Analyse der Feuerwehren. Dabei stehen die vier Themenfelder Gefahren und Risiko, Personal und Ehrenamt, Verwaltung und Organisation sowie Technik und Ausstattung im Vordergrund“, führte der Standortleiter aus. Die ganzheitliche Betrachtung sei entscheidend für den Erfolg bei der Feuerwehrbedarfsplanung.

Das Schmieheimer Schloss Foto: Stahl

Anschließend folge der erste Entwurf im Gemeinderat und im Anschluss die Feinabstimmung. Dann komme auch die Workshops ins Spiel, bei denen Vertreter von Feuerwehr, Verwaltung und Gemeinderat beteiligt seien. „Wir haben die Eigenland-Methode für uns lizenziert“, so de Rossi.

Die Zusammenarbeit kann mehr als zwei Jahre dauern

Das Konzept der gleichnamigen Beratungsfirma aus Bayern habe man für das Thema Feuerwehr umfunktioniert. Dabei gebe es passend zu den vier Themenblöcken Fragen, zu denen jeder Teilnehmer Aussagen treffen könne mithilfe verschiedener Steine. Diese reichen von „Das trifft nicht zu“ bis „Das trifft voll zu“.

Die Ergebnisse werden auf einem Monitor dargestellt und können sofort diskutiert werden, betonte der Standortleiter. Damit komme man sehr schnell zu einem Ergebnis. „Wir merken, dass nicht nur das neue Löschfahrzeug wichtig ist, sondern auch die Wertschätzung für die Einsatzkräfte eine große Rolle spielt“, sagt de Rossi.

Brandschutz Vier veranstaltet fünf bis zehn Workshops im Jahr, 90 Prozent seien bei den Kunden vor Ort. Die Preise für die gesamte Begleitung sind abhängig von der Größe der Abteilung: „Je nach Komplexität reicht die Spanne von 6000 Euro bis 60.000 Euro“. Die Feuerwehrbedarfsplanung sei eine Eigenleistung der Gemeinde, stellte de Rossi klar.

Die Firma unterstützt Institutionen mit Spenden

Die Intention komme dabei von der Verwaltung oder dem Gemeinderat, aber auch aus der Feuerwehr selber, wenn es etwa Uneinigkeit über die kommenden Investitionen gibt. Die Dauer des Prozesses sei auch flexibel und könne sich von zwei Monaten bis zu mehr als zwei Jahre erstrecken.

Angesprochen auf die Philosophie des Unternehmens fasste Geschäftsführer Hermann Spanner zusammen: „Wir sind Vorreiter mit unseren Workshops, in der Region verwurzelt und begegnen dem Ehrenamt Feuerwehr auf Augenhöhe.“ Der Standortleiter ergänzte: „Unsere Mentalität ist es, uns stetig weiterzuentwickeln.“

Brandschutz Vier übernimmt auch soziale Verantwortung durch Projekte. So habe man bei der Firmengründung beschlossen, einen Teil des Gewinns zu spenden, so Spanner. Die Firma unterstützt das Dorfhelferinnenwerk Sölden, den Förderverein für krebskranke Kinder Freiburg sowie das Handballcamp München.

Historie des Schlosses

Der Ortsteil Schmieheim ist bekannt durch das unter Denkmalschutz stehende Schlossgebäude mit seinen drei Türmen. Das Renaissanceschloss wurde 1607 bis 1610 durch Friedrich Bock von Gerstheim erbaut. Bereits im Jahr 2010 durfte das Schloss Schmieheim das Jubiläum zum 400-jährigen Bestehen feiern.