Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Situation der Waldwirtschaft Schonacher Berg-Bauer schildert Erfahrungen

Von
Bernhard Bolkart bei der Waldarbeit im verschneiten Schwarzwald. Foto: Bolkart

Der Klimawandel setzt den Schwarzwald-Bauern zu. Im Interview schildert der Schonacher Berg-Bauer Bernhard Bolkart seine Erfahrungen. Lesen Sie mehr dazu in unserem (SB+)Artikel.

Herr Bolkart, Sie bewirtschaften einen Schwarzwaldhof nahe Schonach. Wie ist es, im Mittelgebirge Bauer zu sein?

Hier oben im Schwarzwald muss man noch viel mehr mit den bloßen Händen arbeiten als in anderen Lagen im Flachland. Wenn wir Maschinen an den Hängen einsetzen, dann sind sie viel kleiner als im Tal, und das macht die Bewirtschaftung zeitaufwändig. Meine Flächen erstrecken sich über 80 Hektar und über eine Höhendifferenz von gut 300 Metern. Besonders in den von uns genutzten Wäldern ist es oft herzhaft steil. Die körperliche Arbeit steht also stärker im Vordergrund als anderswo.

Wie verdienen Sie ihr Geld?

Wir haben zehn Mutterkühe mit Kälbern für die Rindfleischerzeugung. Dazu pflanzen wir Bio-Christbäume. Das Hauptstandbein ist die Waldwirtschaft. Das Gelände ist so steil, dass man mit vollautomatisierten Erntemaschinen fast nichts machen kann. Mein Sohn und ich gehen daher mit Kettensäge, Traktor und Seilwinde ins Holz und lagern die Stämme dann an gut befahrbaren Wegen. Nach so einem Tag geht man abends gerne ins Bett.

Geht das auch im Winter noch?

Wenn es zu kalt wird, also mehrere Tage unter null Grad, hören wir auf. Dann wird es gefährlich. Das Holz splittert, Keile halten nicht mehr und auf den steilen Waldhängen wird es rutschig. Früher bin ich auch noch an tiefverschneiten Tagen rausgegangen. Heute finde ich Arbeit im Büro.

Ist es da von Vorteil, dass durch den Klimawandel die kalten Tage rar sind?

Die Zeiten, in denen der Schnee Ende November kam und bis Ende März liegen blieb, sind definitiv vorbei. Zwei Wochen geschlossene Schneedecke auf knapp unter tausend Meter Meereshöhe sind schon eine Ausnahme. Oft bleibt der Schnee nur Tage liegen.

Was macht das Klima mit dem Wald?

Besonders betroffen sind die Betriebe in exponierten Lagen, etwa im Südschwarzwald. Hier gibt es Probleme mit Trockenheit im Sommer und in der Folge mit Käferbefall, weil die Bäume nach mehreren Jahren mit zu wenig Wasser stark geschwächt sind. Dazu kommen Unwetter, die den Waldbestand schädigen. Als Folge pflanzen wir Land- und Forstwirte im Schwarzwald mehr Mischwald an. Fichten werden durch Weißtannen, Buchen, Eschen oder Ahorn ersetzt. Nicht alles funktioniert. Buchen und Eschen beispielsweise leiden stark. In meinem Wald setzte ich große Hoffnung auf Douglasien, die sich recht widerstandsfähig zeigen.

Wird der Schwarzwald in zwei bis drei Generationen noch eine große, fast zusammenhängende Waldfläche sein?

Ein riesiges Problem ist es, die immer öfter durch Stürme, Trockenheit oder Käferbefall entstehenden Kahlflächen wieder aufzuforsten. Die Bäume dazu zu bringen, wieder anzuwachsen und groß zu werden ist zu einer Haupt-Herausforderung für die Forstwirtschaft geworden. Wenn der Wald mal weg ist, wird es kritisch. Sollten wir bei dieser Aufgabe scheitern, wird sich das Mikroklima, aber auch der Wasserhaushalt stark verändern.

Rentiert sich die Waldwirtschaft noch?

Ja, das tut, sie, aber die Phasen, in denen es knapp ausgeht, werden länger. Seit drei Jahren liegen die Holzpreise am Boden. Ich habe meine Bäume daher stehen gelassen und warte, bis die Preise besser werden. Aber in dieser Zeit muss ich eben mit stark sinkenden Einnahmen leben.

Ein anderer Teil ihres Hofes sind die Mutterkühe. Wie geht es da?

Auf unserem Grünland sind die klimatisch bedingten Einschränkungen noch größer als im Wald. In den zunehmend trockener werdenden Sommern fällt es vielen Bauern immer schwerer, genügend Futter für die eigenen Tiere anzubauen. Teilweise wird Heu über lange Strecken zu den Höfen transportiert. Futter zuzukaufen, reißt große Löcher in unsere Bilanzen. Insbesondere Bioerzeuger leiden darunter, da Heu und Silage als Tiernahrung im Biobereich noch teurer sind.

Die Kuh auf der Weide ist nicht nur stilprägend fürs Allgäu, sondern auch für den Schwarzwald. Wird sie langfristig verschwinden?

Viele Gründe führen dazu, dass die Viehhaltung in Hochlagen unter Druck ist. Der Klimawandel beschleunigt den Prozess aber noch einmal deutlich, weil die Kosten ansteigen und finanzielle Spielräume der Landwirte sinken. Die Höfe im Schwarzwald haben auch nur beschränkte Möglichkeiten, auf andere Ertragsbringer umzusatteln. Übrigens finden wir die größte Artenvielfalt im Schwarzwald auf extensiv genutzten Weideflächen. Wenn solche Flächen verbuschen, weil keine Tiere mehr darauf gehalten werden, sinkt der ökologische Wert. Und für die Touristen schwindet ein prägendes Merkmal einer beliebten Ferienregion.

Was ist das Hauptproblem?

Im Agrarmarkt sind die Kräfte sehr unterschiedlich verteilt. National betrachtet, stehen hunderttausende Erzeuger einer sehr mächtigen verarbeitenden Lebensmittelindustrie gegenüber, die ihre Produkte an nicht mal eine Handvoll große Discounter und Lebensmitteleinzelhändler verkauft. In dieser Kette stehen die Bauern ganz hinten und kriegen immer nur die Krümel des Kuchens ab, der davor verteilt wurde. International konkurrieren wir mit Betrieben, die ganz andere Voraussetzungen zur Lebensmittelerzeugung haben. In Ländern wie Brasilien oder den USA sind die Höfe riesig und können ganz anders bewirtschaftet werden. Die Erzeuger dort unterliegen weder der Düngeverordnung noch Einschränkungen beim Einsatz von Pestiziden. Ich will das nicht gutheißen, aber solche Betriebe können Fleisch oder Lebensmittel natürlich zu ganz anderen Preisen anbieten als kleine Erzeuger im Südwesten.

Wie können sich die Bauern aus der Zwickmühle befreien?

Alleine können sie das nicht, dazu braucht es die Verbraucher und die Politik. Die Verbraucher müssen die Leistungen der Bauern stärker anerkennen, und das heißt auch für gut erzeugte Produkte höhere Preise bezahlen. Und die Politik muss endlich Standards definieren, zu denen Waren in Deutschland angeboten werden dürfen.

Fotostrecke
Artikel bewerten
0
loading

Ihre Redaktion vor Ort St. Georgen

Nadine Klossek-Lais

Fax: 07724 94818-15

Ihre Redaktion vor Ort Triberg

Christel Börsig-Kienzler

Fax: 07724 94818-15

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.