Unwetter, Hochwasser, Krieg: Verschiedene Bedrohungslagen sind in jüngster Vergangenheit wieder realer geworden. Per Sirene kann in Balingen aber nicht gewarnt werden.
Bundesweit heulten am 12. September um 11 Uhr in den Städten und Dörfern die Sirenen. Am Warntag wurde der Ernstfall geprobt. In Balingen dagegen blieb es stumm. Die Stadt Balingen wartet noch auf Fördergelder.
Die Begründung der Stadt lautete vor dem Warntag: In Balingen gebe es keine Sirenen zur Bevölkerungswarnung. Fünf Sirenen seien noch in den Ortsteilen übrig, bei diesen aber „handelt es sich um Relikte einer Zeit, als die Alarmierung der Feuerwehren noch über Sirenen erfolgte“, hieß es.
Zahlreiche potenzielle Bedrohungslagen
Hierzu hat unsere Redaktion noch mal nachgefragt und wollte es noch genauer wissen. Etwa seit wann in Balingen die Bevölkerungsalarmierung nicht mehr über die Sirenen erfolgt.
„Soweit in der Kürze der Zeit nachvollziehbar, gab es in Balingen in den letzten Jahrzehnten keine Sirenen für den Bevölkerungsschutz. Inwiefern und in welcher Zahl es in der Nachkriegszeit Sirenen gab, wäre historisch zu prüfen, dies würde jedoch eine längere Zeit in Anspruch nehmen“, hieß es auf diese Frage seitens der Stadt.
Hochwasser, heftige Unwetter, Krieg in Europa: Mittlerweile gibt es zahlreiche potenzielle Bedrohungslagen, von denen man noch vor einigen Jahren nicht dachte, wie real diese mittlerweile geworden sind. Sollte da auch wieder über den Aufbau solcher Anlagen nachgedacht werden?
Warten auf Fördergelder
Genau das möchte die Stadt zwar angehen, sie wartet aber schon seit geraumer Zeit auf finanzielle Unterstützung von Land und Bund: „Wir warten aktuell noch auf eine Förderzusage aus Landes- bzw. Bundesmitteln. Wir hoffen noch auf die Zusage von Mitteln.“ Und weiter: „Sollten wir die entsprechende Förderung erhalten, werden wir den Aufbau eines modernen Sirenennetzes angehen.“
Und wenn nicht? „Sollte sich herausstellen, dass wir bei den Fördermitteln von Bund und Land definitiv nicht zum Zug kommen, werden wir mit der Thematik in den Gemeinderat gehen“, antwortet uns die Stadt auf diese Nachfrage.
Im Gremium müsse dann über das weitere Vorgehen beraten und über die eventuelle Finanzierung ohne Förderung entschieden werden.
In Bisingen ist man schon weiter
Wenige Kilometer weiter, in der Nachbargemeinde Bisingen, ist man schon weiter: Vor gut einem Jahr wurden dort auf acht öffentlichen Gebäuden wieder Sirenen installiert. Die Kosten lagen bei rund 148 000 Euro. Nach Abzug von Zuschüssen des Landkreises verblieben bei der Gemeinde nur noch rund 31 000 Euro.
Bei dem verheerenden Unwetter in Bisingen vor einigen Monaten kamen die Sirenen bereits im Ernstfall zum Einsatz und heulten los.
In Balingen setzt man größtenteils auf die Warnapp Nina. Aber was, wenn das Handynetz in einer Notlage zusammenbricht? „Es gibt hierbei verschiedene Möglichkeiten: Die Warnung per Smartphone wird ergänzt um Radiomeldungen (hier sind Unterbrechungen aller Programm denkbar) oder beispielsweise auch durch Durchsagen aus Einsatzfahrzeugen“, erklärt die Stadt.
Bei einem Blackout, also einem totalen Stromausfall, kann es schnell vorbei sein mit dem Mobilfunk. Dann sind weniger Smartphones das Problem, sondern die Basisstationen, die die Einwahl in die Netze ermöglichen. Ob Mobilfunk, Festnetz oder Internet: Wenn nicht sofort, ist spätestens innerhalb weniger Stunden keine Verbindung mehr möglich.