Viele Musikbegeisterte in der Region treffen sich seit 30 Jahren regelmäßig zum gemeinsamen Volksliedersingen. Walter Schweikert erzählt, was es damit auf sich hat.
„Volkslieder gemeinsam singen ist Balsam für die Seele“, ist sich Walter Schweikert sicher. Mit Herzblut organisiert er seit vielen Jahren das Volksliedersingen in Winzeln. 30 Jahre kann er in diesem Jahr gemeinsam mit den Gästen und Musikern feiern.
Gemeinsam mit unserer Redaktion blickt der 85-Jährige auf die Geschichte zurück. Die musikalische Ader reiche in seiner Familie mindestens bis zu seinem Großvater zurück. Sein Vater sei Dirigent bei einem Musikverein gewesen, und drei seiner Brüder waren in Gesangsvereinen vertreten.
Doch für ihn war das keine Option: Schweikert brachte sich das Akkordeonspielen selbst bei – und das ganz ohne Noten. Mit einem eigenen System schafft er es, sich an die Spielweise von mehr als 600 Lieder auf dem Knopf-Akkordeon zu erinnern.
Volksliedertreff entstand ursprünglich in Weiden
Doch wie kam es zum Volksliedersingen in Winzeln? Diese Idee sei eigentlich in Weiden entstanden, verrät Schweikert. Dort gründete die Weidener Chordirigentin Traudel Sturm 1992 das kreisweit erste Volksliedersingen im Gasthaus Rössle, bei dem er Dauergast gewesen sei, so der leidenschaftliche Musiker. Er begleitete den Gesang mit dem Akkordeon, Sturm am Klavier.
Zwei Jahre später schloss das Gasthaus. Die Nachfrage sei aber ungebrochen hoch gewesen. Walter Schweikert suchte daher nach einem neuen Ort, an dem auch ein Klavier vorhanden war, und wurde im Gasthaus Adler in Winzeln fündig.
Das Angebot wurde rege angenommen, und so waren an guten Tagen etwa 70 Sänger beim Volksliedertreffen und füllten das Gasthaus bis auf den letzten Platz.
Treffen auch in anderen Ortschaften
Doch auch diese Räumlichkeiten blieben nicht für immer. Erst zog es die Musiker in das Gasthaus Linde und schließlich in das „Kegelstüble“, wo seither das Treffen an jedem zweiten Dienstag im Monat von 14 bis 17 Uhr stattfindet – seit 2003 sogar mit Moderation.
Und weil es in Winzeln stets gut lief – und immer noch läuft – wurde das Angebot auf andere Orte ausgeweitet. So wird im Gasthof Rose in Seedorf jeden ersten Donnerstag im Monat gesungen und in Römlinsdorf im Musikerhaus jeden dritten Donnerstag im Monat.
Zwei Musiker übernehmen musikalische Leitung
Nun sei er aber mit 85 Jahren auch nicht mehr der Jüngste, gibt Schweikert zu bedenken. Daher unterstützen ihn seit etwa drei Jahren Reiner Glück und seit einem Jahr Helga Haas am Akkordeon. „Um es sterben zu lassen, ist es zu schade“, so Helga Haas über das Treffen. Und als Team funktioniere man super.
Solange die Gäste noch kommen, wollen die Organisatoren weitermachen. Denn mehr als 20 Sänger seien es immer. Viele kämen beispielsweise auch aus Sigmarswangen, Sulgen und Starzach. Einige Gäste kämen auch nur zum Zuhören, und das freue die Veranstalter ebenso.
Zusammenkommen besonders für ältere Menschen wichtig
„Die Menschen strahlen richtig“, berichtet Haas über die positiven Reaktionen. Es sei schön, wenn man den Gästen etwas geben könne und sie nachher zufrieden nach Hause gingen. „Singen erleichtert einen und ist für den seelischen Ausgleich sehr gut.“
Der Treffpunkt sei gerade auch für die älteren Menschen wichtig. „Musik hält jung“, weiß Helga Haas. Die drei Musiker wünschen sich, dass es noch lange so weitergeht.