Eine große Karriere darf man Philipp Schupelius vorhersagen. Der exzellente Cellist ist vor den Musikern des Sinfonieorchesters VS, zusammen mit Dirigent Achim Fiedler zu sehen. Foto: Kouba

Das Konzert des Sinfonieorchesters Villingen-Schwenningen zum deutschen Nationalfeiertag war ein denkwürdigen Ereignis, bewirkt durch die Ansprache des Oberbürgermeisters Jürgen Roth, den romantischen Glanz des Orchesters und durch die unglaublichen Virtuosität des Cellisten Philipp Schupelius.

OB Roth richtete sich an die „Anhänger unseres Sinfonieorchesters“ und riet: „Genießen Sie den Moment und halten Sie ihn fest in innerer Tiefe“.

 

Er verwies auf Freiheit, Demokratie und weltoffene Gesellschaft, ein Traum, der ein anderer geworden sei. Unzufriedenheit sei eingekehrt und viele dächten an Aus- und Abgrenzung. Ein weiter Blick gehe verloren.

Roth sah große Herausforderungen, wolle aber nicht in einer Welt leben, die die Sicht verstellt und erinnerte an die Partnerstadt mit Zittau als Bindeglied zu östlichen Nachbarn. Der OB meinte, beim Konzert „dürfen wir die musikalische Kraft der Kunst erleben“.

„Musikalische Verwandtschaft“ hatte Dirigent Achim Fiedler das Programm überschrieben. Romantik verband alle: Komponisten bis Interpreten und Zuhörer. Für Sohn Matthias sprang als Wahlverwandter der erst 20 Jahre alte Cellist Philipp Schupelius ein.

Solist bietet einen Edelstein

Zugaben bleiben meist unerwähnt, aber was der Solist bot, war ein Edelstein: „El cant dels Ocells“ des Cello-Meisters Pau Casals, dessen katalanischer Vorname „Frieden“ bedeutet und Assoziationen zum Tag der deutschen Einheit und Bernsteins „Freiheit“ herstellte. Der Gesang der Vögel hinterließ einen unter die Haut gehenden Eindruck mit Bannwirkung ob der interpretatorischen Größe und der Vermittlung des melancholischen Inhalts.

Effektvoll war auch Dvoráks h-Moll-Cellokonzert. Aus einem kleinen Motiv heraus entwickelte sich der erste Satz (Allegro), der zur Anbetung der tschechischen Heimat wurde. Das Adagio ließ den Duft von Balsam herüber wehen und bot herrliche Melodien, die gefühlvoll transportiert wurden, wobei die Klarinette einen wichtigen Akzent setzte, um verschleierte Liebe zu offenbaren. Die Kadenz in seiner unbeschreiblichen Schönheit wurde zur sphärischen Klammer von Herz zu Herz.

Kraftvolles Finale

Voll Saft und Kraft gelang das Finale. Die totale Bewunderung des Solisten war begründet im Spektrum von satten Doppelgriffen bis hin zu entschwebenden Flageoletten. Danach wurde der bedeutende Geiger Joseph Joachim angesteuert, auch ein Freund von Johannes Brahms. Seine an Heinrich von Kleist erinnernde „Elegische Ouvertüre“ wurde zum romantisch schwelgenden Auf und Ab und wirkte als eine „Naturgewalt“, wie sie Brahms empfand.

Eine Spitzenleistung bot das Orchester mit der dritten Sinfonie des Hamburgers, wobei sich Dirigent Achim Fiedler zum Taktstockmagier entwickelte, der jede Kleinigkeit mit größter Disziplin und Präzision forderte. Das Orchester malte musikalische Bilder, um in religiöser Feierlichkeit zu enden – Momente spannender Stille folgte, bis Applaus durchbrach. Gesamteindruck: großartig, lebendig, souverän.