Das Sinfonieorchester Villingen-Schwenningen begeisterte beim Neujahrskonzert und überzeugte das Publikum sowohl als ein Klangkörper als auch mit ausgezeichneten Soli.
Das Sinfonieorchester Villingen-Schwenningen mit seinem Dirigenten Achim Fiedler durfte sich wieder ein mal über ein komplett ausverkauftes Franziskaner-Konzerthaus in Villingen freuen. Das Neujahrskonzert war ein voller Erfolg dank der hervorragenden Leitung, des inspiriert spielenden Orchesters und auch dank des klug konzipierten Programms.
Unter dem Motto „Musik in den Metropolen“ erlebte das Publikum eine musikalische Reise um die Welt, welche die Musik zu Beginn des 20. Jahrhunderts beleuchtete, eine Zeit voll spannender Neuerungen und großer Experimentierfreude.
Die Reise führte von Wien über Budapest, Berlin, Nordamerika und Paris wieder nach Wien zurück. Für Wien standen natürlich, wie könnte es anders sein, Werke von Johann Strauss, nämlich die Express-Polka und der Walzer „An der schönen blauen Donau“.
Geschmeidig folgte das Orchester der klaren Zeichensetzung seines Dirigenten, der einfach weiß, was er tun muss, um ein Höchstmaß an Exaktheit und Klangvielfalt aus dem großen Klangkörper herauszukitzeln. Erfreulich viele junge Musiker vor allem bei Bläsern und Schlagzeug waren auf der Bühne zu sehen und zu hören, die sich problemlos integrieren konnten und ganz bestimmt mit offenen Armen aufgenommen wurden.
Stilistische Vielfalt der Werke
Das Orchester fügte sich flexibel in die stilistische Vielfalt der Werke ein und hob, sowohl als ein Klangkörper als auch mit ausgezeichneten Soli, die charakteristischen Merkmale hervor, egal ob es sich um einen Foxtrott (E. Tompa), schmissige Ouvertüren (von E. Kálmán, P. Lincke und J. Offenbach), den ungewöhnlichen Marsch im Sechs-Achtel-Takt von J. Sousa oder die jazzig angehauchten Prèludes von G. Gershwin handelte.
Etwas ganz Besonderes war die Gestaltung des berühmten Boléro von M. Ravel, und es dauerte einige Zeit, bis das Publikum begriff, was da vor sich ging. Auf der Bühne begannen nämlich nur der fabelhafte Trommler, vier zupfende Streicher und eine Flötistin mit wunderbarem Ton, die erste „Strophe“ ganz leise zu spielen. Dann schlichen nach und nach die anderen Musiker vor ihrem jeweiligen Einsatz auf die Bühne, bis das Orchester wieder komplett war. Das Tempo wurde exakt gehalten, das komponierte Crescendo gleichmäßig gestaltet und das alles ohne Dirigent! Dieser übernahm dann doch noch die Führung für das grandiose Schluss-Forte und natürlich für die beiden mit riesigem Applaus geforderten Zugaben, „Berliner Luft“ und „Radetzky-Marsch“, bei denen Achim Fiedler auch das Pfeifen und Klatschen des Publikums in musikalische Bahnen zu lenken vermochte.