Die Musiker führten unter dem Motto „Fantastique!“ zwei gewaltige Werke von Rachmaninow und Berlioz im Franiskaner Konzerthaus auf. Es gab ein Wiedersehen mit dem Ehrendirigenten Jörg Iwer.
Das Sommerkonzert des Sinfonieorchesters Villingen-Schwenningen brachte ein Treffen mit Ehrendirigent Jörg Iwer und dem spanischen Pianisten Luis Fernando Pérez.
Aufgeführt wurden zwei opulente Werke unter dem Motto „Fantastique!“. Große Ansprüche stellten Rachmaninows drittes Klavierkonzert, und Berliozs Symphonie fantastique sowohl an die Ausführenden, als auch an die Zuhörer. Und: Alle mussten viel Zeit mitbringen. Allein das Werk des Franzosen zeitigte eine Aufführungsdauer von fast einer Stunde.
Warum zusätzlich eine Anamnese und Analyse des „neurotischen“ Komponisten und seines Werks durch Fachmann Berthold Graf notwendig erschien, sei dahin gestellt. Musik „soll Produkt der ganzen Summe seiner Lebenserfahrung sein“, meinte Rachmaninow. Bei seinem d-Moll-Konzert hatte man den Eindruck, er packte all seine Empfindungserlebnisse hinein und formte die drei Sätze zu einem gigantischen Ganzen.
Versunken in das Notenkonstrukt
Bei geöffnetem Flügel lotete Pérez alle Details heraus. Er agierte mit innerer Hingabe, äußerster Spannung und expressiver Vermittlung. Stellenweise erschien er wie ein Wesen aus einer anderen Welt – versunken in das Notenkonstrukt, das er nicht abzulesen brauchte.
Wehmut, elegische Gedanken, lyrische Beseeltheit, düstere Stimmung, reizvolle Harmonik, Besessenheit vom Klang, ruhige Passagen, stürmisch-kraftvolles Spiel, emotionale Ausbrüche mit infernalischen Zügen, kühnes Heroentum und gestalterischer Wille wurden vermittelt. Entsprechend reagierte das Orchester unter Jörg Iwer, dessen Dirigierstil sich in sieben Jahren nicht verändert hatte. Kaum zu merken war der Übergang vom Adagio zum Finale, das durch pianistische Virtuosität brillierte – einfach fantastisch. Entsprechende stürmisch war der Applaus.
Bei der „Episode eines Künstlers“ von Hector Berlioz schlichen sich in Anbetracht der fortgeschrittenen Stunde kleine Konzentrationsschwierigkeiten ein. Insgesamt jedoch wurden das Opus 14 in plastische, nachvollziehbare Form gegossen. Riesig war das Orchester und hervorragend war das Spiel von Englischhorn, Klarinetten, Piccolo und Fagotten. Der Inhalt konnte an den Satzbezeichnungen abgelesen werden: Träumereien, Leidenschaften, ein Ball, Szene auf dem Lande, Gang zur Hinrichtung, Traum einer Sabbatnacht – die wirkungsvoll in „programmatischer Musik“ aufging.