So sehen Sieger aus: Simon Zachenhuber in der Stuttgarter Scharrena. Foto: Baumann/Julia Rahn

Stimmungsvoller Boxabend in der Stuttgarter Scharrena: Simon Zachenhuber und Altin Zogaj zeigen bei ihrem Heimspiel starke Leistungen. Nun müssen stärkere Gegner her.

Es ist noch nicht lange her, da hat Simon Zachenhuber seine Einlaufmusik geändert. Wenn der Boxer den Ring betritt, ertönt jetzt „Can’t stop“ von den Red Hot Chili Peppers, was sich nicht nur gut anhört, sondern zudem an einen ganz Großen erinnert. Das Stück der US-Rockband läutete einst auch die Auftritte von Wladimir Klitschko ein. „Ich habe den Song ganz bewusst gewählt“, sagt Simon Zachenhuber, „er ist mein großes Vorbild.“ Ein boxerisches Schwergewicht wie der frühere ukrainische Weltmeister wird der Bayer, der seit sieben Jahren in Stuttgart trainiert, schon allein deshalb nicht werden, weil er in einer anderen Klasse kämpft (Supermittelgewicht bis 76,2 kg). Aber auch bei den Duellen von Simon Zachenhuber ist Musik drin, er hat zweifelsohne das Zeug, um ganz nach oben zu kommen – das war am Samstag in der Scharrena eindeutig zu sehen.

 

Dort veranstaltete sein Kumpel und Trainingspartner Altin Zogaj die zweite Stuttgart Boxnacht, bei der rund 2000 Fans für eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgten. Nachdem die Hoffnung von Simon Zachenhuber auf einen baldigen WM-Kampf gegen Willian Scull, den Weltmeister des Verbandes IBF, geplatzt war, weil dieser Anfang Mai im saudi-arabischen Riad auf Superstar Saul „Canelo“ Alvarez trifft, der die Gürtel der Verbände WBA, WBC und WBO hält, musste sich der Wahl-Stuttgarter anderweitig orientieren. Kurzfristig kam es so zu einem Heimspiel, über das sich Simon Zachenhuber (26) sichtlich freute. Und bei dem er seine Aufgabe souverän löste.

Simon Zachenhuber hofft auf stärkere Gegner

Gegen Robert Talarek (41) dominierte der Favorit von Beginn an, landete viele Körpertreffer und schlug den routinierten Polen in der dritten Runde dreimal zu Boden. „Er ist ein super erfahrener Mann, ich habe alle 58 Kämpfe von ihm angeschaut“, sagte Simon Zachenhuber nach seinem K.-o.-Sieg, „letztlich war es eine klare Sache. Talarek ist sicher kein Weltklasse-Gegner gewesen, aber er kennt alle Tricks. Es war ein Duell, in dem ich viel gelernt habe, und in dem ich zeigen konnte, was ich drauf habe.“ Auch den Kontrahenten, auf die es der ehrgeizige Supermittelgewichtler, der sich in der Scharrena top austrainiert präsentierte, abgesehen hat. „Ich will stärkere Leute boxen, die mit mir auf Augenhöhe sind, um in den Ranglisten weiter nach oben zu kommen“, sagte Zachenhuber nach seinem 26. Sieg im 26. Kampf, „ich bin bereit für jeden Gegner.“

Hat sich den Applaus der Fans verdient: Altin Zogaj. Foto: Baumann/Julia Rahn

Zuversichtlich gab sich auch Conny Mittermeier. „Er hat richtig Druck gemacht. So muss er kämpfen, um zu zeigen, dass er weiterkommen will“, erklärte der Trainer von Simon Zachenhuber, „ich bin sicher, dass sich für ihn ein Weg nach oben auftun wird.“ Diese Meinung teilte Firat Arslan, der bereits dort war, wo Simon Zachenhuber noch hin will. „Es fehlt nicht mehr viel“, sagte der frühere WBA-Champion im Cruisergewicht aus Donzdorf, „ich traue ihm zu, Weltmeister zu werden.“

Altin Zogaj muss über die volle Distanz gehen

Etwas mehr arbeiten als sein Freund Simon Zachenhuber musste Altin Zogaj (31). Erst im Vorfeld der Boxnacht, die er hauptverantwortlich organisierte, und dann auch im Ring. Der Supermittelgewichtler aus dem Waiblinger Stadtteil Hohenacker, der seine Karriere ohne Promoter auf eigene Faust vorantreibt, kämpfte gegen den zähen Alexander Rigas (33, München). Das Duell ging über die volle Distanz von zehn Runden. Letztlich siegte der leicht überlegene Lokalmatador und Veranstalter einstimmig nach Punkten (97:93, 96:94, 96:94). Während er sich auf den Ringseilen stehend feiern ließ, meinte sein Coach Conny Mittermeier: „Er hat solide geboxt und weiß jetzt, wie wichtig eine gute Führhand ist. Letztlich ist es bestens gelaufen – er hat eindeutig gewonnen und kann aus diesem Kampf trotzdem viel für die Zukunft lernen.“ Denn auch Altin Zogaj ist ehrgeizig.

Der Box-Späteinsteiger, der früher Innenverteidiger bei Fußball-Verbandsligist Normannia Gmünd war, hat nach seinem 16. Sieg im 16. Kampf hohe Ziele. „Ich hoffe, dass ich nach diesem Erfolg unter den Top 30 der Welt sein werde – das gibt mir Kraft und Motivation“, erklärte Altin Zogaj, „ich bin selbst gespannt, wie es weitergeht.“ Nur eines sei sicher: „Jeder Boxer, der auf meinem Niveau boxt, will Weltmeister werden.“ Und sei der Weg auch noch so weit.