Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Simmozheim Sattes Minus

Von
Der Umsatz des "....nah und  gut"-Markts in Simmozheim ist seit Jahren rückläufig. Nun wird überlegt, wie ein erfolgversprechendes Zukunftskonzept aussehen könnte. Foto: Fuchs Foto: Schwarzwälder Bote

Das letzte Wort zum "....nah  und  gut"-Markt in Simmozheim ist noch nicht gesprochen. "Wir werden 2019 überlegen, wie es weitergehen soll", äußerte sich Heidrun Weinmann, Vorstandsvorsitzende der Verbrauchergenossenschaft Calw eG (VGC), nachdem bekannt geworden war, dass die Schließung drohen könnte.

Die Zahl der Lebensmittel-Einzelhändler hat sich laut Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels­ von 2000 bis zum Jahr 2007 um 17 000 Geschäfte auf 28 900 Läden (minus 37 Prozent) reduziert. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Discounter von 12 970 auf 14 806 und die Zahl der Verbrauchermärkte von 2363 auf 3150.

Simmozheim. Es gibt mehrere Faktoren, die entscheidend für den Erhalt oder die Schließung des Lebensmittelmarkts sein werden. Seit Jahren ist der Umsatz in der Gäugemeinde rückläufig, wie Weinmann im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten angab. Der Simmozheimer Standort sei "nicht wirtschaftlich", aber für eine Genossenschaft wie die VGC mit ihren insgesamt zehn Märkten "noch im Verträglichkeitsmaß". Die Öffnungszeiten seien in Simmozheim "sicher nicht zeitgemäß" – das Geschäft ist über Mittag sowie an Mittwoch- und Samstagnachmittagen geschlossen.

Hinzu kommt, dass es an Attraktivität verlieren könnte, wenn die im Markt integrierte Filiale der Metzgerei Eisenhardt aus Malmsheim nicht aufrecht erhalten werden könnte. Inhaber Thomas Eisenhardt plagen derzeit vor allem Personalsorgen. Zwei seiner Mitarbeiter gehen demnächst in Rente und neues Fachpersonal zu finden, sei nicht einfach. Eine verbindliche Aussage über die Zukunft des Simmozheimer Standorts zu treffen, sei schwierig. "Derzeit sieht es aber danach aus, als könnten wir den Betrieb aufrecht erhalten", äußerte sich Eisenhardt im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten zur Personalsituation sowie einer dringend anstehenden Erneuerung der Theke. Bei Letzterer überlege er sich, in kleinerem Rahmen zu investieren. "Mir liegt was an dieser Filiale. Wir wollen dazu beitragen, dass die Nahversorgung im Ort erhalten werden kann." Auch wenn die Frequenz nicht so gut wie in anderen Lebensmittelgeschäften sei, könne er in Simmozheim auf treue Kunden zählen: "In unserer Filiale läuft es ganz gut".

Knackpunkt bei der Entscheidungsfindung ist laut Weinmann das Thema Digitalisierung. Die Genossenschaft müsse in neue Warenwirtschaftssysteme investieren, in Simmozheim, wo noch mit einer Registrierkasse gearbeitet wird, in ein neues Kassensystem, wofür aber auch der Kassenbereich umgebaut werden müsste. "Wir können für den Standort Simmozheim ja keine eigene Buchhaltung machen", so Weinmann. Ein weiterer Investitionsschwerpunkt ist der Austausch der Kältemittel in den Kühl- und Gerfriergeräten. "Es ist noch viel zu früh zu sagen, was passiert", sagte die Vorstandsvorsitzende zum Simmozheimer Standort.

Kleinere Geschäfte bekommen Probleme

Man sei derzeit grob am Vorplanen und Rechnen. Bei einer Ladengröße von 300 Quadratmetern sei es generell schwierig, ein Zukunftskonzept zu entwerfen, auch wenn die Kombination von Bäcker, Metzger und Lebensmitteln wie in Simmozheim gut sei. Lebensmittelketten setzen heute auf Durchschnittsflächen von mehr als 1000 Quadratmeter. Kleinere Geschäfte haben es zunehmend schwerer (siehe "Info").

"Eigentlich müssen wir Simmozheim völlig neu ausrichten", so Weinmann. Vielleicht könne man auch aus den Schließungen der einst zur VGC gehörigen Geschäfte in Bad Teinach-Zavelstein und Ostelsheim lernen und müsse über ein neues Betreibermodell anstatt über eine Schließung nachdenken.

Der "....nah und  gut"-Markt in Simmozheim wurde am 31. August 1996 eröffnet und wird heute vor allem von älteren Menschen und jungen Müttern mit Kindern geschätzt, weil er fußläufig gut erreichbar ist (siehe Umfrage auf dieser Seite). Bürgermeister Stefan Feigl rief derweil in seiner Ansprache beim Silvestertreff der Gemeinde die Bevölkerung dazu auf, in der Ortsmitte einzukaufen und die Dienstleistungen vor Ort zu nutzen, um die Nahversorgung nicht zu gefährden.

Simmozheim (kf). Ein echter Verlust wäre die Schließung des "....nah  und  gut"-Markts in Simmozheim. Das ergab unsere Straßenumfrage.

"Ich war gerade bei meinen Eltern und sie haben mir von dem Gerücht erzählt, dass der nah & gut-Laden weg kommt. Das ist der einzige Laden hier in Simmozheim", sagt Yannik DiMuzio, 26, Flughafenmitarbeiter, über seinen Heimatort. "Ohne ihn müssten die Leute nach Althengstett ausweichen. Simmozheim würde als Wohnort nicht gerade gewinnen."

"Es wäre schlecht, wenn der Laden verschwinden würde", überlegt Patrick Weik, 20, Kfz-Mechatroniker, der in der direkten Nachbarschaft von "....nah  und  gut" wohnt. "Es ist praktisch, einfach schnell um die Ecke gehen zu können, wenn etwas im Haushalt fehlt. Einen anderen Laden gibt es hier nicht. Andererseits kommt es auch darauf an, was nach der Schließung dort einziehen würde."

Krankenschwester Lizzy Seubert regt sich über die Nachricht von der möglichen Schließung auf. "Das Rathaus muss in die Pötte kommen. Die Gemeinde sollte Geld in die Erhaltung dieses Ladens investieren", findet sie. "Es wird unendlich viel in neue Wohngebiete und das Bürgerzentrum gesteckt. Aber ein Laden macht einen Wohnort erst attraktiv. Es muss dafür gesorgt werden, dass die älteren Leute ihre Einkaufsmöglichkeiten nicht verlieren. Für gebrechliche Menschen ohne Führerschein ist ein Laden in der Nähe die Lebensgrundlage. Er darf nicht geschlossen werden!"

Gut zu Fuß erreichbar

"Ich bin oft in diesem Laden", erzählt Tanja Globig, 38, Erzieherin aus Simmozheim. "Mit zwei Kindern ist es praktisch, eine gut zu Fuß erreichbare Einkaufsmöglichkeit zu haben. Anderenfalls müsste ich viel öfter den Bus nutzen. Auch den älteren Menschen würde es das Leben schwerer machen, wenn der Laden nicht mehr wäre."

"Eine Katastrophe wäre das für den Ort", stellt Ingenieur Ernst-Robert Kothe, 61, aus Simmozheim fest. "Ich gehe zugegebenermaßen nicht oft in den "....nah und gut"- Laden, aber die Nachricht von einer möglichen Schließung ist ein guter Grund, es in Zukunft öfter zu tun. Das schockt mich. Was ist ein Ort ohne Einkaufsmöglichkeit? Solche Institutionen machen ihn erst attraktiv. Was ist mit den älteren Leuten oder denen, die kein Auto haben? Vielleicht ist der Laden nicht übermäßig lukrativ, aber es gibt Menschen, die auf ihn angewiesen sind. Man darf nicht nur an sich denken."

Andreas Schöhnholz, 38, Betriebselektriker, wohnt im "....nah und  gut"-Gebäude. "Der Laden macht für mich ganz wesentlich die Wohnbarkeit in dieser Straße aus", sagt er. "Ich habe davon gehört, dass der Laden geschlossen werden soll, und ich finde es wirklich schlecht. Erst vor Kurzem haben wir ein Altenheim in Simmozheim bekommen. Da wäre es doch völlig kontraproduktiv, den einzigen Laden im Ort zu schließen. Es gehen allerdings auch Gerüchte um, dass im Industriegebiet ein neuer Supermarkt entstehen soll. Ich bin gespannt, was davon am Ende wirklich wahr wird."

Waltraud Krug, 78, ist überrascht, als sie die Neuigkeit hört. "Das ist wirklich schlecht", sagt die Rentnerin aus Simmozheim. "Für mich ist dieses Geschäft ein Segen. Früher war ich öfter in Calw, aber seit ich so gebückt gehe, ist das schwierig. Ich komme kaum noch eine Treppe hoch", erklärt sie.

Ihre Redaktion vor Ort Calw

Ralf Klormann

Fax: 07051 20077

Flirts & Singles

 
 
1

Kommentar

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.