Die Verwirklichung des Modells ist auf dem Weg. Die dunklen Gebäude werden von der Gemeinde errichtet.Foto: Tröger Foto: Schwarzwälder Bote

Kommunales: Berechnung zum Simmozheimer Jahrhundertprojekt jetzt bei neun statt sieben Millionen Euro

Es ging um viel in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Es galt, das "Jahrhundertprojekt für Simmozheim", wie es Bürgermeister Stefan Feigl einleitend nannte, "auf die Schiene zu setzen", sprich, den endgültigen Grundsatzbeschluss zur Realisierung der neuen Ortsmitte/Schillerareal zu tun.

Simmozheim. Dieser Schritt fiel einigen Räten nicht leicht. Denn die Architekten Anette Hähnig und Maximilian Hermann von der Architektengemeinschaft Hähnig/Gemmeke und Landschaftsarchitekt Stefan Fromm hatten nicht nur ihre Entwurfsplanungen für die öffentlichen Gebäude sowie Anlagen mitgebracht und ausführlich erläutert, sondern dazu auch den Räten eine detaillierte Kostenberechnung vorab vorgelegt. Und die sorgte bei manchem Rat für Kopfzerbrechen.

Die Gemeinde baut die Mediathek mit Gastronomie sowie eine Kindertagesstätte mit Wohnungen. Weiter sind die Gestaltung der Plätze und Anlagen im Areal Gemeindesache. Im Haushalts- und Finanzplan sind nach der Kostenschätzung aus dem Wettbewerbsergebnis 7,17 Millionen Euro eingestellt. Die jetzt erstellte Kostenberechnung, in die auch die Fachplaner sowie übergeordnete öffentliche Fachstellen, für die Kita zum Beispiel, eingebunden waren, liegt bei knapp 9,1 Millionen Euro. An Fördermitteln rechnet man mit rund 1,6 Millionen Euro.

Kein Beinbruch

"Ich glaube nicht, dass zu Beginn des Projektes jemand von Ihnen gedacht hat, dass wir das ohne Kreditaufnahme hinbekommen", wandte sich Feigl nach den Vorträgen der Architekten ans Gremium, "es ist ein Projekt für die nächsten 100 Jahre und es wäre kein Beinbruch, wenn wir dafür einen Kredit bräuchten". Er zeigte auf, wie aus Sicht der Verwaltung die rund 1,9 Millionen Euro Mehrkosten geschultert werden können. Aus dem neuen Gewerbegebiet, dem künftigen Baugebiet Mittelfeld und auch aus dem Schillerareal werden Grundstückserlöse erzielt werden. Am Ende des Finanzierungszeitraums 2024 stünden liquide Mittel von 1,5 Millionen Euro und veräußerbare Grundstücke im Wert von 1,7 Millionen Euro zu Buche, in Summe 3,2 Millionen Euro. Wenn das Projekt Schillerareal zu den jetzt prognostizierten Kosten realisiert sei, könne noch immer mit liquiden Mitteln von 900 000 Euro gerechnet werden. Man brauche sicher über die Bauzeit eine Zwischenfinanzierung, die mit Grundstückserlösen wieder zu tilgen sei. "Wir sagen nicht, zwei Millionen mehr ist egal", betonte Feigl, "zusammen mit Ihnen und den Architekten wollen wir schauen, wo es Einsparpotential gibt. Außerdem sind wir im Sanierungsprogramm und werden für die Mehrkosten Aufstockungsanträge stellen".

Feigl nannte große Kostenblöcke, über deren Streichung oder Verbleib in der Planung aus seiner Sicht bereits in der Sitzung entschieden werden könne, bevor dann der grundsätzliche Beschluss gefasst wird. Beispielsweise der Wasserlauf entlang der Kirchenmauer, das Wasserspiel auf dem Platz vor der Mediathek mit Kosten von jeweils rund 72 000 Euro oder der Platzbelag als Betonstein statt Naturstein, was eine Einsparung von etwa 190 000 Euro möglich macht.

Starke Bedenken

Astrid Winkeler hatte Bedenken, ob die Finanzierungsvorschau des Bürgermeisters realistisch ist, weil sicher nicht alle Grundstücke auf einmal verkauft würden. Auch Lorenz Auwärter, der mit Sabine Fels den seit einem Jahr tätigen Projektgruppen angehört, zeigte sich mit den Entwürfen zufrieden. Jedoch: "Die Kostenberechnung ist für mich ein gewaltiger Schock. Wo haben wir angefangen und wo führt das noch hin?" Architektin Anette Hähnig erläuterte ausführlich, nach welchen DIN-Vorgaben, Erfahrungswerten und Baukostenindizes die Berechnung erstellt wurde. Alles Wünschenswerte, was in den Projektgruppen erarbeitet wurde, sei eingepreist. Hier könnten im Lauf des Prozesses immer noch Abstriche gemacht und Kosten eingespart werden.

Eugen Häberle plädierte für eine Auszeit von vier Wochen, um in einer Klausur nochmal zu überlegen, wo man kürzen könne. Denn jedem haben die Mehrkosten aufs Gemüt geschlagen. Sabine Fels betonte die gelungene Planung und die kreative Gestaltung der öffentlichen Räume, störte sich jedoch an der konkreten Festlegung eines Cafés im Erdgeschossbereich des Mediathek-Gebäudes und den Mehrkosten. "Ich spüre eine große Unsicherheit", gestand Uwe Koske, betonte jedoch: "Ich stehe zu dem Projekt und möchte es nicht verzögern, sondern vorantreiben. Es ist ein dynamischer Prozess und die Architekten müssen uns schrittweise aufklären und sagen, da könnt ihr sparen." Er forderte die Kollegen auf, die Entscheidung pro Projekt jetzt zu treffen.

Fels stellte einen Antrag auf Vertagung, der jedoch mit sechs zu fünf Stimmen abgelehnt wurde. Die Entwurfsplanung billigte das Gremium schließlich mit sechs gegen fünf Stimmen. Die Verwaltung wurde beauftragt, gemeinsam mit allen beteiligten Planern Einsparmöglichkeiten aufzulisten. Diese werden vom Gemeinderat in einer Klausur beraten.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: