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Simmozheim Klimawandel macht einen Umbau nötig

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Was es für den Erhalt des Simmozheimer Gemeindewalds und den Umbau mit Blick auf den Klimawandel zu tun gibt, war Thema im Gemeinderat. Foto: Tröger Foto: Schwarzwälder Bote

Der Simmozheimer Gemeinderat hatte den Nutzungs-, Kultur- und Kostenplan für den Gemeindewald für das Jahr 2021 zu beschließen.

Simmozheim. Nach dem von Jörg Ziegler, Abteilungsleiter Forstbetrieb und Jagd am Landratsamt Calw, und Revierleiter Jürgen Martinek vorgestellten Entwurf ist ein negatives Jahresergebnis von 9900 Euro zu erwarten. Es ist ein Holzeinschlag von 1430 Festmetern geplant. Wesentliche Kulturmaßnahmen sind die Pflanzung von 1000 Exemplaren Spitzahorn sowie die Wertästung von 300 Kiefern.

Ziegler stellte sich dem Rat erstmals vor als Nachfolger von Christof Grüntjens. "Ich sehe mich als Dienstleister der Gemeinde. Es ist euer Wald, er soll so bearbeitet werden, wie ihr das wollt." Er erläuterte den Räten die aktuelle landesweite Situation der Wälder und schaute detailliert auf den Landkreis sowie auf den Simmozheimer Gemeindewald, sowohl im Rückblick aufs aktuelle Wirtschaftsjahr als auch mit einer Prognose für 2021.

Preis bricht massiv ein

Man sei hoffnungsfroh ins Jahr 2020 gestartet, so Ziegler, dann habe Sturm "Sabine" zugeschlagen. Zwei Millionen Festmeter Sturmholz in Baden-Württemberg hat er hinterlassen und damit "einen Einbruch des Holzpreises um 50 Prozent innerhalb von 24 Stunden, das habe ich noch nie erlebt." In Simmozheim machten die Sturmschäden 252 Festmeter aus. Dazu kamen, nach einer Trockenphase von mittlerweile durchgehend zwölf Jahren, auch noch 58 Festmeter Käferholz.

Ziegler und Martinek zeigten dem Gremium auf, was es für den Erhalt des Simmozheimer Gemeindewalds und den Umbau mit Blick auf den fortschreitenden Klimawandel zu tun gibt. "Bisher sind die Förster der Tradition gefolgt, in Zukunft sind drei wesentliche Punkte wichtig: Die Jungbestände müssen vor Verbiss durchs Wild geschützt werden, Insekten werden uns künftig noch viel mehr begleiten, Stichwort Eichenprozessionsspinner, und zum Dritten die Frage, welchen Teil der Wald für die CO2-Bindung leisten soll", so der Forstfachmann. Auch sei es wichtig, transparent zu machen, was der Wald über den Holzertrag hinaus alles leistet.

"Simmozheim ist ziemlich verschont geblieben von den bösartigsten Aspekten, die es dieses Jahr gab" – Jürgen Martinek machte trotzdem deutlich, dass eine geregelte Forstwirtschaft nicht mehr möglich ist. "Die Käfergeschichte war entspannt, die zufällige Nutzung – 250 Festmeter Käfer- und Sturmholz – war trotzdem unschön." Man denke in Zehn-Jahres-Projekten mit dem Ziel, einen widerstandsfähigen Mischwald zu erreichen. Da stünden bei der Anpflanzung und der Bestandspflege mal die Buchen, dann wieder die Kiefern im Fokus.

"Der geplante Holzeinschlag von 1430 Festmetern setzt sich aus vier Puzzleteilen zusammen", erläuterte Martinek. Einmal aus Käfer- und Sturmholz, dann im Januar die Durchforstung, bei der Bäume mit 18 bis 20 Zentimeter Durchmesser entfernt werden. Weiter geht es darum, Kiefern zu erhalten und reife Fichten zu entfernen und zum Jahresende etwas Laubholz zu ernten. "Es kann aber auch sein, dass uns wieder ein schwieriges Jahr erwartet und wir sagen, wir hören bei 800 bis 1000 Festmetern auf."

Viele Funktionen

"Ich bin erschrocken beim Waldgang, dass 80 Prozent der Kiefern markiert sind. Ich hoffe, das bedeutet nur Astung und nicht Fällung", begann Friedbert Baral die Diskussion. Er will nicht nur aufs Geld schauen, denn der Wald habe viele Funktionen. Man sollte bei großen Bäumen nachhaltiger sein. Deshalb wollte er bei der Einschlagmenge gleich auf 800 Festmeter runtergehen. "Ganz so einfach ist das nicht", antwortete Ziegler. "Der Simmozheimer Wald ist nach Sturm Lothar immer noch ein Aufbaubetrieb. Bei jungen Wäldern muss man mehr machen, damit der Einzelbaum und der Wald insgesamt vitaler werden." Eugen Häberle vertraut auf Revierleiter Martinek, "er kennt unsere Prämisse: Rausholen, was nötig und drin lassen, was möglich ist." Ihn treibe um, ob es möglich ist, Wiesen am Waldrand zu kaufen und aufzuforsten, "das wäre ein Beitrag zur CO2-Thematik und für einen stabilen Wald."

Lorenz Auwärter fragte, ob Martinek in seinem Team genügend Mitarbeiter habe, um all der Probleme Herr zu werden. "Unter Normalbedingungen ist es fast zu viel, unter Extrembedingungen fast zu wenig", gab der Revierleiter zu, aber man finde Lösungen, wenn es Probleme gebe. "Am Beispiel Käfer gezeigt: die ortskundigen Mitarbeiter im Team suchen die Schäden und ein externer Unternehmer arbeitet auf", ergänzte Ziegler. Rainer Bauser sprach sich gegen eine Reduzierung des Hiebsatzes aus. "Bei einem Anteil von 60 Prozent Nadelwald sollten wir die Zeit nutzen, um uns zukunftsfit zu machen, sonst laufen wir in zehn bis 20 Jahren gegen die Wand und viel Wald ist kaputt."

Dem stimmte Bürgermeister Stefan Feigl zu: "Mit den vorgelegten Zahlen wächst der Wald doppelt soviel nach wie eingeschlagen wird. Wir sollten die Zielsetzung nicht ändern, ich vertraue den Experten. Sie wissen, was sie tun."

Baral konkretisierte seinen Antrag auf eine Höchsteinschlagsmenge von 1000 Festmetern, der mit drei zu neun Stimmen abgelehnt wurde. Der Waldwirtschaftsplan 2021 wurde wie vorgelegt ­gegen zwei Stimmen bei einer Enthaltung genehmigt. Die Übertragung der Bewirtschaftung auf die untere Forstbehörde und den Revierleiter erfolgte einstimmig.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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