Georg Mouratidis und seine Puppe "Anoitos".                                    Foto: Selter-Gehring Foto: Schwarzwälder Bote

Porträt: Georg Mouratidis aus Simmozheim schildert seinen Weg vom Software-Entwickler zum Bauchredner

Die Menschen zum Nachdenken bringen möchte der Simmozheimer Georg Mouratidis. Und damit ihm möglichst viele zuhören, hatte der ehemalige Software-Entwickler eine ungewöhnliche Idee: Er wurde Bauchredner und erfand mit der Puppe "Anoitos" sein Alter-Ego.

Simmozheim. Mit dem Programm "Wir müssen reden" tourt das Duo derzeit auf Open Stages durchs Land, um Bühnenerfahrung zu sammeln und sich in der Szene einen Namen zu machen. Eine Fernsehsendung brachte den gebürtigen Griechen Mouratidis im Februar 2016 auf die Idee, Bauchredner zu werden. "Ich dachte mir, was der kann, das kann ich auch", erzählt der Mittfünfziger. Bereits mehrfach in seinem Berufsleben musste Mouratidis sich auf neue Situationen einstellen. Als gelernter Gas-Wasser-Installateur arbeitete er einige Zeit bei Porsche am Band, bevor er eine Umschulung zum Software-Entwickler machte und 25 Jahre bei einer Firma gutes Geld verdiente. "Die Arbeit hat mir keinen Spaß mehr gemacht", so Mouratidis, der versuchte, sich als Kommunikationstrainer selbstständig zu machen. Dann kam die Finanzkrise. Zwei Jahre war er als Busfahrer tätig, bevor er über eine Zeitarbeitsfirma als Testfahrer für autonomes Fahren angestellt wurde.

Das Projekt Bauchredner ging Mouratidis zielgerichtet und analytisch an. "Meine erste Idee war, den Menschen durch meine Puppe gewaltfreie Kommunikation nahezubringen. Ich habe aber schnell gemerkt, dass das niemanden interessiert." Und so besann er sich auf das, was ihn schon sein Leben lang bewegt und prägt. "Ich bin an politischen und gesellschaftlichen Themen interessiert und ich liebe Sokrates", bekennt der belesene Grieche. Als Gesprächspartner und Gegenüber kreierte er "Anoitos", eine rund 120 Zentimeter große Puppe mit Narrenkappe, die von einem dänischen Puppenmachen angefertigt wurde und Mouratidis wie aus dem Gesicht geschnitten ist. "Während des Programms unterhalte ich mich sozusagen mit mir selbst", so der Bauchredner. Dabei sind die Rollen klar verteilt. Bei den Auftritten ist es die Aufgabe von "Anoitos", seinen Partner Georg durch gezielte Fragestellungen zum Nachdenken zu bringen. "Nicht belehrend, sondern nach seinem großen Vorbild Sokrates", betont der Dirigent der Puppe, der bei den Auftritten selbst in die Rolle des "wenig belesenen aber dennoch wissbegierigen Bildzeitungslesers" schlüpft. Der verbale Schlagabtausch zwischen den beiden Protagonisten ist keine leichte Kost. "Was ich mache, ist Kabarett, keine Comedy", grenzt Mouratidis ab. Das Publikum weiß seine charmante Art zu schätzen. Wer sich auf die Gedanken und Ideen, die "Anoitos" und Georg spinnen, einlässt, wird mit intellektuellem Tiefgang aufs Beste unterhalten. "Wir sind wie die Fliege auf der Nase, die, wenn man sie verscheucht, immer wieder zurückkommt", skizziert er den Grundtenor des Programms "Wir müssen reden". Eine kleine aktuelle Kostprobe aus "Wir müssen reden": "Anoitos" fragt: "Was hältst du vom Groko-Deal?" Georg antwortet verwirrt: "Krokodil? Was für ein Krokodil?"

Neben seinem Alter-Ego "Anoitos" gibt es mit dem Lausbuben "Radieschen" und der Wahrsagerin "Lady Di Lemma" zwei weitere Puppen, denen Mouratidis eine Stimme gibt. Das Bauchreden hat der Sprachkünstler in Seminaren und mit Hilfe einer Logopädin, die ihm die richtige Atemtechnik zeigte, gelernt. Darüber hinaus hat er Unterricht bei einem Sänger sowie Schauspieler genommen und er hat einen Coach, der ihn immer wieder bei der Ausarbeitung der Dialoge unterstützt. Zu sehen waren "Anoitos" und Georg mit "Wir müssen reden" bereits auf vielen kleinen Bühnen und Open Stages wie der "Theaterschachtel" in Neuhausen, dem "Glasperlenspiel" in Asperg, der "Luke" in Ludwigsburg, dem Tübinger "Sudhaus" und dem "Forum3" in Stuttgart.

Weitere Informationen: www.seiderdubist.de.