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Simmozheim 417 Unterschriften für Landmarkt

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Ob die Simmozheimer künftig in einem Dorfladen wie diesem einkaufen können oder ein neuer Discounter im Ort gebaut wird, ist noch unklar. Foto: dpa/Warmuth

Simmozheim - "Wir waren selbst überrascht über den Erfolg", sagt Daniela Brandmeier. Die Simmozheimerin hat gemeinsam mit weiteren Bewohnern innerhalb von neun Tagen 417 Unterschriften für einen Landmarkt im Ort gesammelt.

Beim Bäcker, im Getränkemarkt, beim Friseur oder bei Privatleuten konnten sich die Unterzeichner für einen Dorfladen aussprechen. Wie berichtet, wird seit der Oktober-Sitzung des Gemeinderats in der Gäugemeinde eifrig über den Neubau einer Netto- oder Penny-Filiale auf der grünen Wiese und als Gegenentwurf über einen Landmarkt diskutiert, der relativ zeitnah im Gebäude des ehemaligen "nah und gut"-Markts eröffnet werden könnte. Ende Juli war dieses Geschäft geschlossen worden. Die Unterschriftenliste wurde unlängst Bürgermeister Stefan Feigl übergeben, der sich gemeinsam mit dem Gemeinderat nicht öffentlich erneut mit dem Thema Nahversorgung befasste. "Wir wollten mit unserer Aktion aufzeigen, wie die Leute im Ort über das Thema denken", erklärt Brandmeier, die kürzlich auch an der ersten Sitzung des neu gegründeten Simmozheimer Bündnisses für Klimaschutz teilnahm. Sie lebt mit ihrer Familie seit gut 20 Jahren in Simmozheim und hat vier Kinder groß gezogen, die inzwischen erwachsen sind.

Mehr Verkehr im Ort befürchtet

Man müsse sich fragen, wo Klimaschutz anfange und wo er aufhöre, so die 53-Jährige. Sie und und ihre Mitstreiter sprechen sich für den Kauf lokaler und regionaler Produkte sowie den Einkauf zu Fuß oder mit dem Rad aus. "Vor Jahrzehnten wurde hier eine Umgehungsstraße gebaut, um den Ort zu entlasten. Mit einem Discounter mit vielen Stellplätzen holen wir uns den Verkehr wieder in den Ort."

Obstbaumwiesen für einen Discounter-Neubau zu opfern, kommt für Brandmeier nicht in Frage. Dabei handle es sich um ein wertvolles Gut, um ein Stück Naherholung und Lebensqualität. "Klimaschutz ist nach wie vor in aller Munde. Aber oft stehen nur wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund und die Natur immer ganz hinten", sagt die Simmozheimerin. So dürfe die Menschheit nicht weitermachen.

Der Bau einer Netto- oder Penny-Filiale decke sich nicht mit den Zielen des Simmozheimer Gemeindeentwicklungskonzepts. "Ein Dorfladen wäre das Herz für einen lebendigen, sozialen Ort, an dem es zu vielen persönlichen Begegnungen und Gesprächen kommt", betont Brandmeier. Im Konzept sei außerdem festgehalten, dass auf den Kauf von lokalen und regionalen Produkten gesetzt werden soll. Die derzeitige Diskussion sei sehr widersprüchlich.

Das Gemeindeentwicklungskonzept habe bislang sehr verbindend gewirkt. Viele Bürger hätten sich mit ihren Ideen, Vorschlägen, aber auch mit konstruktiver Kritik für einen lebenswerten Ort eingesetzt. "Jetzt hat es eher eine polarisierende Wirkung", bedauert die 53-Jährige. In der Entscheidung des Gemeinderats pro und contra Landmarkt oder Discounter sieht sie eine wichtige Weichenstellung für eine gut funktionierende Dorfgemeinschaft. Brandmeier und viele Gleichgesinnte hoffen auf eine zukunftsweisende Entscheidung des Gremiums, wie sie betonen.

Nach Ansicht von Bürgermeister Stefan Feigl hat die derzeitige Diskussion über das Thema Landmarkt und Discounter keinen trennenden Charakter, sondern "die verschiedenen Meinungen fördern den Prozess der Gemeindeentwicklung und bringen die Bevölkerung dazu, sich zu beteiligen. Wer mitmacht, ist im Vorteil", sagte der Rathauschef im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Es müssten alle Argumente zum Thema auf den Tisch sowie alle Aspekte berücksichtigt werden, um sachlich darüber diskutieren und eine Entscheidung treffen zu können. Letztere müsse dann von allen getragen werden. Nur so komme man zu einem Erfolg. Dafür brauche es Kompromissbereitschaft.

Experte liefert weitere Fakten

In der Sitzung des Gemeinderats am Donnerstag, 7. November, ab 19 Uhr wird laut Feigl ein Vertreter der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH zu Gast sein und weitere Fakten liefern. Die Gemeindeverwaltung hatte bereits im Oktober die Ansiedlung eines Marktes mit einer Verkaufsfläche von circa 800 Quadratmetern favorisiert und darüber abstimmen lassen wollen. Eine Fläche im Gebiet "Weiler Weg" erachtet sie als dafür geeignet, nicht zuletzt, weil sie nicht weit von der Simmozheimer Ortsmitte entfernt liegt.

In einer Ansiedlung eines Discounters im genannten Areal sieht Feigl keinen Widerspruch zum Gemeindeentwicklungskonzept: Beim anvisierten Standort handle es sich nicht um einen weit draußen auf der grünen Wiese, "sondern er ist ortsnah". Und eine solche Einkaufsmöglichkeit werde von der Bevölkerung gewünscht. Wenngleich er die Gedanken der Befürworter eines Landmarkts nachvollziehen könne.

Zu einer Einigung kam es in der Oktober-Sitzung bekanntlich nicht. Das Gremium soll sich am Donnerstag erneut mit dem Verwaltungsvorschlag befassen und darüber abstimmen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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