Achtlos weggeworfener Müll, von der Leine gelassene Hunde, wilde Feuerstellen und
Achtlos weggeworfener Müll, von der Leine gelassene Hunde, wilde Feuerstellen und vieles mehr zerstören die wertvolle Heckengäu-Landschaft und riefen im Naturschutzgebiet "Hörnle und Geißberg" nun die obersten Naturschützer auf den Plan.
Das Naturschutzgebiet "Hörnle und Geißberg" hat eine Größe von 68 Hektar. Als Natur- und Landschaftsschutzgebiet hat es nach Angaben der Landesanstalt für Umweltschutz, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg eine Größe von etwa 152 Hektar. Das zweite Naturschutzgebiet "Simmozheimer Wald" umfasst eine Fläche von 13 Hektar. Es hat ebenfalls eine große Bedeutung als Lebensraum sowie Schutzgebiet einiger bedrohter Tier- und Pflanzenarten.
Simmozheim. Eine Delegation des Regierungspräsidiums (RP) Karlsruhe traf sich mit allen vom Naturschutz Betroffenen vor Ort zu einem Erfahrungsaustausch. Dazu waren auch der Simmozheimer Bürgermeister Stefan Feigl sowie die Vieh-und Schafhalter Harald Bauer, Wilfried Nüssle und Philip Häberle gekommen.
Erklärtes Ziel des Treffens war es, künftig die zum Teil drastischen und zerstörerischen Verhaltensweisen rücksichtsloser Zeitgenossen zu unterbinden. Sogar von einer "Beunruhigung des gesamten Gebiets durch Camper, Reiter und motorisierten Fahrzeugen" war die Rede. "Nur was man kennt und schätzt, ist man bereit zu schützen", unterstrich die Präsidentin der Abteilung Umwelt im RP Karlsruhe, Susanne Diebold.
Viel wilder Müll
Etwas mit dem Simmozheimer Naturschutzgebiet Vergleichbares gebe es kaum mehr, hob RP- Gebietsreferentin Jutta Koslowski hervor. Das RP gebe für die Pflege im Jahr rund 12 000 Euro aus und sei bemüht, die unerfreuliche Situation kontinuierlich weiter zu verbessern. Während des langen Gesprächs zeigte sich schnell, wo den Beteiligten der Schuh drückt: Besucher des Gebiets halten sich oft nicht an die Vorschriften, obwohl entsprechende Hinweistafeln aufgestellt sind. "Sie glauben nicht, was ich hier alles erlebe, vor allem abends und an den Wochenenden", so der ehrenamtliche Nabu-Naturschutzwart Oliver Maier. Die Menschen campierten gerne auf dem Hörnle und ließen ihren Müll oft einfach liegen. Auch würden durch Brandstellen zerstörte Grasnarben auf dem flachgründigen Heideböden nur sehr langsam verheilen.
"Am Samstag habe ich besonders viele Hundebesitzer da, die ihre Tiere oft nicht an der Leine führen, sondern sie frei laufen lassen", klagte Maier. Jetzt im Herbst plünderten viele Besucher die Früchte der Hecken wie Wacholderbeeren, Hagebutten und Schlehen.
Philip Häberle, der mit seinen Kühen im Naturschutzgebiet "Simmozheimer Wald" aktive Landschaftspflege betreibt, monierte, dass er oft von unwissenden Mitmenschen angepöbelt werde. Er werde kritisiert, weil er angeblich die Natur zerstöre. Dabei müsse er die Hecken immer wieder zurückschneiden, um einer Verbuschung des Geländes entgegenzuwirken.
Verschiedene Interessen
"Auch ich werde von Besuchern oft angepflaumt, weil ich angeblich falsch in die Natur eingreife", hob Schafhalter Harald Bauer hervor. Der zuständige Revierleiter Jürgen Martinek und Winfried Haug vom Landratsamt Calw verwiesen im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten darauf, dass beim Naturschutzgebiet stets verschiedene Interessen aufeinanderstoßen: Das Bedürfnis der Menschen nach Erholung und der Naturschutz. Alles abzuriegeln und die Bürger nicht in die geschützten Gebiete hineinzulassen, das gehe keinesfalls, meinen sie.
Aber es gebe doch unten beim Hörnle-Parkplatz, an der Verbindungsstraße von Simmozheim zum Hof Georgenau gelegen, zwei Feuerstellen. Es müsse gelingen, die Besucher des Naturschutzgebiets vermehrt auf den ausgewiesenen Wegen zu halten. Das Regierungspräsidium setzt bei diesen Anliegen auf mehr Information und Werbung für den Naturschutzgedanken. "Damit muss man schon bei den Kleinen anfangen", unterstrich Diebold. Dazu seien die rollenden Ökomobile gedacht, von denen es beim Regierungspräsidium Karlsruhe bisher zwei gibt.