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Simmersfeld Klassik und Jazz gehen Liaison ein

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Ull Möck (von links), Peter Lehel, Dirk Blümlein und Christian Huber stellten ihre stilistischen und improvisatorischen Fähigkeiten unter Beweis.Foto: Kosowska-Németh Foto: Schwarzwälder Bote

Simmersfeld. Ein Unglück kommt selten allein. Das hat die Kulturwerkstatt Simmersfeld am eigenen Leib schmerzhaft erfahren. Kaum war der Schock nach den Sturmschäden am Festspielhaus im Frühjahr 2019 überstanden und die Halle mit einem Riesenaufwand wieder hergerichtet, kam ein Jahr später die Epidemie. Zum zweiten Mal in Folge bekam das Kulturwerkstatt-Team um den künstlerischen Leiter Roland Schweizer einen gewaltigen Dämpfer.

Kultur-Veteran Schweizer nahm auch diese Herausforderung souverän an und passte den Spielplan geradezu akribisch den Begebenheiten an.

Da die für Sommer geplanten Freiluft-Großveranstaltungen der Corona-Pandemie zum Opfer fielen und auch der gemeinsame Auftritt des New Peter-Lehel-Quartett und den Jungklassikern unter Gerd Uwe Klein abgesagt werden musste, traten die Jazzer nachträglich mit eigenem Programm auf.

Wetterbedingt fand das Konzert drinnen statt, und die Anzahl der Besucher (Tickets gab’s nur online) wurde stark reduziert. Die Stimmung stellte sich nicht sofort ein, die Distanz zwischen den weit zerstreuten Bistrotischen erschwerte auch den gewohnten Kontakt zu den Musikern auf der Bühne.

Lehel gastierte bereits zum fünften Mal in Simmersfeld. Der herausragende Saxofonist, Komponist und Musikpädagoge wurde bereits 1997 mit dem Jazzpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet, die zweimalige Ehrung der Deutschen Schallplattenkritik galt seiner Beteiligung an mehreren Jazz-Produktionen.

In der frischen Besetzung mit Ull Möck (Klavier), Dirk Blümlein (Bassgitarre) und Christian Huber (Schlagzeug) stellte das Quartett ein Querschnitt seines stilistisch mannigfaltigen Repertoires vor.

In "Chamber Jazz" traten Klassik und Jazz eine frappante Liaison ein. Die zeitlose Musik von Johann Sebastian Bach bekam moderne, kühne und hoch virtuose Züge und pulsierte in allen Registern des Saxofons zu scharf konturierten Klavierklängen. In Gabriel Faurés "Pavane", "der schönsten Melodie überhaupt" (Lehel) öffneten die Musiker noch großzügiger die Ventile der eigenen Emotionalität, und die Zuhörer applaudierten gerne der szenischen Ausgelassenheit und dem famos kapriziösen Solo der Bassgitarre.

Auch die Musik von Johannes Brahms und Carlos Santana erwies sich als eine grandios gelungene Themen-Collage und wurde zu einem explosiven Volltreffer. Das "Georgia"-Thema von Ray Charles mit seiner ruhigen, genüsslichen Blues-Note berührte hingegen die tiefere Schichten der Empfindungswelt. Somit steckten die Jazzer eine Grenze zwischen dem "Chamber Jazz" und dem "Spherical Blues" ab, und gleichzeitig erweiterten sie den Radius der eigenen Kreativität und der Wirkungskraft.

Die Eigenkompositionen von Lehel "Change to Change", "Anima" oder seine pentatonischen Impressionen aus Südostasien interpretierte das Quartett sowohl künstlerisch als auch technisch gleich kompromisslos und mit voller Hingabe.

Und wenn der Bandleader sagte, seine Leute spielen "um ihr Leben", dann stimmte das voll und ganz. Bis zum Konzertschluss brachten sie das Publikum zu Glühen und stellten ihre stilistischen und improvisatorischen Fähigkeiten abermals in zwei nachdrücklich verlangten Zugaben unter Beweis.

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