Das Duo Hyanjoo Shin (Orgel) und Felix Hirn (Trompete) tritt auf. Foto: Anton

Das Duo Hyanjoo Shin und Felix Hirn treten in der Schramberger St. Maria Kirche auf.

Die schöne Tradition, am Jahresausklang das alte Jahr durch ein feierliches Silvesterkonzert zu verabschieden und gleichzeitig das neue Jahr mit festlichen Klängen zu begrüßen, wurde auch an Silvester 2025 wieder aufgenommen.

 

Der 2. Vorsitzende des veranstaltenden Vereins Schramberger Orgelkonzerte, Andreas Hettich, konnte in seiner Begrüßung zum Konzert „Orgel plus Trompete“ eine große Zuhörerschaft willkommen heißen. Als Interpreten kündigte er die Organistin Hyunjoo Shin, gebürtig aus Südkorea, und den aus Villingen stammenden Trompeter Felix Hirn an.

Die Orgelsolistin, aufgewachsen und musikalisch ausgebildet an Klavier und später Orgel in Südkorea, setzte ihre Studien in Deutschland fort, seit einigen Jahren auch in Orgelimprovisation. Felix Hirn nahm von 1991 bis 1994 Unterricht bei Musikschulleiter Meinrad Löffler, der ihn auf ein erfolgreiches Musikstudium vorbereitete. Nach dem Besuch der Musikhochschulen Karlsruhe und München bildete er sich weiter zum Solotrompeter und ging mit Hyunjoo Shin eine gelungene Duo Partnerschaft ein.

Eröffnung des Konzerts

Eröffnet wurde das Konzert durch die festliche „Sonata prima“ in drei Sätzen aus der Feder des italienischen Barockmeisters Viviani. Über den feierlichen Orgelklängen erstrahlte die Trompete mit prunkvoller Festlichkeit. Der Satz „Fanfare“ verkündete helle Freude. Langsam und getragen, ausdrucksvoll und verinnerlicht, erfüllte der wunderschöne Zusammenklang der beiden Instrumente beim Adagio den Kirchenraum.

Als souveräne Orgelsolistin stellte sich Hyunjoo Shin bei der brillant gespielten „Toccata mit Fuge F-Dur“ von Dietrich Buxtehude vor, womit das Programm vom italienischen zum deutschen Hochbarock wechselte.

Der volle Registerklang der Walcker-Orgel ließ den Raum vibrieren. Sehr klar und gemessen erschien das Thema der Fuge in immer neuen Stimmeinsätzen. Mit dem Konzert d-Moll von A. Marcello lernten die Zuhörer einen weiteren italienischen Barockkomponisten kennen. Beim Andante faszinierten die herrlich verzierten Auf- und Abstiege. Aus dem Bereich der Streicher übernahmen Orgel und Trompete die Spiccato-Technik. Feierlich und andachtsvoll erklang das Adagio, das durch die Moll-Akkorde einen melancholischen Ausdruck gewann.

In rasantem Tempo jagten sich die beiden gegensätzlichen Instrumentalstimmen sehr virtuos beim Presto-Satz. Mit dem Allegro aus dem Concerto a-Moll nach Vivaldi vom Altmeister des Hochbarock Johann Sebastian Bach hatten die Zuhörer wieder Gelegenheit, dessen vielfältigen Kompositionsideen zu entdecken.

Es setzte sich ein Perpetuum mobile in Gang mit schönen Wechseln zwischen hellen und dunklen Klangfarben, Forte- und Piano-Klängen sowie herrlichen Auf- und Abstiegen. Die virtuose Interpretin gestaltete dieses Werk zu einem absoluten Highlight.

Ausdruck und Gefühl

Beim Lied „Bist du bei mir“, übernahm die Trompete mit weicher Melodik sehr expressiv die innige Singstimme, der sie Ausdruck und Gefühl verlieh.

Diesem bekannten Lied an die Seite stellten die Programmgestalter das Lied „Lascia ch´io pianga“ aus der Oper „Rinaldo“ aus der Feder des zweiten großen deutschen Barockkomponisten Georg Friedrich Händel. Auch bei diesem bekannten Werk genossen die Besucher die wunderbare Ergänzung der beiden gegensätzlichen Instrumente, der „Königin der Instrumente“ und des strahlenden Blechblasinstruments. Einen großen Schritt in die Musik der Gegenwart machten die Interpreten bei Pietro A.Yon mit seiner Humoresque „L´organo primitivio“ und seiner Toccatina für Flöte. Die Harmonik glich einem Bienenschwarm, ausgelöst durch Dauer-Tremoli des Tasteninstruments.

Bei den Werken „Sarabande aus Partita für Flöte“ und Improvisation über „Das alte Jahr vergangen ist“ präsentierte sich Solo-Trompeter Felix Hirn in Hochform. Die Trompete schien bei der Improvisation wie eine menschliche Stimme mit herrlicher Phrasierung und virtuos tremolierender Verzierkunst. Der italienische Altmeister Vivaldi ließ grüßen beim Allegro aus dem Concerto h-Moll vom Zeitgenossen Bachs, Walther.

Abschluss des Konzerts

Einen brillanten Schlusspunkt setzte das Duo mit den fünf Sätzen der Suite D-Dur von Händel. Bei der Ouvertüre wetteiferten Orgel und Trompete in einem Frage- und Antwortspiel mit triumphierenden Klängen. Die Gigue glich einer atemlosen Verfolgungsjagd über die Tonstufen hinweg.

Die Arie entfaltete mit ihrem liedhaften Charakter und prunkvoll schreitenden Punktierungen den ganzen Zauber barocker Klangpracht.

Ein schönes Miteinander der beiden Instrumente erlebten die Zuhörer bei der Bourrée, bevor der majestätisch einhergehende Marsch noch einmal die ganze barocke Klangfülle ausschüttete und die Trompete sich in Glanz und Glamour schier überschlug.

Nach diesem überaus eindrucksvollen Klangerlebnis applaudierten die begeisterten Zuhörer im Stehen. Sie durften als Zugabe noch das Choralvorspiel „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ von Bach entgegennehmen.