Zu Silvester zeigte Christoph Bogon seine Registrierkunst an den beiden Orgeln der Stadtkirche. Foto: Jürgen Scharf

Zu Silvester zeigte Christoph Bogon in Schopfheim seine Registrierkunst.

Christoph Bogon hatte wieder ein Silvesterkonzert vorbereitet, das sowohl besinnliche und kirchliche als auch virtuos-weltliche Musik beinhaltete.

 

Den von ihm gewählten Konzerttitel „Meet the Queen“ erklärte der Kirchenmusikdirektor damit, dass die Orgel als „Königin der Instrumente“ gelte. Und in der Evangelischen Stadtkirche hat man gleich zwei solcher „Königinnen“. Eingangs erläuterte Bogon sein Programm, weil er der Ansicht ist, dass das Hörvergnügen „noch schöner ist, wenn man ein bisschen über die Stücke weiß“.

Die Orgel in ihrem ganzen Klangreichtum

Mit einem romantischen Orgelwerk aus England huldigte er dem namengebenden Vereinigten Königreich. Auf eine andere Art „königlich“ fing das Konzert mit dem Organisten des „Sonnenkönigs“ an, François Couperin. Drei Stücke waren dem Gloria aus der „Messe für die Klöster“ entnommen.

Mit einem kleinen Choralvorspiel des Lübecker Meisters Dietrich Buxtehude und einem „kleinen Weihnachtsgottesdienst“ von Johann Sebastian Bach setzte sich dieser kirchliche Teil des festlichen Barockkonzerts fort.

Präludium und Fuge in C-Dur BWV 547 waren die Klammer für drei aus dem „Orgelbüchlein“ ausgewählte Choralvorspiele des „Übervaters“ Bach, darunter zwei ältere, nicht so bekannte Choräle. Bogon spielte sie gleich zwei Mal, um in den verschiedenen Bearbeitungen den Klangfarbenreichtum der Orgel vorzuführen.

Das war interessant zum Hören, denn mit seiner Registrierkunst und den kunstvollen Umspielungen macht er den Klang zugleich flexibel und durchhörbar. Damit gelingt es Bogon sowohl bei dem kurzen Buxtehude-Choral wie auch bei denen von Bach, das Schlichte und Intime der von ihm vorgestellten Choralbearbeitungen samt ihrer Kunstfertigkeit zur Geltung zu bringen.

Nach diesen eher streng-analytischen Orgelstudien begab sich der Organist von der Chororgel für den romantischen Block zur Emporenorgel. Hier erklang als Erstes die von ihm zart registrierte „Träumerei“ (Reverie) des Engländers Herbert William Botting, dem Bogon mit Mendelssohns vorbildlich interpretierter zweiter Orgelsonate ein gewichtigeres Werk folgen ließ.

Bogon ist ein geübter Mendelssohn-Spieler und er artikuliert die Sätze differenziert, das Adagio empfindungsreich, während die stärker registrierten Sätze mit kräftigen Abstufungen versehen waren.

Dann durfte das zahlreiche Publikum wieder einmal ein eigenes Werk von Christoph Bogon hören: die Improvisation „Gloria-Toccata“, ein Stück, das verhalten beginnt, sich steigert und strukturell verdichtet: eine wirkungsvolle Klangschöpfung, die auf guten Widerhall stieß und reichlich beklatscht wurde.

Französische Romantik zum Jahresausklang

Bis hierhin zog sich der Gloria-Gedanke in der Weihnachtsgeschichte bei der Verkündigung der Engel („Ehre sei Gott“) durch das Programm. Bogons eigenes Stück bereicherte das Panorama dieses Konzerts zum Jahresende um eine weitere Klangfarbe; man hätte gerne noch mehr Kompositionen von ihm selber oder anderes Zeitgenössisches zu diesem Silvesteranlass gehört. Wieder einmal gab er dann zum pompösen Schluss die berühmte Toccata von Charles-Marie Widor zum Besten. Das ist bei Bogon fast schon Tradition – ein Werk zum Abheben.

Und wie könnte es anders sein bei diesem versierten Organisten: Diese französische Orgelromantik kam bei ihm völlig angemessen zur Geltung, geschmackssicher, mit packendem Schwung, hervorragender Pedalpräsenz und die Klangmöglichkeiten der Schuke-Orgel voll ausschöpfend. Das war quasi schon die Zugabe und das erste „Highlight“ des in wenigen Stunden begrüßten neuen Jahres.