Wenn es knallt und blitzt, kann das Stress auslösen – auch bei Tieren. So ist Silvester den Mühlheimer Störchen nicht gut bekommen, glaubt deren Betreuer Hartmut Polet.
Das alte Jahr vergessen und mit viel Freude und Ausgelassenheit das neue Jahr begrüßen und feiern – das passiert in der Silvesternacht rund um den ganzen Globus.
Allerdings entzündet sich daran auch alljährlich Kritik – zum Beispiel mit Blick auf die Mühlheimer Störche. Denn vergangenes Jahr wies auch NABU-Storchenbetreuer Hartmut Polet per Foto auf das Abbrennverbot für Pyrotechnik bei der Kilianskirche – dem Brutplatz der Störche –hin. Genannt wurde ein Schutzradius von 200 Metern rund um die Kirche, was einem gängigen Maß entspricht .
Regelung durch Sprengstoffgesetz
Doch dann kam der Jahreswechsel und mit ihm jede Menge lautes und farbenfrohes Feuerwerk. „In der Ecke wurde jedenfalls den ganzen Abend geböllert und Raketen abgeschossen“, fasst Polet seine Beobachtungen aus einem in der Nähe liegenden Wohngebiet zusammen. Das Resultat: „Bis jetzt sind die Störche nicht zurück auf dem Kirchturm.“
Das Feuerwerksverbot ist im Sprengstoffgesetz in Paragraf 23, Absatz 1 definiert, der das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäuser, Kinder- und Altersheimen sowie besonders brandempfindlichen Gebäuden oder Anlagen verbietet.
Zahlreiche Petitionen
Mit der Kritik am Silvesterschießen ist der NABU-Beauftragte nicht allein. Eine Petition der Gewerkschaft der Polizei (GdP) für ein Böllerverbot wurde Medienberichten zufolge von 3,25 Millionen Menschen unterzeichnet.
Das von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) initiierte Bündnis #böllerciao übergab eine weitere Petition mit 1 035 809 Unterschriften an das Bundesinnenministerium. Das Ziel: ein bundesweites Verkaufs- und Anwendungsverbot von privater Pyrotechnik an Silvester.
Verbot in der Innenstadt
Und auch beim Netzwerk Campact sprachen sich 439 000 Menschen für ein Verbot der Silvester-Knallerei aus. Dass man sich beim Übergang vom alten ins neue Jahr bestimmte Regeln einhalten muss, ist in Sulz nicht neu. Schließlich gilt seit 2015 in besonders brandgefährdeten Bereichen für einen Teil der Sulzer Kernstadt ein Feuerwerksverbot – seit 2019 auch für Teile der Vorstadt.
„Das Feuerwerksverbot in der Innenstadt wurde anfänglich kontrolliert“, blickt Sabrina Glöckler, Fachbereichsleiterin der Bürgerdienste, zurück. Nachdem festgestellt worden war, dass es von der Bevölkerung überwiegend akzeptiert wird, habe man die Kontrollen eingestellt.
Feuerwerk im Mai
Und in den verschiedenen Teilorten? „In Ortsteilen wurden die geltenden Verbote noch nie kontrolliert“, erklärt sie – dazu hätte man schlichtweg nicht die Kapazitäten. Darüber hinaus sei für die Kontrolle dieses Verbots auch die Polizei mit zuständig. Und die könne an dem besonderen Tag eben auch nicht überall präsent sein.
Doch nicht nur zwischen Dezember und Januar sind Feuerwerke Thema in der Region. „Mich hat es um circa 22.30 Uhr im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Bett geworfen. Ohrenbetäubende Kanonenschläge waren zu hören. Ein Riesenfeuerball am Himmel, der für mich viel zu nahe dem Boden war“, beschreibt ein Mühlheimer Bürger ein Ereignis, das sich Ende Mai zugetragen hat.
„Kann ich meine Hasen schlachten “
Doch nicht nur für viele Menschen war dieses unerwartete Sommer-Event ein Schock. „Total beängstigend war das“, schreibt eine Anwohnerin in den Sozialen Medien. „Auch der Hund will kaum noch raus seit dem Wochenende“, erklärt sie.
Eine andere Nutzerin sorgt sich um ihre Langohren, sollte es nochmals zu solch einem Ereignis kommen. „Dann kann ich meine Hasen schlachten – das überleben die nicht nochmal.“
Lärm und Lichter sind gefährlich
Der Deutsche Tierschutzbund klärt darüber auf, dass Tiere ein viel empfindlicheres Gehör als Menschen hätten. Starker Lärm könne sogar zu dauerhaften Gehörschäden und Verhaltensproblemen – beispielsweise Geräuschangst – führen.
Gleichzeitig würden die plötzlichen, grellen Lichter in der nächtlichen Dunkelheit sie ebenfalls aufschrecken, und: „Diese Komponenten können auch bei Kleintieren wie Kaninchen und Meerschweinchen, aber auch bei Vögeln und Pferden zu Panik und Stress führen.“
Glückliches Ende
Und dann die frohe Botschaft: „Am Mittwoch um 16.05 Uhr waren die Störche Killian und Rosie das erste Mal im neuen Jahr auf ihrem Horst, auf der Mühlheimer Kilianskirche“, teilt Polet mit. In Mühlheim ist man nun glücklich, dass die Störche Silvester unbeschadet überstanden haben.