Silbermond treten am Sonntag, 23. Juli, beim Marktplatz-Open-Air in Balingen auf. Sängerin Stefanie Kloß kennt bereits die Gepflogenheiten der schwäbischen Fans.
In Deutschland gibt es wohl kaum jemanden, der sie nicht kennt: Stefanie Kloß steht seit mehr als 20 Jahren als Front-Sängerin der Band Silbermond auf den Bühnen des Landes. Am Sonntag, 23. Juli, tritt Silbermond seit mehr als zehn Jahren wieder einmal in Balingen auf.
Im Interview mit unserer Redaktion spricht die Sängerin über das neue Album der Band und verrät unter anderem, auf welchen Teil des Konzertes sich die 38-Jährige selbst am meisten freut.
Frau Kloß, auf dem neuen Album gibt es den Song „Lieber lauf ich davon“. Wovor laufen Sie gerne mal davon?
Wir laufen alle gerne mal vor Dingen davon, vor denen wir Angst haben. Bei mir ist das manchmal grundlos bei Dingen, die ich selbst als Schwäche ansehe. Ich habe Angst, dass die jemand entdecken könnte. Aber am Ende des Tages haben wir alle diese Seite in uns. Es gibt Momente, da fühlen wir uns selbstsicher, und es gibt Momente, in denen wir uns verstecken. Aber beide Pole gehören dazu.
Silbermond gibt es unter diesem Namen schon seit mehr als 20 Jahren. In diesem Jahr haben Sie das siebte Album veröffentlicht. Woher kommen die Ideen für immer neue Songs?
Von jedem einzelnen Tag, den man erlebt. Alles, was man beobachtet. Jeder einzelne Gedanke, den man sich dazu macht. Natürlich ist viel autobiografisch, aber es sind auch viele kollektive Momente. Allein schon die letzten drei Jahre waren eine Zeit, in der wir alle auf die unterschiedlichste Art und Weise herausgefordert wurden. Diesen Lebensabschnitt auf unsere Art und Weise zu verarbeiten, gibt super viel Stoff für unsere Songs.
Was hat es mit dem Albumtitel „AUF AUF“ auf sich?
„AUF AUF“ ist eine Hymne des nach vorne Schauens. Des Abhackens von dem, was gewesen ist. Das Einlassen auf eine neue Situation und das Beste daraus machen.
Auf vergangenen Alben waren auch politische Statements zu finden, „AUF AUF“ lädt eher zum Tanzen ein. Haben Sie das Politische bewusst außen vorgelassen?
Ich finde es schön, dass es als Tanzalbum wahrgenommen wird. Das merken wir auch auf der Bühne. Es macht unglaublich Spaß, die Songs live zu spielen, weil man ordentlich Power ablassen kann. Ich würde aber fast sagen, dass diese Platte politischer ist als alle zuvor. Sich politisch zu äußern, muss nicht immer wortwörtlich stattfinden. Wir alle müssen als Gesellschaft mehr denn je politischer sein.
Die Tour trägt denselben Titel wie das neue Album. Können sich die Fans beim Konzert auch auf die alten Klassiker freuen oder spielen Sie ausschließlich neue Songs?
Jeder der aufs Konzert kommt, wird sicherlich ein paar Songs kennen und mitsingen können. Aber natürlich spielen wir auch neue Songs. Das fühlt sich auch frisch und toll an. Hört Euch gerne das Album an, bevor Ihr kommt – müsst Ihr aber auch nicht. Man kann auch einfach aufs Konzert kommen und es einfach genießen und auf sich wirken lassen.
Am. 23. Juli tritt Silbermond auf dem Balinger Marktplatz auf. Wie sehr lieben Sie Open-Air-Konzerte?
Sehr, besonders dieses Jahr. Für mich ist dieser Sommer ganz anders. Ich sehe ein anderes Glänzen in den Augen der Menschen. Es ist etwas anderes, wenn man sich jetzt ein Ticket geholt hat – oder ob man ein Ticket einlöst, was schon seit drei Jahren am Kühlschrank hängt, das schon vergilbt ist. Deswegen bin ich auch froh, dass wir in diesem Jahr keine Club-Tour oder Hallenshows gespielt haben, sondern auf den Sommer gesetzt haben. Bis jetzt hat auch das Wetter gehalten, und ich bin gespannt, ob es in Balingen auch so bleibt.
Waren Sie zuvor schonmal in Balingen?
Tatsächlich ja. Ich musste selbst nachschauen, weil es lange her ist. 2010 haben wir schonmal bei Euch gespielt. Und es wird Zeit, dass wir die Erinnerung der Leute mal wieder auffrischen.
Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit schwäbischen Zuschauern gemacht?
Ich bin kein Fan davon, das über einen Kamm zu scheren. Ich habe das Gefühl, dass die Leute immer ein bisschen härter mit sich ins Gericht gehen und beispielsweise sagen, dass sie ein bisschen abwartender sind am Anfang des Konzerts. Ich glaube aber, dass es egal ist, in welcher Himmelsrichtung man ist. Die Zuschauer selbst entscheiden, ob das Konzert ein Monolog bleibt oder ein richtig schönes Gespräch wird. Deswegen bin ich da offen und kann sagen, dass wir schon sehr viele schöne Partys bei Euch gefeiert haben.
Worauf freuen Sie sich beim Auftritt in Balingen denn besonders?
Ohne zu viel zu verraten: Ich freu mich immer besonders auf den Anfang des Konzerts, weil der echt besonders ist. Beim ersten Song gibt man sich die Hand, da findet die erste Verbindung statt. Ich freue mich auch auf den letzten Song, wo wir alle hoffentlich kollektiv ausrasten. Und auf alles dazwischen.