Nach dem Wirbel um seine Identität will der Profi des VfB Stuttgart seine Vergangenheit endgültig hinter sich lassen – mit allen Chancen und Risiken.
Stuttgart - Die Profis des VfB Stuttgart haben sich in den Weihnachtsurlaub verabschiedet. Große Fernreisen sind in diesem Jahr coronabedingt nicht drin, außerdem fällt die Winterpause kurz aus. Schon am 30. Dezember geht es auf den Trainingsplätzen in Bad Cannstatt weiter.
Ob Silas Katompa Mvumpa den Trainingsauftakt am Jahresende miterleben wird, steht allerdings in den Sternen. Der Angreifer geht als einer der Wenigen auf weite Reise. Mit Heimaturlaub oder Ausspannen unter der Sonne Afrikas hat der Trip aber nichts zu tun. Katompa Mvumpas Reise in den Kongo hat einen anderen Hintergrund: Der 23-Jährige will seine Vergangenheit endgültig hinter sich lassen.
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Dabei hat er sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Letztlich folgte er einer Vorgabe der Stuttgarter Ausländerbehörde. Sie hatte ihm diesen Weg aufgezeigt, aus der Nummer mit dem durch Silas’ frühere Berater erzwungenen Identitätsschwindel halbwegs unbeschadet herauszukommen. Durch einen Trip in den Kongo. Mit einem von der deutschen Botschaft in Kinshasa neu ausgestelltem Visum auf den richtigen Namen soll er eine neue Aufenthaltserlaubnis für Deutschland erlangen können.
Wenn alles ideal läuft, fliegt der Fußballprofi, der zunächst als Silas Wamangituka für den VfB Stuttgart Schlagzeilen gemacht hatte, ehe er mit der Geschichte um seinen falschen Namen und ein geändertes Geburtsdatum an die Öffentlichkeit ging, nach Kinshasa, geht zur Botschaft, holt Visum und Stempel und fliegt wieder zurück nach Deutschland.
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Allerdings gibt es bei der Mission reichlich Hürden und Unwägbarkeiten. So ist ungewiss, wie die Behörden in Kinshasa dem Ansinnen begegnen. Dazu kommt der zeitliche Ablauf: Die Weihnachtsfeiertage machen Behördengänge auch im Kongo nicht einfacher – von den Erschwernissen durch Corona ganz zu schweigen.
Doch die korrekte Visums-Erstellung gilt in Deutschland als heilige Kuh. Weshalb dem Spieler letztlich nichts anderes übrig blieb, als sich auf die Reise in sein Herkunftsland zu begeben. Rechtsexperten vertreten die Ansicht, dass man den Fall auch pragmatischer hätte lösen können. Die deutschen Gesetze und Verordnungen halten prinzipiell Möglichkeiten parat, die Sache auch vor Ort zu regeln.
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Doch der Fall ist kompliziert. Ein komplexes Zusammenspiel aus Aufenthaltsrecht, Beschäftigungsrecht und Strafrecht. Involviert sind neben dem VfB Stuttgart als Arbeitgeber die höchsten behördlichen und politischen Kreise. Die örtliche Ausländerbehörde in Stuttgart, Regierungspräsidium, Justizministerium bis hin zum Auswärtigen Amt in Berlin. Sie halten sich zu dem Fall weitgehend bedeckt. Unabhängig von der Erteilung neuer Papiere droht Katompa Mvumpa schließlich nach wie vor eine Anklage wegen der zuvor gefälschten Dokumente. Unverändert steht deshalb ein langfristiger Verlust des Aufenthaltsrechts nebst Wiedereinreisesperre nicht nur für Deutschland, sondern für alle europäische Staaten und eine höhere strafrechtliche Verurteilung im Raum.
Silas’ Anwalt hofft auf Milde
Dabei dürfte zu berücksichtigen sein, dass nach allem, was man bislang weiß, Silas nicht als Täter, sondern als Opfer skrupelloser Spielerberater erscheint. Sein Anwalt Dietrich Fortmann hofft daher, dass die Angelegenheit für seinen Mandanten milde ausgeht. Doch auch der Jurist aus Bochum kann derzeit erst einmal nur warten und hoffen. Dass Silas’ Reise ins Ungewisse ihn alsbald gesund und mit den richtigen Dokumenten zurück nach Stuttgart führt.