Siegfried Esslinger hat die Truhe ersteigert. Foto: Steinmetz

Für das Glatter „Schlössle im Gießen“ hat Siegfried Esslinger ein historisches Möbelstück ersteigert. Zu seiner Geschichte gehört ein Krimi, der sich im tiefsten Schlossverlies des einstigen Besitzers abspielte. Ein Ziegenbock spielte dabei eine entscheidende Rolle.

Es ist eine stattliche Truhe, gut und gern mehr als 300 Jahre alt. Sie stand einmal in der Dießener Burg, jetzt ist sie ein Schmuckstück im Glatter „Schlössle im Gießen“.

 

Siegfried Esslinger, ehemaliger Glatter Ortsvorsteher und langjähriger Sulzer Gemeinderat, hat die Truhe vor etwa fünf Jahren bei einer Auktion im Nordstetter „Schäpfle“ ersteigert. „Dass sie aus Dießen stammt, wusste ich, aber nicht die Geschichte dazu“, sagt er. Diese hat ihm erst vor kurzem ein Sammler erzählt, der das Möbelstück ebenfalls wollte, aber von Esslinger übersteigert worden war.

Welche Rolle spielte der pechschwarze Ziegenbock?

In der Kiste hatte einst Ritter Georg von Wernau seine Kleider aufbewahrt. Er war zu Lebzeiten unter anderem Herr in Dießen, Dettingen, Bittelbronn, Baisingen und Bieringen, gestorben am 31. Januar 1696 im 73. Lebensjahr. So steht es unter dem Ölgemälde, das in der Dießener Kirche hängt.

Vom Ritter Georg und seinem Bildnis gibt es eine Sage, in der auch ein pechschwarzer Ziegenbock eine Rolle spielt. Der frühere Glatter Bürgermeister Otto Hellstern hatte die Geschichte bei Recherchen in einem Messbuch entdeckt.

Dass der Burgherr im heutigen Horber Stadtteil mit seinem Bild im Chor der Kirche verewigt wurde, hat damit zu tun, dass er sich durch „reichliche Stiftungen für die Armen“ hervorgetan hat. Doch der Ritter war nicht immer so freigiebig, im Gegenteil. Er soll ein richtiger Geizhals gewesen sein, bei dem jeder Bettler vergeblich wegen eines Almosens an das Tor der trutzigen Burg klopfte.

Georg war gar kein verarmter Adeliger

Die Leute glaubten, Ritter Georg sei ein verarmter Adliger, doch weit gefehlt. Im Kellergewölbe seiner Burg bewahrte er Schätze auf, an denen er sich zu nächtlicher Stunde erfreut haben soll. Aus Angst vor Dieben ließ er vom Dorfschmied eine Tür mit 16 Schlössern anfertigen.

Als der Burgherr mal wieder seine Schatzkammer zusammen mit dem Ziegenbock aufsuchte, schlug die Tür mit dem neuen Schloss zu und konnte von innen nicht mehr geöffnet werden. Hatte etwa das Tier das Malheur verursacht? Mehrere Tage war der Ritter eingesperrt, bis er gefunden wurde. Sein Ziegenbock verendete, er selber genas nach wochenlangem Krankenlager wieder. Dieses furchtbare Erlebnis soll seinen Gesinnungswandel zum guten Menschen bewirkt haben.

Die schwarze Truhe mit ihren eisernen Beschlägen ist trotz ihres Alters bestens erhalten. „Sie gehört zu unserer Heimat“, sagt Esslinger, warum er die Dießener Kiste gekauft hat. Es gibt ja einen Bezug zu Glatt: Der früheren Herrschaft Muri gehörte neben anderen Dörfern die Ortschaft Dießen.