Ein herausforderndes Jahr liegt hinter einer Familie. Ein Jahr voller Angst, Schmerz und Hoffnung. Seit ein paar Tagen hat es ein gutes Ende genommen.
Für seine Familie begann alles bereits im Herbst vergangenen Jahres. Kaiden war immer wieder krank, hatte starken Husten und schien nie richtig zu genesen. Seine Mutter, Simone Maas-Koch, merkte, dass etwas nicht stimmte: „Von meinen anderen Kindern kenne ich das nicht. Ich spürte, das etwas anders war, er war immer sehr müde und blass.“
Zunächst schoben Ärzte die Symptome auf die übliche Erkältungszeit. Doch dann kamen unerklärliche blaue Flecken an den Beinen, starke Müdigkeit, Gewichtsverlust – und Kaiden schlief sogar beim Mittagessen im Kindergarten ein. „Ich hatte einen Mutterinstinkt, der mir sagte: Hier stimmt etwas nicht. Ich konnte nachts nicht schlafen, ich musste einen Arzt finden, der uns ernst nimmt“, erinnert sich Maas-Koch.
Bei einer Untersuchung wurde ein extrem niedriger Wert an weißen Blutkörperchen festgestellt. Ein Termin in Freiburg war geplant, doch nur anderthalb Wochen später spitzte sich die Lage dramatisch zu: Kaiden bekam hohes Fieber. Die Familie wurde sofort nach Tübingen überwiesen, wo die Ärzte alarmiert feststellten, dass in Kaidens Blut die weißen und roten Blutkörperchen sehr gering sind.
Aggressive und seltene Leukämie-Form
Eine Knochenmarkentnahme brachte die erschütternde Diagnose: T-ALL, eine sehr seltene und aggressive Form von Leukämie. „Mir hat es den Boden unter den Füßen weggerissen“, sagt Simone Maas-Koch. „Warum wir? Warum mein Kind?“ Für Kaiden begann ein harter Kampf: Operationen, Chemotherapie und unzählige wochenlange Krankenhausaufenthalte.
Trotz aller Strapazen behielt Kaiden seine Lebensfreude. „Er hat immer gelächelt“, sagt seine Mutter. Die Familie erfuhr überwältigende Unterstützung aus dem Ort: Brötchen vor der Tür, selbst gekochte Mahlzeiten, kleine Geschenke – Zeichen der Solidarität, die Kraft gaben. „Es sind so tolle Menschen hier“, erzählt Maas-Koch. Kaidens größter Wunsch: „Ich will eine Party machen, wenn ich wieder gesund bin, und alle einladen, die für uns da waren.“
Freundschaften entstanden auch in der Klinik. Kinder und Eltern aus allen Schichten und Herkunftsländern unterstützten sich gegenseitig. „Da zählt nur das Kind“, berichtet Simone Maas-Koch. Am 20. November war es endlich soweit: Kaiden durfte in der Klinik in Tübingen die Glocke läuten – das Symbol für den Abschluss seiner Chemotherapie. Seit dem 11. November gilt er offiziell als krebsfrei. Für die Familie ist die Zahl elf seitdem eine magische Zahl – der Tag der Diagnose und der Tag seines Sieges.
Die Prioritäten ändern sich
Dennoch bleibt Vorsicht geboten. Kaiden muss weiterhin regelmäßig zur Kontrolle und Medikamente einnehmen. „Ich kann mir von meinem Kind eine Scheibe abschneiden, da er trotz allem immer mit einem Lächeln durchs Leben geht“, sagt Simone Maas-Koch und führt weiter, „Vielleicht wusste ich das schon bei der Schwangerschaft, aber Kaiden heißt Kämpfer, und ein Kämpfer ist er“, sagt Simone Maas-Koch.“.
Und wie geht es weiter? „Kaiden will unbedingt in Urlaub“, lacht sie. „Und wir als Eltern wollen einfach, dass er und unsere Familie gesund bleiben. Nach so einer Zeit ist alles Materielle unwichtig. Die Prioritäten haben sich verändert.“
An andere Eltern, die Ähnliches erleben, richtet sie eine Botschaft: „Worte helfen nicht, aber man muss durchhalten. Man muss für sein Kind da sein, das gibt ihm Kraft. Ich habe die Krankheit bis heute nicht akzeptiert – aber dass man sie nicht ändern kann, habe ich akzeptiert.“