Die Siebentäler Therme soll auf Vordermann gebracht werden. Foto: Kugel

Nach etwa zweieinviertel Stunden war die Sitzung vorbei. Und danach stand fest, wie es mit der äußerst defizitären Siebentäler Therme in Bad Herrenalb weitergeht: Der Gemeinderat sprach sich am Mittwochabend bei sieben Ja- und fünf Neinstimmen dafür aus, dass die 50 Jahre alte Freizeiteinrichtung für rund 13,4 Millionen Euro saniert und umgebaut wird.

Bad Herrenalb - Nach der Entscheidung gab’s im Kurhaus freudige und enttäuschte Stadträte zu sehen, waren doch Befürworter und Gegner von ihren Argumenten voll überzeugt.

 

Beschlossen wurde, dass das Gremium den aus dem Gemeinderat entsandten Mitgliedern des Aufsichtsrates der Stadtwerke Bad Herrenalb GmbH empfiehlt, der geplanten Investition mit einem Gesamtvolumen von circa 13,4 Millionen Euro in der noch einzuberufenden Sitzung des Aufsichtsrates zuzustimmen. Zudem soll die Stadtverwaltung entsprechende Fördermittel in Zusammenarbeit mit der Stadtwerke GmbH beantragen.

Auf Antrag von Rüdiger König (UBV) gab es eine namentliche Abstimmung. Mit Ja stimmten Anja Duss (UBV), Dietmar Hartmann CDU), Klaus Lienen (CDU), Gertraud Maier (UBV), Stefan Nofer (CDU), Herrmann Ruff (Grüne PLUS) und Bürgermeister Klaus Hoffmann. Mit Nein votierten Jörg Götz (Grüne PLUS), König, Dorothea Müller (Grüne PLUS), Manfred Senk (Grüne Plus) und Andreas Tockhorn (Grüne PLUS).

Bei der Sitzung fehlte Andreas Nofer (FW) entschuldigt, Christian Romoser (CDU) erklärte sich für befangen und setzte sich in den Zuhörerraum, da sein Sohn als Aushilfe in der Therme tätig sei.

Extremes Rohkonzept

Bürgermeister Klaus Hoffmann erinnerte zu Beginn der Sitzung daran, dass man sich schon sehr lange mit der Therme beschäftige. Er erwähnte die Projektgruppe mit Eberhard Oehler an der Spitze und bedankte sich für das Engagement der Teilnehmer. Die Firma Fritz Planung GmbH habe Erfahrung und Zeit gehabt, der aktuelle Stand der Studie zur Weiterentwicklung der Therme liege nun vor.

Karina Herrmann, Geschäftsführerin der Bad Herrenalber Stadtwerke GmbH, sprach von einem extremen Rohkonzept. Es seien Ideen, wie die Therme aussehen könnte. Die detaillierten Kosten seien für die weiteren Schritte wichtig. Herrmann erklärte, wie wichtig eine finale Entscheidung sei. Der Rückgang der verkauften Gutscheine sei beispielsweise immens, die Unsicherheit der Gäste deutlich spürbar.

Zwei Vertreterinnen des Architekturbüros stellten den Stadträten das Konzept vor. Manchmal sei der Blick von außen nötig, um zu schätzen, was man habe. Die Therme sei grün eingebettet im Schwarzwald.

Region einfangen

Mit Farben und Materialien werde die Region eingefangen. Im Atrium-Bereich sei eventuell ein "kleines Waldstück" möglich. Die Architektinnen sprachen von einem Stimmungsbild, wo die Reise hingehen könnte. Nach dem ersten Schritt gebe es unheimlich viel Entwicklungspotenzial. Wichtig sei, die Natur einzufangen.

Projektleiter Oehler warb für den Fortbestand der Siebentäler Therme. Außer Natur gebe es sonst nichts mehr. Außerdem erinnerte er an die 30 Arbeitsplätze, 28 Mitarbeiter kämen aus Bad Herrenalb. Die Fassadensanierung sei keine Kann-, sondern eine Mussposition.

Zahlen präsentiert

Geschäftsführerin Herrmann präsentierte eine "sehr konservativ" erstellte Berechnung, wie sich die Zahlen in den nächsten Jahren entwickeln könnten: Im Geschäftsjahr 2021 (Anträge Zuschüsse) betrage – coronabedingt – das Ergebnis minus 1,322 Millionen Euro; 2022 (Ausschreibungsphase/gegebenenfalls Baubeginn): minus 984 000 Euro; 2023 (Bauphase) minus 829 000 Euro; 2024 (Bauphase, Wiedereröffnung) minus 854 000 Euro; 2025 (Regelbetrieb) minus 501 000 Euro. Nach der Sanierung gebe es eine Steigerung der Besucherzahlen, es könnten andere Preise verlangt werden. Von etwa 20 Euro Eintritt war die Rede.

Es war zudem zu erfahren, dass sich die Kosten bei einer Schließung auf 3,444 Millionen Euro belaufen würden. Nicht zu vergessen die jährlichen Aufwendungen in Höhe von 120 000 Euro bis zur Tilgung der Kredite.

Bürgermeister googelt

Bürgermeister Hoffmann sagte, er habe mit Blick auf ein Alleinstellungsmerkmal beim Googeln "Schwarzwaldsauna" eingegeben. Das Ergebnis: Bad Dürrheim und "unsere kleine schnuckelige Therme". Es gebe die Chance, sich zu entwickeln. Der Rathauschef erläuterte auch die Erhöhung von 9,5 Millionen auf 13,4 Millionen Euro. In einem zweiten Schritt könne vielleicht die Alb verlegt und ein Naturteich angelegt werden. Zudem sei das Dach ausbaufähig, oder eine Außensauna im Garten vorstellbar. Auch an diese Möglichkeiten müsse gedacht werden.

Großer Investitionsstau

Götz sagte, er sei – wie im November vorigen Jahres – aus bestimmten Gründen gegen die Sanierung. Die kommunale Aufsichtsbehörde sitze der Stadt im Nacken. Jetzt habe es eine 40-prozentige Preissteigerung gegeben, 13,4 Millionen Euro seien aber nicht zu halten. Er erinnerte daran, dass Bad Herrenalb einen Investitionsstau in der Größenordnung von 60 Millionen Euro habe. Man könne sich kein Millionengrab leisten.

Ruff bezeichnete Konzept und Planung hingegen als mutig und gut. Im Übrigen, darauf legte er besonderen Wert, müssten Kinder das Schwimmen lernen können. Tockhorn stellte fest: Die Risiken seien größer als die Chancen. Die weitere Entwicklung sei nach wie vor nicht beherrschbar.

König konnte kein Alleinstellungsmerkmal entdecken. Er habe betriebswirtschaftliche Zahlen erwartet, die nachvollziehbar seien – nichts Utopisches. Ein bisschen Kosmetik verändere nicht viel. Er, so König, habe kein gutes, sondern ein ganz schlechtes Gefühl. Steuern, Abgaben und Gebühren müssten erhöht werden, um sich die Sanierung leisten zu können. Mit einem Ja verbunden sei ein Riesen-Rucksack auf dem Buckel. Wie Tockhorn monierte König, dass bei der geplanten Gastronomie die Küche viel zu klein sei.

Maier meinte, die Chancen seien jetzt noch größer. Es dürfe nicht wieder rumgeeiert werden. Die Therme setzte Impulse und dürfe nicht plattgemacht werden. Man sollte nicht alles nur schlechtreden. Nebenbei: Das Gebäude habe viele Feng-Shui-Elemente.

Lienen konstatierte, dass die Siebentäler Therme viel für den Ort und die Region biete. Leute, die hart arbeiteten, könnten sich beispielsweise von Karlsruhe mit der Stadtbahn kommend eine Erholung vom Alltag gönnen.

Senk sprach sie wegen der gesamtwirtschaftlichen Situation gegen eine Sanierung zum aus. Er erwähnte Insolvenz-Verschleppungen und eine kommende Inflation. Man werde durch "ein Tal der Tränen" gehen. Man brauche die Therme in Zukunft, doch müsse diese wohl eine gewisse Zeit lang geschlossen werden. Müller erklärte, die Stadt brauche wieder Handlungsfähigkeit und dürfe nicht "Sklave der Therme" sein. Es fehle ein Fundament. Substanziell habe sich gegenüber November nichts geändert.

Info

Im Jahr 2019 hat die Firma Dorena dem Gemeinderat ein umfangreiches Grundkonzept vorgestellt. In der Gemeinderatssitzung am 25. November 2020 ist dem Gremium ein auf dem Dorena-Konzept aufbauendes Rechenmodell mit einem Investitionsvolumen von rund 9,5 Millionen Euro vorgestellt worden. Der Gemeinderat beauftragte daraufhin die Stadtwerke in enger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung zur Erarbeitung und Vorlage eines Sanierungs- und Ertüchtigungskonzeptes auf Basis der 2019 von Dorena vorgelegten Konzeption. Bei der Abstimmung wurden sieben Ja- und fünf Neinstimmen gezählt.

Kommentar: Daumen drücken

Nach jahrelangem Hin und Her hat der Bad Herrenalber Gemeinderat am Mittwochabend einen weitreichenden Entschluss gefasst: Die Siebentäler Therme soll für rund 13,4 Millionen Euro auf Vordermann gebracht werden. Es war mit sieben zu fünf Stimmen eine knappe Entscheidung – genauso wie beim "Sanierungs- und Ertüchtigungskonzept-Beschluss" mit einem Kostendeckel von 9,5 Millionen Euro im November 2020. Die enorme Erhöhung geht also für die Mehrheit der Räte so in Ordnung. Wegen des klammen Stadtsäckels deshalb der Appell an alle Bad Herrenalber: Daumen drücken, dass letztendlich unterm Strich nicht ein noch viel größerer Batzen herauskommt. Und dass es mit den Zuschüssen klappt. Und dass das Architektenauswahlverfahren optimal verläuft. Und dass künftig viele Besucher für einen deutlich geringeren Verlust sorgen.