Die Zukunft der Siebentäler Therme beschäftigt seit Langem die Bad Herrenalber Bürger. Die äußerst defizitäre Einrichtung, die umgebaut und saniert werden soll, sorgt immer wieder für Gesprächsstoff. Der Generalplaner steht nun fest. Doch was passiert als Erstes? Mit Kommentar
Bad Herrenalb - Die Entscheidung, welcher der beiden Anbieter die Generalplanung mit allen Gewerken übernehmen soll, ist mittlerweile gefallen. Vorigen Monat wollte Karina Herrmann, Geschäftsführerin der Stadtwerke Bad Herrenalb GmbH, auf Nachfrage nicht den Namen des Büros nennen. Es gebe es bei der europaweiten Ausschreibung formale Prozesse mit Einspruchsfristen. Deshalb habe man den Entschluss bisher noch nicht offiziell bekannt gemacht.
Technische Belange
Allerdings stellte Bad Herrenalbs Bürgermeister Klaus Hoffmann auf Anfrage eines interessierten Bürgers fest: Es sei eine Entscheidung für 4a Architekten Stuttgart getroffen worden. Aber weiter sei eben nichts passiert. Denn nach dem Ablauf einer Einspruchsfrist werde sich das Büro 4a zunächst, so wie er es im Technischen Ausschuss auf Nachfrage gesagt habe, mit den technischen Belangen beschäftigen. Dies sei wichtig, um Sicherheit zu bekommen, "ob die bisherigen Annahmen richtig sind, oder ob hier unerwartete Risiken im Technikbereich liegen könnten. Und hier meine ich nicht, ob man sich perspektivisch um alternative Energieversorgung kümmern sollte, sondern ob der Bestand passt. Aber auch das ist ein ganz normaler Vorgang."
"Erst danach geht es um weitere Planungen auf Grundlage der von Fritz-Architekten vorgestellten Ideen. Erst danach werden wir also wieder mit der Planungsgruppe und dem Generalplaner über das weitere Vorgehen sprechen", so der Rathauschef. Im Übrigen sei das Vorgehen genau so vorgestellt worden. Nämlich, dass der Generalplaner ausgewählt werde und danach konkrete Planungen beginnen würden. Außerdem hätten ein solches Vorgehen die beiden im Wettbewerb verbliebenen Büros gleichermaßen in deren Zeitplanung vorgesehen.
Keine Förderung
Bezüglich des Förderantrags befinde man sich ebenfalls genau auf dem skizzierten Weg. Nachdem der erste Förderantrag im Frühjahr mit rund 2,5 Millionen Euro bei einem Invest von rund 4,2 Millionen Euro bewilligt worden ist, habe man nun für den zweiten Abschnitt (circa 4,3 Millionen Euro) einen Antrag eingereicht. "Für diesen erhoffen wir ebenfalls eine Förderung zu erhalten, die dann, wenn dies so kommen sollte, wieder 2,5 Millionen Euro betragen könnte". Der Schultes legt noch mal Wert darauf festzustellen: Es gebe keine Förderung für Sauna und Restaurantbereich. Daher verbleibe ein Delta zwischen den förderfähigen Bauabschnitten eins und zwei sowie den restlichen Baumaßnahmen.
Zur Erinnerung: Ende September hat der Gemeinderat die Angebote des türkischen Investors Hüseyin Aydogan abgelehnt. Es wurde beschlossen: keine Übernahme der Siebentäler Therme und keinen Aquapark auf der Schweizer Wiese oder auf dem Freibad-Gelände. Lediglich Bürgermeister Hoffmann stimmte dafür, die Verwaltung mit der Weiterverfolgung der Angebote zu beauftragen.
Info: Stadt trägt den Verlust
Der bisherige "Eigenbetrieb Stadtwerke" wurde 2005 aufgehoben und die "Stadtwerke Bad Herrenalb GmbH" neu gegründet. Mit notarieller Beurkundung im Juni 2006 wurden mit der EnBW Regional AG, heute EnBW Kommunale Beteiligungen GmbH, sowie der SWE Servicegesellschaft für Energiedienstleistungen mbH Ettlingen, heute Stadtwerke Ettlingen GmbH, weitere Gesellschafter in die Stadtwerke Bad Herrenalb GmbH aufgenommen.
In einem weiteren Schritt beurkundete man die Verschmelzung zwischen den Stadtwerken und der Therme Bad Herrenalb GmbH, sodass die Betriebszweige der Stadtwerke Bad Herrenalb GmbH so aussehen: Stromnetz, Strombetrieb, Wasserversorgung, Freibad und Siebentäler Therme. Geschäftsführerin ist seit 2007 Karina Herrmann.
Die Bäderbetriebe erwirtschaften jährlich einen hohen Verlust, der mit dem Erlös der anderen drei gewinnbringenden Sparten verrechnet wird. Die mehr als 50 Jahre alte Siebentäler Therme und das Waldfreibad gehören zu 100 Prozent der Stadt Bad Herrenalb. Das bedeutet: Den Verlust muss ausschließlich die Stadt decken.
Kommentar: Neue Bewertung
Von Markus Kugel
Es ist eine knappe Entscheidung gewesen: Ende Juni 2021 sprach sich der Bad Herrenalber Gemeinderat bei sieben Ja- und fünf Neinstimmen dafür aus, dass die Siebentäler Therme für rund 13,4 Millionen Euro netto saniert und umgebaut wird.
Und mittlerweile ist viel Wasser die Alb runtergeflossen. Mit rund 2,5 Millionen Euro wird der erste Bauabschnitt der Revitalisierung der Siebentäler Therme gefördert. Einen Zuschuss in ähnlicher Höhe soll es für den zweiten Bauabschnitt geben – das Regierungspräsidium bearbeitet bereits den Antrag. Außerdem steht jetzt fest, wer sich um die Generalplanung kümmern soll: die 4a Architekten Stuttgart GmbH.
Wenn nun die konkreten Planungen beginnen, dann geht es auch unweigerlich um die Kosten. Und man muss kein Hellseher sein, um vorauszusehen, dass aufgrund der aktuellen Lage für die Revitalisierung deutlich mehr Euros als beschlossen hingeblättert werden müssen.
Nicht nur deshalb, sondern auch, weil es nach wie vor geteilte Meinungen in Sachen Therme gibt, müssen die Bürger stets auf den aktuellen Stand gebracht werden. Transparenz ist das A und O. Wobei es mittlerweile bei dem einen oder anderen Stadtrat sein kann, dass für ihn wegen veränderter Umstände eine Neubewertung erforderlich ist. Wenn ja, wird die Revitalisierung dann doch noch aus Kostengründen gestoppt? Es bleibt spannend.